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title: "Wenn aus der Ferne | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/h/hoelderlin/gedichte07/02.html"
description: Das Gedicht »Wenn aus der Ferne« wurde vom Schriftsteller Friedrich Hölderlin (1770-1843) während seiner Zeit in Waltershausen, Jena und Nürtingen in den Jahren 1794 und 1795 verfasst.
author: Michael Gnessner
date: 2025-01-18
modified: 2026-08-28
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# Wenn aus der Ferne | EPOCHE NAPOLEON

####  Gedichte

###  Gedichte aus der Zeit der Umnachtung

 Wenn aus der Ferne
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Wenn aus der Ferne, da wir geschieden sind,
 Ich dir noch kennbar bin, die Vergangenheit,
 O du Teilhaber meiner Leiden!
 Einiges Gute bezeichnen dir kann,

So sage, wie erwartet die Freundin dich?
 In jenen Gärten, da nach entsetzlicher
 Und dunkler Zeit wir uns gefunden?
 Hier an den Strömen der heilgen Urwelt.

Das muß ich sagen, einiges Gutes war
 In deinen Blicken, als in den Fernen du
 Dich einmal fröhlich umgesehen,
 Immer verschlossener Mensch, mit finstrem

Aussehn. Wie flossen Stunden dahin, wie still
 War meine Seele über der Wahrheit, daß
 Ich so getrennt gewesen wäre?
 Ja! ich gestand es, ich war die deine.

Wahrhaftig! wie du alles Bekannte mir
 In mein Gedächtnis bringen und schreiben willst,
 Mit Briefen, so ergeht es mir auch,
 Daß ich Vergangenes alles sage.

Wars Frühling? war es Sommer? die Nachtigall
 Mit süßem Liede lebte mit Vögeln, die
 Nicht ferne waren im Gebüsche
 Und mit Gerüchen umgaben Bäum' uns.

Die klaren Gänge, niedres Gesträuch und Sand,
 Auf dem wir traten, machten erfreulicher
 Und lieblicher die Hyazinthe
 Oder die Tulpe, Viole, Nelke.

Um Wänd und Mauern grünte der Efeu, grünt'
 Ein selig Dunkel hoher Alleen. Oft
 Des Abends, Morgens waren dort wir,
 Redeten manches und sahn uns froh an.

In meinen Armen lebte der Jüngling auf,
 Der, noch verlassen, aus den Gefilden kam,
 Die er mir wies, mit einer Schwermut,
 Aber die Namen der seltnen Orte

Und alles Schöne hatt' er behalten, das
 An seligen Gestaden, auch mir sehr wert,
 Im heimatlichen Lande blühet
 Oder verborgen, aus hoher Aussicht,

Allwo das Meer auch einer beschauen kann,
 Doch keiner sein will. Nehme vorlieb, und denk
 An die, die noch vergnügt ist, darum,
 Weil der entzückende Tag uns anschien,

Der mit Geständnis oder der Hände Druck
 Anhub, der uns vereinet. Ach! wehe mir!
 Es waren schöne Tage. Aber
 Traurige Dämmerung folgte nachher.

Du seiest so allein in der schönen Welt,
 Behauptest du mir immer, Geliebter! das
 Weißt aber du nicht,
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