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title: "An Eduard | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/h/hoelderlin/gedichte06/01-1/19.html"
description: Das Gedicht »An Eduard« wurde vom Schriftsteller Friedrich Hölderlin (1770-1843) während der Jahre 1800 bis 1806 verfasst.
author: Michael Gnessner
date: 2025-01-11
modified: 2026-08-28
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# An Eduard | EPOCHE NAPOLEON

####  Gedichte

###  Gedichte nach 1800

 An Eduard
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Euch alten Freunde droben, unsterbliches
 Gestirn! euch frag ich, Helden! woher es ist,
 Daß ich so untertan ihm bin, und
 So der Gewaltige sein mich nennet.

Denn wenig kann ich bieten, nur weniges
 Kann ich verlieren, aber ein liebes Glück,
 Ein einziges, zum Angedenken
 Reicherer Tage zurückgeblieben;

Und so er mirs geböte, dies eine noch,
 Mein Saitenspiel, ich wagt es, wohin er wollt,
 Und mit Gesange folgt ich, selbst ins
 Ende der Tapferen, ihm hinunter.

»Die Wolke«, säng ich, »tränket mit Regen dich,
 Du Mutterboden! aber mit Blut der Mensch;
 So ruht, so kühlt die Liebe sich, die
 Droben und drunten nicht Gleiches findet.

Wo ist am Tag ihr Zeichen? wo spricht das Herz
 Sich aus? und wann im Leben, wann ist es frei,
 Was unser Wort nicht nennt, wann wird, was
 Trauert, gebannt in die Nacht, sein Wunsch ihm? –

Jetzt, wann die Opfer fallen, ihr Freunde! jetzt!
 Schon tritt hinzu der festliche Zug, schon blinkt
 Der Stahl, die Wolke dampft, sie fallen, und es
 Hallt in der Luft, und die Erde rühmt es! «

Wenn ich so singend fiele, dann rächtest du
 Mich, mein Achill! und sprächest: »Er lebte doch
 Treu bis zuletzt!« Das ernste Wort, das
 Spräche mein Feind, und der Totenrichter!

Doch weilen wir in Ruhe, du Lieber, noch;
 Uns birgt der Wald, es hält das Gebirge dort,
 Das mütterliche, noch die beiden
 Brüder in sicherem Arm gefangen.

Uns ist die Weisheit Wiegengesang; sie webt
 Ums Aug ihr heilig Dunkel; doch öfters kömmt
 Aus fernetönendem Gewölk die
 Mahnende Flamme des Zeitengottes.

Es regt sein Sturm die Schwingen dir auf, dich ruft,
 Dich nimmt der mächtge Vater hinauf; o nimm
 Mich du, und trage deine leichte
 Beute dem lächelnden Gott entgegen!