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title: "Der Abschied | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/h/hoelderlin/gedichte06/01-1/12.html"
description: Das Gedicht »Der Abschied« wurde vom Schriftsteller Friedrich Hölderlin (1770-1843) während der Jahre 1800 bis 1806 verfasst.
author: Michael Gnessner
date: 2025-01-11
modified: 2026-08-28
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# Der Abschied | EPOCHE NAPOLEON

####  Gedichte

###  Gedichte nach 1800

 Der Abschied
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Trennen wollten wir uns? wähnten es gut und klug?
 Da wirs taten, warum schröckte, wie Mord, die Tat?
 Ach! wir kennen uns wenig,
 Denn es waltet ein Gott in uns.

Den verraten? ach ihn, welcher uns alles erst,
 Sinn und Leben erschuf, ihn, den beseelenden
 Schutzgott unserer Liebe,
 Dies, dies Eine vermag ich nicht.

Aber anderen Fehl denket der Menschen Sinn,
 Andern ehernen Dienst übt er und anders Recht,
 Und es fodert die Seele
 Tag für Tag der Gebrauch uns ab.

Wohl! ich wußt' es zuvor. Seit der gewurzelte
 Allentzweiende Haß Götter und Menschen trennt,
 Muß, mit Blut sie zu sühnen,
 Muß der Liebenden Herz vergehn.

Laß mich schweigen! o laß nimmer von nun an mich
 Dieses Tödliche sehn, daß ich im Frieden doch
 Hin ins Einsame ziehe,
 Und noch unser der Abschied sei!

Reich die Schale mir selbst, daß ich des rettenden
 Heilgen Giftes genug, daß ich des Lethetranks
 Mit dir trinke, daß alles,
 Haß und Liebe, vergessen sei!

Hingehn will ich. Vielleicht seh' ich in langer Zeit
 Diotima! dich hier. Aber verblutet ist
 Dann das Wünschen und friedlich
 Gleich den Seligen, fremd sind wir,

Und ein ruhig Gespräch führet uns auf und ab,
 Sinnend, zögernd, doch itzt faßt die Vergessenen
 Hier die Stelle des Abschieds,
 Es erwarmet ein Herz in uns,

Staunend seh' ich dich an, Stimmen und süßen Sang,
 Wie aus voriger Zeit, hör' ich und Saitenspiel,
 Und befreiet, in Lüfte
 Fliegt in Flammen der Geist uns auf.