---
title: "Der Frieden | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/h/hoelderlin/gedichte06/01-1/02.html"
description: Das Gedicht »Der Frieden« wurde vom Schriftsteller Friedrich Hölderlin (1770-1843) während der Jahre 1800 bis 1806 verfasst.
author: Michael Gnessner
date: 2025-01-11
modified: 2026-08-28
---

# Der Frieden | EPOCHE NAPOLEON

####  Gedichte

###  Gedichte nach 1800

 Der Frieden
=============

Wie wenn die alten Wasser, die ———
 ————————— in andern Zorn,
 In schröcklichern verwandelt wieder
 Kämen, zu reinigen, da es not war,

So gählt' und wuchs und wogte von Jahr zu Jahr
 Rastlos und überschwemmte das bange Land
 Die unerhörte Schlacht, daß weit hüllt
 Dunkel und Blässe das Haupt der Menschen.

Die Heldenkräfte flogen, wie Wellen, auf
 Und schwanden weg, du kürztest, o Rächerin!
 Den Dienern oft die Arbeit schnell und
 Brachtest in Ruhe sie heim, die Streiter.

O du, die unerbittlich und unbesiegt
 Den Feigern und den Übergewaltgen trifft,
 Daß bis ins letzte Glied hinab vom
 Schlage sein armes Geschlecht erzittert,

Die du geheim den Stachel und Zügel hältst,
 Zu hemmen und zu fördern, o Nemesis,
 Strafst du die Toten noch, es schliefen
 Unter Italiens Lorbeergärten

Sonst ungestört die alten Eroberer.
 Und schonst du auch des müßigen Hirten nicht,
 Und haben endlich wohl genug den
 Üppigen Schlummer gebüßt die Völker?

Wer hub es an? wer brachte den Fluch? von heut
 Ists nicht und nicht von gestern, und die zuerst
 Das Maß verloren, unsre Väter
 Wußten es nicht, und es trieb ihr Geist sie.

Zu lang, zu lang schon treten die Sterblichen
 Sich gern aufs Haupt, und zanken um Herrschaft sich,
 Den Nachbar fürchtend, und es hat auf
 Eigenem Boden der Mann nicht Segen.

Und unstät wehn und irren, dem Chaos gleich,
 Dem gärenden Geschlechte die Wünsche noch
 Umher und wild ist und verzagt und kalt von
 Sorgen das Leben der Armen immer.

Du aber wandelst ruhig die sichre Bahn,
 O Mutter Erd, im Lichte. Dein Frühling blüht,
 Melodischwechselnd gehn dir hin die
 Wachsenden Zeiten, du Lebensreiche!

Komm du nun, du der heiligen Musen all,
 Und der Gestirne Liebling, verjüngender
 Ersehnter Friede, komm und gib ein
 Bleiben im Leben, ein Herz uns wieder.

Unschuldiger! sind klüger die Kinder doch
 Beinahe, denn wir Alten; es irrt der Zwist
 Den Guten nicht den Sinn, und klar und
 Freudig ist ihnen ihr Auge blieben.

Und wie mit andern Schauenden lächelnd ernst
 Der Richter auf der Jünglinge Rennbahn sieht,
 Wo glühender die Kämpfenden die
 Wagen in stäubende Wolken treiben,

So steht und lächelt Helios über uns
 Und einsam ist der Göttliche, Frohe nie,
 Denn ewig wohnen sie, des Aethers
 Blühende Sterne, die Heiligfreien.