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title: "Mein Eigentum | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/h/hoelderlin/gedichte05/18.html"
description: Das Gedicht »Mein Eigentum« wurde vom Schriftsteller Friedrich Hölderlin (1770-1843) während seiner Zeit in Homburg in den Jahren 1798 und 1800 verfasst.
author: Michael Gnessner
date: 2025-01-05
modified: 2026-08-28
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# Mein Eigentum | EPOCHE NAPOLEON

####  Gedichte

###  Homburg

 Mein Eigentum
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In seiner Fülle ruhet der Herbsttag nun,
 Geläutert ist die Traub und der Hain ist rot
 Vom Obst, wenn schon der holden Blüten
 Manche der Erde zum Danke fielen.

Und rings im Felde, wo ich den Pfad hinaus,
 Den stillen, wandle, ist den Zufriedenen
 Ihr Gut gereift und viel der frohen
 Mühe gewähret der Reichtum ihnen.

Vom Himmel blicket zu den Geschäftigen
 Durch ihre Bäume milde das Licht herab,
 Die Freude teilend, denn es wuchs durch
 Hände der Menschen allein die Frucht nicht.

Und leuchtest du, o Goldnes, auch mir, und wehst
 Auch du mir wieder, Lüftchen, als segnetest
 Du eine Freude mir, wie einst, und
 Irrst, wie um Glückliche, mir am Busen?

Einst war ichs, doch wie Rosen, vergänglich war
 Das fromme Leben, ach! und es mahnen noch,
 Die blühend mir geblieben sind, die
 Holden Gestirne zu oft mich dessen.

Beglückt, wer, ruhig liebend ein frommes Weib,
 Am eignen Herd in rühmlicher Heimat lebt,
 Es leuchtet über festem Boden
 Schöner dem sicheren Mann sein Himmel.

Denn, wie die Pflanze, wurzelt auf eignem Grund
 Sie nicht, verglüht die Seele des Sterblichen,
 Der mit dem Tageslichte nur, ein
 Armer, auf heiliger Erde wandelt.

Zu mächtig, ach! ihr himmlischen Höhen, zieht
 Ihr mich empor, bei Stürmen, am heitern Tag
 Fühl ich verzehrend euch im Busen
 Wechseln, ihr wandelnden Götterkräfte.

Doch heute laß mich stille den trauten Pfad
 Zum Haine gehn, dem golden die Wipfel schmückt
 Sein sterbend Laub, und kränzt auch mir die
 Stirne, ihr holden Erinnerungen!

Und daß mir auch, zu retten mein sterblich Herz,
 Wie andern eine bleibende Stätte sei,
 Und heimatlos die Seele mir nicht
 Über das Leben hinweg sich sehne,

Sei du, Gesang, mein freundlich Asyl! sei du,
 Beglückender! mit sorgender Liebe mir
 Gepflegt, der Garten, wo ich, wandelnd
 Unter den Blüten, den immerjungen,

In sichrer Einfalt wohne, wenn draußen mir
 Mit ihren Wellen allen die mächtge Zeit,
 Die Wandelbare, fern rauscht und die
 Stillere Sonne mein Wirken fördert.

Ihr segnet gütig über den Sterblichen,
 Ihr Himmelskräfte! jedem sein Eigentum,
 O segnet meines auch, und daß zu
 Frühe die Parze den Traum nicht ende.