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title: "An die Ruhe | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/h/hoelderlin/gedichte02/11.html"
description: Das Gedicht »An die Ruhe« wurde vom Schriftsteller Friedrich Hölderlin (1770-1843) während seiner Tübinger Studienjahre zwischen 1788 und 1793 verfasst.
author: Michael Gnessner
date: 2024-12-04
modified: 2026-08-28
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# An die Ruhe | EPOCHE NAPOLEON

####  Gedichte

 An die Ruhe
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Vom Gruß des Hahns, vom Sichelgetön erweckt,
 Gelobt' ich dir, Beglückerin! Lobgesang,
 Und siehe da, am heitern Mittag
 Schläget sie mir, der Begeistrung Stunde.

Erquicklich, wie die heimische Ruhebank
 Im fernen Schlachtgetümmel dem Krieger deucht,
 Wenn die zerfleischten Arme sinken,
 Und der geschmetterte Stahl im Blut liegt —

So bist du, Ruhe! freundliche Trösterin!
 Du schenkest Riesenkraft dem Verachteten;
 Er höhnet Dominiksgesichtern,
 Höhnet der zischenden Natterzunge.

Im Veilchental, vom dämmernden Hain umbraust,
 Entschlummert er, von süßen Begeist'rungen
 Der Zukunft trunken, von der Unschuld
 Spielen im flatternden Flügelkleide.

Da weiht der Ruhe Zauber den Schlummernden,
 Mit Mut zu schwingen im Labyrinth sein Licht'
 Die Fahne rasch voranzutragen,
 Wo sich der Dünkel entgegenstemmet.

Auf springt er, wandelt ernster den Bach hinab
 Nach seiner Hütte. Siehe! das Götterwerk,
 Es keimet in der großen Seele.
 Wieder ein Lenz, — und es ist vollendet.

An jener Stätte bauet der Herrliche
 Dir, gottgesandte Ruhe! den Dankaltar.
 Dort harrt er, wonnelächlend, wie die
 Scheidende Sonne, des längern Schlummers.

Denn sieh, es wallt der Enkel zu seinem Grab,
 Voll hohen Schauers, wie zu des Weisen Grab,
 Des Herrlichen, der, von der Pappel
 Säuseln umweht, auf der Insel schlummert.