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title: "Heimath | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/h/hensel/gedichte/19.html"
description: »Heimath« verfasste die religiöse Schriftstellerin Luise Hensel (1798-1876) im Jahre 1819 in Münster. Text nach der Ausgabe ihrer »Lieder« von 1879.
author: Michael Gnessner
date: 2019-02-17
modified: 2026-10-17
type: article
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# Heimath | EPOCHE NAPOLEON

Heimath
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 Februar 17, 2019

»Das Füchslein kennt die sichre Höhle,
 Die Schwalbe klebt ihr Nestlein an –
 O, zeige meiner müden Seele
 Den Ort auch, wo sie rasten kann!«

 So fleht' ich mit gerung'nen Händen,
 Und heiße Thränen flossen drauf;
 Die Blicke mußt' ich sehnend wenden
 Zum fernen Himmelszelt hinauf.

 Die Erde schien mir so verlassen,
 Der Heiland, meint' ich, sei so fern;
 Den Tag, die Farben wollt' ich hassen
 Und einzig suchen meinen Herrn.

 Und wußt' Ihn nirgend doch zu finden,
 Und fragend blickt' ich himmelwärts;
 So sah ich Monde, Jahre schwinden,
 Und Ruhe kam nicht in mein Herz.

 Wie konnt' ich diese Erde lieben,
 Auf der ich Ihn nicht wandeln sah?
 Die Seele sucht' Ihn einzig drüben
 Und ahnte nicht, daß Er so nah'.

 Bis ich von Seiner Kirche hörte,
 Die auf den wahren Fels gebaut,
 Und bis Sein Geist den Weg mich lehrte
 Zur hochgelobten Gottesbraut.

 Da sehnt' ich mich nach Seinen Gaben
 Und nach der Kirche Mutterschooß,
 Und konnte doch den Trost nicht haben,
 Daß mich ihr heil'ger Arm umschloß.

 Bis ich beim Anblick Seiner Wunden
 Mein banges Zagen überwand –
 Da hatt' ich meinen Freund gefunden
 Und Mutterhaus und Vaterland. –

 Das Füchslein ruht in sichrer Höhle,
 Das Schwälblein froh im Neste thront;
 Und Dein Altar ist meiner Seele
 Die Heimath, wo sie friedlich wohnt.

Münster, 1819.