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title: "Aschermittwoch | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/h/hensel/gedichte/06.html"
description: »Aschermittwoch« verfasste die religiöse Schriftstellerin Luise Hensel (1798-1876) im Jahre 1820 in Düsseldorf. Text nach der Ausgabe ihrer »Lieder« von 1879.
image: "https://www.epoche-napoleon.net/fileadmin/bilder/Biographien/Hensel_Louisa.jpg"
author: Michael Gnessner
date: 2019-02-15
modified: 2026-10-17
type: article
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# Aschermittwoch | EPOCHE NAPOLEON

Aschermittwoch
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»Staub bist du und kehrst zum Staube,
 Denk', o Mensch, an deinen Tod!«
 Wohl, dies weiß ich, doch mein Glaube
 Sieht ein ew'ges Morgenroth.

 Sieht ein Land, wo Friedenspalmen
 Um des Siegers Scheitel wehn,
 Wo umrauscht von ihren Psalmen
 Wir der Engel Chöre sehn.

 Wo Maria, die Getreue,
 Ihr geliebtes Kind uns zeigt,
 Wo die Sehnsucht und die Reue
 Nun ihr selig Ziel erreicht.

 Wo der Vater mit dem Sohne
 Und dem heil'gen Geist zugleich
 Thront auf *einem* ew'gen Throne,
 Unaussprechlich herrlich, reich.

 Wo wir Den, der je gewesen,
 Schauen, wie Er ewig war.
 O, dort wird mein Herz genesen!
 O, dort wird mein Auge klar!

 Wo verklärte Seelen streben
 Ihn, den Einz'gen, zu erhöhn,
 Wo die sel'gen Märt'rer schweben,
 Wo die reinen Jungfrau'n stehn.

 Wo die zarte Magdalene
 Selig Ihm zu Füßen liegt,
 Da der Reue bittre Thräne
 Ihr in Wonne längst versiegt.

 Wo Johannes, der Geliebte,
 Innig Ihm am Herzen ruht,
 Alles Kranke, einst Betrübte
 Ruht in Seines Schooßes Hut.

 Wo die heil'gen Schaaren wandeln,
 Die das Kreuz den Weg gelehrt,
 Die im Lieben, Dulden, Handeln
 Hier Sein Bild in sich verklärt. –

 Wohl mir, daß er Staub einst werde,
 Dieser Leib von Erd' und Staub!
 Meine Seele wird der Erde,
 Wird dem Wurme nicht zum Raub.

 Hauch ist sie aus Gottes Munde,
 Und sie kehrt hinauf zum Licht.
 Sei gesegnet, ernste Stunde,
 Die einst meine Fessel bricht!

 Sei gesegnet, stiller Hügel,
 Der einst meine Asche deckt,
 Bis das Weh'n der Seraphsflügel
 Mich vom langen Schlaf erweckt!

 »Denn du Staub, du kehrst zum Staube
 Bis zum neuen Morgenroth.«
 Ja, ich weiß es, doch mein Glaube
 Hebt mich über Grab und Tod.

Düsseldorf, 1820.