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title: "Der Junggesell und der Mühlbach | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/g/goethe/gedichte1827/04/16.html"
description: Die Ballade »Der Junggesell und der Mühlbach« wurde von Schriftsteller und Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) im Jahre 1797 verfasst und erstmals im Jahre 1798 gedruckt veröffentlicht.
author: Michael Gnessner
date: 2025-02-21
modified: 2025-05-17
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# Der Junggesell und der Mühlbach | EPOCHE NAPOLEON

Der Junggesell und der Mühlbach
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###  Entstanden 1797, Erstdruck 1798.

*Gesell*
Wo willst du klares Bächlein hin,
So munter?
Du eilst mit frohem, leichtem Sinn
Hinunter.
Was suchst du eilig in dem Tal?
So höre doch und sprich einmal!

*Bach*
Ich war ein Bächlein, Junggesell;
Sie haben
Mich so gefaßt, damit ich schnell,
Im Graben,
Zur Mühle dort hinunter soll,
Und immer bin ich rasch und voll.

*Gesell*
Du eilest mit gelaßnem Mut
Zur Mühle
Und weißt nicht, was ich junges Blut
Hier fühle.
Es blickt die schöne Müllerin
Wohl freundlich manchmal nach dir hin?

*Bach*
Sie öffnet früh beim Morgenlicht
Den Laden,
Und kommt, ihr liebes Angesicht
Zu baden.
Ihr Busen ist so voll und weiß;
Es wird mir gleich zum Dampfen heiß.

*Gesell*
Kann sie im Wasser Liebesglut
Entzünden,
Wie soll man Ruh mit Fleisch und Blut
Wohl finden?
Wenn man sie *einmal* nur gesehn,
Ach! immer muß man nach ihr gehn.

*Bach*
Dann stürz ich auf die Räder mich
Mit Brausen,
Und alle Schaufeln drehen sich
Im Sausen.
Seitdem das schöne Mädchen schafft,
Hat auch das Wasser beßre Kraft.

*Gesell*
Du Armer, fühlst du nicht den Schmerz
Wie andre?
Sie lacht dich an und sagt im Scherz:
»Nun wandre!«
Sie hielte dich wohl selbst zurück
Mit einem süßen Liebesblick?

*Bach*
Mir wird so schwer, so schwer, vom Ort
Zu fließen:
Ich krümme mich nur sachte fortDurch Wiesen;
Und käm es erst auf mich nur an,
Der Weg wär bald zurückgetan.

*Gesell*
Geselle meiner Liebesqual,
Ich scheide
Du murmelst mir vielleicht einmal
Zur Freude.
Geh, sag ihr gleich, und sag ihr oft,
Was still der Knabe wünscht und hofft.