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title: "Innerer Burghof | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/g/goethe/drama/faust02/16.html"
description: »Innerer Burghof« ist Teil des Dramas »Faust II« des Weimarer Schriftstellers Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832).
author: Michael Gnessner
date: 2022-09-12
modified: 2024-12-23
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# Innerer Burghof | EPOCHE NAPOLEON

Faust
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###  Dritter Akt.

####  Innerer Burghof

Umgeben von reichen phantastischen Gebäuden des Mittelalters.

CHORFÜHRERIN.

Vorschnell und töricht, echt wahrhaftes Weibsgebild!
 Vom Augenblick abhängig, Spiel der Witterung,
 Des Glücks und Unglücks! Keins von beiden wißt ihr je
 Zu bestehn mit Gleichmut. Eine widerspricht ja stets
 Der andern heftig, überquer die andern ihr;
 In Freud' und Schmerz nur heult und lacht ihr gleichen Tons.
 Nun schweigt! und wartet horchend, was die Herrscherin
 Hochsinnig hier beschließen mag für sich und uns.

HELENA.

Wo bist du, Pythonissa? heiße, wie du magst;
 Aus diesen Gewölben tritt hervor der düstern Burg.
 Gingst etwa du, dem wunderbaren Heldenherrn
 Mich anzukündigen, Wohlempfang bereitend mir,
 So habe Dank und führe schnell mich ein zu ihm;
 Beschluß der Irrfahrt wünsch' ich. Ruhe wünsch' ich nur.

CHORFÜHRERIN.

Vergebens blickst du, Königin, allseits um dich her;
 Verschwunden ist das leidige Bild, verblieb vielleicht
 Im Nebel dort, aus dessen Busen wir hieher,
 Ich weiß nicht wie, gekommen, schnell und sonder Schritt.
 Vielleicht auch irrt sie zweifelhaft im Labyrinth
 Der wundersam aus vielen einsgewordnen Burg,
 Den Herrn erfragend fürstlicher Hochbegrüßung halb.
 Doch sieh, dort oben regt in Menge sich allbereits,
 In Galerien, am Fenster, in Portalen rasch
 Sich hin und her bewegend, viele Dienerschaft;
 Vornehm-willkommnen Gastempfang verkündet es.

CHOR.

Aufgeht mir das Herz! o, seht nur dahin,
 Wie so sittig herab mit verweilendem Tritt
 Jungholdeste Schar anständig bewegt
 Den geregelten Zug. Wie? auf wessen Befehl
 Nur erscheinen, gereiht und gebildet so früh,
 Von Jünglingsknaben das herrliche Volk?
 Was bewundr' ich zumeist? Ist es zierlicher Gang,
 Etwa des Haupts Lockhaar um die blendende Stirn,
 Etwa der Wänglein Paar, wie die Pfirsiche rot
 Und eben auch so weichwollig beflaumt?
 Gern biss' ich hinein, doch ich schaudre davor;
 Denn in ähnlichem Fall, da erfüllte der Mund Sich, gräßlich zu sagen! mit Asche.

 Aber die schönsten,
 Sie kommen daher;
 Was tragen sie nur?
 Stufen zum Thron,
 Teppich und Sitz,
 Umhang und zelt-
 artigen Schmuck;
 Über überwallt er,
 Wolkenkränze bildend,
 Unsrer Königin Haupt;
 Denn schon bestieg sie
 Eingeladen herrlichen Pfühl.
 Tretet heran,
 Stufe für Stufe
 Reihet euch ernst.
 Würdig, o würdig, dreifach würdig
 Sei gesegnet ein solcher Empfang!

Alles vom Chor Ausgesprochene geschieht nach und nach. Faust. Nachdem Knaben und Knappen in langem Zug herabgestiegen, erscheint er oben an der Treppe in ritterlicher Hofkleidung des Mittelalters und kommt langsam würdig herunter.

CHORFÜHRERIN ihn aufmerksam beschauend.

Wenn diesem nicht die Götter, wie sie öfter tun,
 Für wenige Zeit nur wundernswürdige Gestalt,
 Erhabnen Anstand, liebenswerte Gegenwart
 Vorübergänglich liehen, wird ihm jedesmal,
 Was er beginnt, gelingen, sei's in Männerschlacht,
 So auch im kleinen Kriege mit den schönsten Fraun.
 Er ist fürwahr gar vielen andern vorzuziehn,
 Die ich doch auch als hochgeschätzt mit Augen sah.
 Mit langsam-ernstem, ehrfurchtsvoll gehaltnem Schritt
 Seh' ich den Fürsten; wende dich, o Königin!

FAUST herantretend, einen Gefesselten zur Seite.

Statt feierlichsten Grußes, wie sich ziemte,
 Statt ehrfurchtsvollem Willkomm bring' ich dir
 In Ketten hart geschlossen solchen Knecht,
 Der, Pflicht verfehlend, mir die Pflicht entwand.
 Hier kniee nieder, dieser höchsten Frau
 Bekenntnis abzulegen deiner Schuld.
 Dies ist, erhabne Herrscherin, der Mann,
 Mit seltnem Augenblitz vom hohen Turm
 Umherzuschaun bestellt, dort Himmelsraum
 Und Erdenbreite scharf zu überspähn,
 Was etwa da und dort sich melden mag,
 Vom Hügelkreis ins Tal zur festen Burg
 Sich regen mag, der Herden Woge sei's,
 Ein Heereszug vielleicht; wir schützen jene,
 Begegnen diesem. Heute, welch Versäumnis!
 Du kommst heran, er meldet's nicht; verfehlt
 Ist ehrenvoller, schuldigster Empfang
 So hohen Gastes. Freventlich verwirkt
 Das Leben hat er, läge schon im Blut
 Verdienten Todes; doch nur du allein
 Bestrafst, begnadigst, wie dir's wohlgefällt.

HELENA.

So hohe Würde, wie du sie vergönnst,
 Als Richterin, als Herrscherin, und wär's
 Versuchend nur, wie ich vermuten darf –
 So üb' ich nun des Richters erste Pflicht,
 Beschuldigte zu hören. Rede denn.

TURMWÄCHTER LYNKEUS.

Laß mich knieen, laß mich schauen,
 Laß mich sterben, laß mich leben,
 Denn schon bin ich hingegeben
 Dieser gottgegebnen Frauen.

Harrend auf des Morgens Wonne,
 Östlich spähend ihren Lauf,
 Ging auf einmal mir die Sonne
 Wunderbar im Süden auf.

 Zog den Blick nach jener Seite,
 Statt der Schluchten, statt der Höhn,
 Statt der Erd- und Himmelsweite
 Sie, die Einzige, zu spähn.

Augenstrahl ist mir verliehen
 Wie dem Luchs auf höchstem Baum;
 Doch nun mußt' ich mich bemühen
 Wie aus tiefem, düsterm Traum.

Wüßt' ich irgend mich zu finden?
 Zinne? Turm? geschloßnes Tor?
 Nebel schwanken, Nebel schwinden,
 Solche Göttin tritt hervor!

Aug' und Brust ihr zugewendet,
 Sog ich an den milden Glanz;
 Diese Schönheit, wie sie blendet,
 Blendete mich Armen ganz.

Ich vergaß des Wächters Pflichten,
 Völlig das beschworne Horn;
 Drohe nur, mich zu vernichten –
 Schönheit bändigt allen Zorn.

HELENA.

Das Übel, das ich brachte, darf ich nicht
 Bestrafen. Wehe mir! Welch streng Geschick
 Verfolgt mich, überall der Männer Busen
 So zu betören, daß sie weder sich
 Noch sonst ein Würdiges verschonten. Raubend jetzt,
 Verführend, fechtend, hin und her entrückend,
 Halbgötter, Helden, Götter, ja Dämonen,
 Sie führten mich im Irren her und hin.
 Einfach die Welt verwirrt' ich, doppelt mehr;
 Nun dreifach, vierfach bring' ich Not auf Not.
 Entferne diesen Guten, laß ihn frei;
 Den Gottbetörten treffe keine Schmach.

FAUST.

Erstaunt, o Königin, seh' ich zugleich
 Die sicher Treffende, hier den Getroffnen;
 Ich seh' den Bogen, der den Pfeil entsandt,
 Verwundet jenen. Pfeile folgen Pfeilen,
 Mich treffend. Allwärts ahn' ich überquer
 Gefiedert schwirrend sie in Burg und Raum.
 Was bin ich nun? Auf einmal machst du mir
 Rebellisch die Getreusten, meine Mauern
 Unsicher. Also fürcht' ich schon, mein Heer
 Gehorcht der siegend unbesiegten Frau.
 Was bleibt mir übrig, als mich selbst und alles,
 Im Wahn das Meine, dir anheimzugeben?
 Zu deinen Füßen laß mich, frei und treu,
 Dich Herrin anerkennen, die sogleich
 Auftretend sich Besitz und Thron erwarb.

LYNKEUS mit einer Kiste, und Männer, die ihm andere nachtragen.

Du siehst mich, Königin, zurück!
 Der Reiche bettelt einen Blick,
 Er sieht dich an und fühlt sogleich
 Sich bettelarm und fürstenreich.

Was war ich erst? was bin ich nun?
 Was ist zu wollen? was zu tun?
 Was hilft der Augen schärfster Blitz!
 Er prallt zurück an deinem Sitz.

Von Osten kamen wir heran,
 Und um den Westen war's getan;
 Ein lang und breites Volksgewicht,
 Der erste wußte vom letzten nicht.

Der erste fiel, der zweite stand,
 Des dritten Lanze war zur Hand;
 Ein jeder hundertfach gestärkt,
 Erschlagne Tausend unbemerkt.

Wir drängten fort, wir stürmten fort,
 Wir waren Herrn von Ort zu Ort;
 Und wo ich herrisch heut befahl,
 Ein andrer morgen raubt' und stahl.

Wir schauten – eilig war die Schau;
 Der griff die allerschönste Frau,
 Der griff den Stier von festem Tritt,
 Die Pferde mußten alle mit.

 Ich aber liebte, zu erspähn
 Das Seltenste, was man gesehn;
 Und was ein andrer auch besaß,
 Das war für mich gedörrtes Gras.

Den Schätzen war ich auf der Spur,
 Den scharfen Blicken folgt' ich nur,
 In allen Taschen blickt' ich ein,
 Durchsichtig war mir jeder Schrein

Und Haufen Goldes waren mein,
 Am herrlichsten der Edelstein:
 Nun der Smaragd allein verdient,
 Daß er an deinem Herzen grünt.

Nun schwanke zwischen Ohr und Mund
 Das Tropfenei aus Meeresgrund;
 Rubinen werden gar verscheucht,
 Das Wangenrot sie niederbleicht.

Und so den allergrößten Schatz
 Versetz' ich hier auf deinen Platz;
 Zu deinen Füßen sei gebracht
 Die Ernte mancher blut'gen Schlacht.

So viele Kisten schlepp' ich her,
 Der Eisenkisten hab' ich mehr;
 Erlaube mich auf deiner Bahn,
 Und Schatzgewölbe füll' ich an.

Denn du bestiegest kaum den Thron,
 So neigen schon, so beugen schon
 Verstand und Reichtum und Gewalt
 Sich vor der einzigen Gestalt.

Das alles hielt ich fest und mein,
 Nun aber, lose, wird es dein.
 Ich glaubt' es würdig, hoch und bar,
 Nun seh' ich, daß es nichtig war.

Verschwunden ist, was ich besaß,
 Ein abgemähtes, welkes Gras.
 O gib mit einem heitern Blick
 Ihm seinen ganzen Wert zurück!

FAUST.

Entferne schnell die kühn erworbne Last,
 Zwar nicht getadelt, aber unbelohnt.
 Schon ist Ihr alles eigen, was die Burg
 Im Schoß verbirgt; Besondres Ihr zu bieten,
 Ist unnütz. Geh und häufe Schatz auf Schatz
 Geordnet an. Der ungesehnen Pracht
 Erhabnes Bild stell' auf! Laß die Gewölbe
 Wie frische Himmel blinken, Paradiese
 Von lebelosem Leben richte zu.
 Voreilend ihren Tritten laß beblümt
 An Teppich Teppiche sich wälzen; ihrem Tritt
 Begegne sanfter Boden; ihrem Blick,
 Nur Göttliche nicht blendend, höchster Glanz.

LYNKEUS.

Schwach ist, was der Herr befiehlt,
 Tut's der Diener, es ist gespielt:
 Herrscht doch über Gut und Blut
 Dieser Schönheit Übermut.
 Schon das ganze Heer ist zahm,
 Alle Schwerter stumpf und lahm,
 Vor der herrlichen Gestalt
 Selbst die Sonne matt und kalt,
 Vor dem Reichtum des Gesichts

Alles leer und alles nichts.

Ab.

HELENA zu Faust.

Ich wünsche dich zu sprechen, doch herauf
 An meine Seite komm! Der leere Platz
 Beruft den Herrn und sichert mir den meinen.

FAUST.

Erst knieend laß die treue Widmung dir
 Gefallen, hohe Frau; die Hand, die mich
 An deine Seite hebt, laß mich sie küssen.
 Bestärke mich als Mitregenten deines
 Grenzunbewußten Reichs, gewinne dir
 Verehrer, Diener, Wächter all' in einem!

HELENA.

Vielfache Wunder seh' ich, hör' ich an,
 Erstaunen trifft mich, fragen möcht' ich viel.
 Doch wünscht' ich Unterricht, warum die Rede
 Des Manns mir seltsam klang, seltsam und freundlich.
 Ein Ton scheint sich dem andern zu bequemen,
 Und hat ein Wort zum Ohre sich gesellt,
 Ein andres kommt, dem ersten liebzukosen.

FAUST.

Gefällt dir schon die Sprechart unsrer Völker,
 O so gewiß entzückt auch der Gesang,
 Befriedigt Ohr und Sinn im tiefsten Grunde.
 Doch ist am sichersten, wir üben's gleich;
 Die Wechselrede lockt es, ruft's hervor.

HELENA.

So sage denn, wie sprech' ich auch so schön?

FAUST.

Das ist gar leicht, es muß von Herzen gehn.
 Und wenn die Brust von Sehnsucht überfließt,
 Man sieht sich um und fragt –

HELENA.

wer mitgenießt.

FAUST.

Nun schaut der Geist nicht vorwärts, nicht zurück,
 Die Gegenwart allein –

HELENA.

ist unser Glück.

FAUST.

Schatz ist sie, Hochgewinn, Besitz und Pfand;
 Bestätigung, wer gibt sie?

HELENA.

Meine Hand.

CHOR.

Wer verdächt' es unsrer Fürstin,
 Gönnet sie dem Herrn der Burg
 Freundliches Erzeigen?
 Denn gesteht, sämtliche sind wir
 Ja Gefangene, wie schon öfter
 Seit dem schmählichen Untergang
 Ilios' und der ängstlich –
 labyrinthischen Kummerfahrt.

Fraun, gewöhnt an Männerliebe,
 Wählerinnen sind sie nicht,
 Aber Kennerinnen.
 Und wie goldlockigen Hirten
 Vielleicht schwarzborstigen Faunen,
 Wie es bringt die Gelegenheit,
 Über die schwellenden Glieder
 Vollerteilen sie gleiches Recht.

Nah und näher sitzen sie schon
 An einander gelehnet,
 Schulter an Schulter, Knie an Knie,
 Hand in Hand wiegen sie sich
 Über des Throns
 Aufgepolsterter Herrlichkeit.
 Nicht versagt sich die Majestät
 Heimlicher Freuden
 Vor den Augen des Volkes
 Übermütiges Offenbarsein.

HELENA.

Ich fühle mich so fern und doch so nah,
 Und sage nur zu gern: Da bin ich! da!

FAUST.

Ich atme kaum, mir zittert, stockt das Wort;
 Es ist ein Traum, verschwunden Tag und Ort.

HELENA.

Ich scheine mir verlebt und doch so neu,
 In dich verwebt, dem Unbekannten treu.

FAUST.

Durchgrüble nicht das einzigste Geschick!
 Dasein ist Pflicht, und wär's ein Augenblick.

PHORKYAS heftig eintretend.

Buchstabiert in Liebesfibeln,
 Tändelnd grübelt nur am Liebeln,
 Müßig liebelt fort im Grübeln,
 Doch dazu ist keine Zeit.
 Fühlt ihr nicht ein dumpfes Wettern?
 Hört nur die Trompete schmettern,
 Das Verderben ist nicht weit.
 Menelas mit Volkeswogen
 Kommt auf euch herangezogen;
 Rüstet euch zu herbem Streit!
 Von der Siegerschar umwimmelt,
 Wie Deiphobus verstümmelt,
 Büßest du das Fraungeleit.
 Bammelt erst die leichte Ware,
 Dieser gleich ist am Altare
 Neugeschliffnes Beil bereit.

FAUST.

Verwegne Störung! widerwärtig dringt sie ein;
 Auch nicht in Gefahren mag ich sinnlos Ungestüm.
 Den schönsten Boten, Unglücksbotschaft häßlicht ihn;
 Du Häßlichste gar, nur schlimme Botschaft bringst du gern.
 Doch diesmal soll dir's nicht geraten; leeren Hauchs
 Erschüttere du die Lüfte. Hier ist nicht Gefahr,
 Und selbst Gefahr erschiene nur als eitles Dräun.

Signale, Explosionen von den Türmen, Trompeten und Zinken, kriegerische Musik, Durchmarsch gewaltiger Heereskraft.

FAUST.

Nein, gleich sollst du versammelt schauen
 Der Helden ungetrennten Kreis:
 Nur der verdient die Gunst der Frauen,
 Der kräftigst sie zu schützen weiß.

Zu den Heerführern, die sich von den Kolonnen absondern und herantreten.

Mit angehaltnem stillen Wüten,
 Das euch gewiß den Sieg verschafft,
 Ihr, Nordens jugendliche Blüten,
 Ihr, Ostens blumenreiche Kraft.

In Stahl gehüllt, vom Strahl umwittert,
 Die Schar, die Reich um Reich zerbrach,
 Sie treten auf, die Erde schüttert,
 Sie schreiten fort, es donnert nach.

An Pylos traten wir zu Lande,
 Der alte Nestor ist nicht mehr,
 Und alle kleinen Königsbande
 Zersprengt das ungebundne Heer.

Drängt ungesäumt von diesen Mauern
 Jetzt Menelas dem Meer zurück;
 Dort irren mag er, rauben, lauern,
 Ihm war es Neigung und Geschick.

Herzoge soll ich euch begrüßen,
 Gebietet Spartas Königin;
 Nun legt ihr Berg und Tal zu Füßen,
 Und euer sei des Reichs Gewinn.

Germane du! Korinthus' Buchten
 Verteidige mit Wall und Schutz!
 Achaia dann mit hundert Schluchten
 Empfehl' ich, Gote, deinem Trutz.

Nach Elis ziehn der Franken Heere,
 Messene sei der Sachsen Los,
 Normanne reinige die Meere
 Und Argolis erschaff' er groß.

Dann wird ein jeder häuslich wohnen,
 Nach außen richten Kraft und Blitz;
 Doch Sparta soll euch überthronen,
 Der Königin verjährter Sitz.

All-einzeln sieht sie euch genießen
 Des Landes, dem kein Wohl gebricht;
 Ihr sucht getrost zu ihren Füßen
 Bestätigung und Recht und Licht.

Faust steigt herab, die Fürsten schließen einen Kreis um ihn, Befehl und Anordnung näher zu vernehmen.

CHOR.

Wer die Schönste für sich begehrt,
 Tüchtig vor allen Dingen
 Seh' er nach Waffen weise sich um;
 Schmeichelnd wohl gewann er sich,
 Was auf Erden das Höchste;
 Aber ruhig besitzt er's nicht:
 Schleicher listig entschmeicheln sie ihm,
 Räuber kühnlich entreißen sie ihm;
 Dieses zu hinderen, sei er bedacht.

Unsern Fürsten lob' ich drum,
 Schätz' ihn höher vor andern,
 Wie er so tapfer klug sich verband,
 Daß die Starken gehorchend stehn,
 Jedes Winkes gewärtig.
 Seinen Befehl vollziehn sie treu,
 Jeder sich selbst zu eignem Nutz
 Wie dem Herrscher zu lohnendem Dank,
 Beiden zu höchlichem Ruhmesgewinn.

Denn wer entreißet sie jetzt
 Dem gewalt'gen Besitzer?
 Ihm gehört sie, ihm sei sie gegönnt,
 Doppelt von uns gegönnt, die er
 Samt ihr zugleich innen mit sicherster Mauer,
 Außen mit mächtigstem Heer umgab.

FAUST.

Die Gaben, diesen hier verliehen –
 An jeglichen ein reiches Land –,
 Sind groß und herrlich; laß sie ziehen!
 Wir halten in der Mitte stand.

Und sie beschützen um die Wette,
 Ringsum von Wellen angehüpft,
 Nichtinsel dich, mit leichter Hügelkette
 Europens letztem Bergast angeknüpft.

Das Land, vor aller Länder Sonnen,
 Sei ewig jedem Stamm beglückt,
 Nun meiner Königin gewonnen,
 Das früh an ihr hinaufgeblickt,

Als mit Eurotas' Schilfgeflüster
 Sie leuchtend aus der Schale brach,
 Der hohen Mutter, dem Geschwister
 Das Licht der Augen überstach.

Dies Land, allein zu dir gekehret,
 Entbietet seinen höchsten Flor;
 Dem Erdkreis, der dir angehöret,
 Dein Vaterland, o zieh es vor!

Und duldet auch auf seiner Berge Rücken
 Das Zackenhaupt der Sonne kalten Pfeil,
 Läßt nun der Fels sich angegrünt erblicken,
 Die Ziege nimmt genäschig kargen Teil.

Die Quelle springt, vereinigt stürzen Bäche,
 Und schon sind Schluchten, Hänge, Matten grün.
 Auf hundert Hügeln unterbrochner Fläche
 Siehst Wollenherden ausgebreitet ziehn.

Verteilt, vorsichtig abgemessen schreitet
 Gehörntes Rind hinan zum jähen Rand;
 Doch Obdach ist den sämtlichen bereitet,
 Zu hundert Höhlen wölbt sich Felsenwand.

Pan schützt sie dort, und Lebensnymphen wohnen
 In buschiger Klüfte feucht erfrischtem Raum,
 Und sehnsuchtsvoll nach höhern Regionen
 Erhebt sich zweighaft Baum gedrängt an Baum.

Alt-Wälder sind's! Die Eiche starret mächtig,
 Und eigensinnig zackt sich Ast an Ast;
 Der Ahorn mild, von süßem Safte trächtig,
 Steigt rein empor und spielt mit seiner Last.

Und mütterlich im stillen Schattenkreise
 Quillt laue Milch bereit für Kind und Lamm;
 Obst ist nicht weit, der Ebnen reife Speise,
 Und Honig trieft vom ausgehöhlten Stamm.

Hier ist das Wohlbehagen erblich,
 Die Wange heitert wie der Mund,
 Ein jeder ist an seinem Platz unsterblich:
 Sie sind zufrieden und gesund.

Und so entwickelt sich am reinen Tage
 Zu Vaterkraft das holde Kind.
 Wir staunen drob; noch immer bleibt die Frage:
 Ob's Götter, ob es Menschen sind?

So war Apoll den Hirten zugestaltet,
 Daß ihm der schönsten einer glich;
 Denn wo Natur im reinen Kreise waltet,
 Ergreifen alle Welten sich.

Neben ihr sitzend.

So ist es mir, so ist es dir gelungen;

Vergangenheit sei hinter uns getan!
 O fühle dich vom höchsten Gott entsprungen,
 Der ersten Welt gehörst du einzig an.

Nicht feste Burg soll dich umschreiben!
 Noch zirkt in ewiger Jugendkraft
 Für uns, zu wonnevollem Bleiben,
 Arkadien in Spartas Nachbarschaft.

Gelockt, auf sel'gem Grund zu wohnen,
 Du flüchtetest ins heiterste Geschick!
 Zur Laube wandeln sich die Thronen,
 Arkadisch frei sei unser Glück!