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title: "Hell erleuchtete Säle | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/g/goethe/drama/faust02/06.html"
description: »Hell erleuchtete Säle« ist Teil des Dramas »Faust II« des Weimarer Schriftstellers Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832).
author: Michael Gnessner
date: 2022-09-12
modified: 2024-12-23
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# Hell erleuchtete Säle | EPOCHE NAPOLEON

Faust.
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###  Erster Akt.

####  Hell erleuchtete Säle.

Kaiser und Fürsten, Hof in Bewegung.

KÄMMERER zu Mephistopheles.

Ihr seid uns noch die Geisterszene schuldig;
 Macht Euch daran! der Herr ist ungeduldig.

MARSCHALK.

Soeben fragt der Gnädigste darnach;
 Ihr! zaudert nicht der Majestät zur Schmach.

MEPHISTOPHELES.

Ist mein Kumpan doch deshalb weggegangen;
 Er weiß schon, wie es anzufangen,
 Und laboriert verschlossen still,
 Muß ganz besonders sich befleißen;
 Denn wer den Schatz, das Schöne, heben will,
 Bedarf der höchsten Kunst, Magie der Weisen.

MARSCHALK.

Was ihr für Künste braucht, ist einerlei
 Der Kaiser will, daß alles fertig sei.

BLONDINE zu Mephistopheles.

Ein Wort, mein Herr! Ihr seht ein klar Gesicht,
 Jedoch so ist's im leidigen Sommer nicht!
 Da sprossen hundert bräunlich rote Flecken,
 Die zum Verdruß die weiße Haut bedecken
 Ein Mittel!

MEPHISTOPHELES.

Schade! so ein leuchtend Schätzchen
 Im Mai getupft wie eure Pantherkätzchen.
 Nehmt Froschlaich, Krötenzungen, kohobiert,
 Im vollsten Mondlicht sorglich distilliert
 Und, wenn er abnimmt, reinlich aufgestrichen,
 Der Frühling kommt, die Tupfen sind entwichen.

BRAUNE.

Die Menge drängt heran, Euch zu umschranzen
 Ich bitt' um Mittel! Ein erfrorner Fuß
 Verhindert mich am Wandeln wie am Tanzen,
 Selbst ungeschickt beweg' ich mich zum Gruß.

MEPHISTOPHELES.

Erlaubet einen Tritt von meinem Fuß.

BRAUNE.

Nun, das geschieht wohl unter Liebesleuten.

MEPHISTOPHELES.

Mein Fußtritt, Kind! hat Größres zu bedeuten.
 Zu Gleichem Gleiches, was auch einer litt;
 Fuß heilet Fuß, so ist's mit allen Gliedern.
 Heran! Gebt acht! Ihr sollt es nicht erwidern.

BRAUNE schreiend.

Weh! Weh! das brennt! das war ein harter Tritt,
 Wie Pferdehuf.

MEPHISTOPHELES.

Die Heilung nehmt Ihr mit.
 Du kannst nunmehr den Tanz nach Lust verüben,
 Bei Tafel schwelgend füßle mit dem Lieben.

DAME herandringend.

Laßt mich hindurch! Zu groß sind meine Schmerzen
 Sie wühlen siedend mir im tiefsten Herzen;
 Bis gestern sucht' Er Heil in meinen Blicken,
 Er schwatzt mit ihr und wendet mir den Rücken.

MEPHISTOPHELES.

Bedenklich ist es, aber höre mich
 An ihn heran mußt du dich leise drücken;
 Nimm diese Kohle, streich ihm einen Strich
 Auf Ärmel, Mantel, Schulter, wie sich's macht;
 Er fühlt im Herzen holden Reuestich.
 Die Kohle doch mußt du sogleich verschlingen,
 Nicht Wein, nicht Wasser an die Lippen bringen;
 Er seufzt vor deiner Tür noch heute nacht.

DAME.

Ist doch kein Gift?

MEPHISTOPHELES entrüstet.

Respekt, wo sich's gebührt!
 Weit müßtet Ihr nach solcher Kohle laufen;
 Sie kommt von einem Scheiterhaufen,
 Den wir sonst emsiger angeschürt.

PAGE.

Ich bin verliebt, man hält mich nicht für voll.

MEPHISTOPHELES beiseite.

Ich weiß nicht mehr, wohin ich hören soll.

*Zum* Pagen*.*

Müßt Euer Glück nicht auf die Jüngste setzen.
 Die Angejahrten wissen Euch zu schätzen. –

Andere drängen sich herzu.

Schon wieder Neue! Welch ein harter Strauß!
 Ich helfe mir zuletzt mit Wahrheit aus;
 Der schlechteste Behelf! Die Not ist groß. –
 O Mütter, Mütter! Laßt nur Fausten los!

Umherschauend.

Die Lichter brennen trübe schon im Saal,
 er ganze Hof bewegt sich auf einmal.
 Anständig seh' ich sie in Folge ziehn
 Durch lange Gänge, ferne Galerien.
 Nun! sie versammeln sich im weiten Raum
 Des alten Rittersaals, er faßt sie kaum.
 Auf breite Wände Teppiche spendiert,
 Mit Rüstung Eck' und Nischen ausgeziert.
 Hier braucht es, dächt' ich, keine Zauberworte;
 Die Geister finden sich von selbst zum Orte.