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title: "Antwort an Gottfried August Bürger | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/b/buerger/gedichte-1789/03/10.html"
description: Das Gedicht »Antwort an Gottfried August Bürger« stammt von Gottfried August Bürger (1747-1794) und gehört zu seiner Sammlung »Gedichte 1789«, die in insgesamt 3 Bänden erschien.
author: Michael Gnessner
date: 2013-12-31
modified: 2024-12-23
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# Antwort an Gottfried August Bürger | EPOCHE NAPOLEON

Drittes Buch - Vermischte Gedichte.
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###  Antwort an Gottfried August Bürger

Η μεν εμαρνασϑην εριδος περι ϑυμοβοροιο
 Ηδ αυτ εν φιλοτητι διετμαγεν αρϑμησαντε.
 Diese Helden kämpften aus heißer Begierde des Ruhmes,
 Und dann schieden sie wieder mit Freundschaft auseinander.

*Homer. Ilias 7.*

Fried' und Freude dem Sänger zuvor, und traulichen Handschlag!
 Sieh, ich habe dein Zürnen vernommen am fernen Gestade,
 Hörte den Flügelschlag deines Gesangs; melodische Stürme
 Deiner Leier erhuben ihn hoch; ein Riesenadler
 Steht er vor mir, mit dräuender Klaue, mit rüstigem Fittich;
 Und schon zürnt' ich entgegen. Da faßte mich Pallas Athänä
 Bei den goldnen Locken; ich wandte mich sträubend; mein Auge
 Staunte zurück, vom Blitze der göttlichen Augen getroffen.
 Sieh, ich bebte nicht dir; ich bebte der furchtbaren Göttin.
 Sie verschwand; da war mir, als atmet' ich liebliche Düfte,
 Läg' am blumigen Hange des Helikon, unter der Kühlung
 Wehender Schatten, an Aganippens Silbergesäusel.
 Nun erwacht' ich, und zürnte nun wieder, und griff zu der Leier.
 Aber es hatte die jüngste der Musen die Leier umstimmet,
 Daß sie nicht tönte, wie sonst, wie Donner, wie Stimmen der Meere,
 Sondern wie Lispel des schwankenden Schilfes, wie zärtliche Klagen
 Junger Nachtigallen auf blühenden Zweigen der Myrten
 Und mir kehrte die Weisheit zurück; sie pflückte den Ölzweig,
 Den ich dir reiche; sie redet durch mich; vernimm und sei weise!

Siehe, zwar kränzen uns Locken der Jugend, doch rauschet der Lorbeer
 Über den Locken; es kühlt die Palme den Schweiß an der Stirne.
 Früh betraten wir beide den Pfad des ewigen Ruhmes,
 Früh erreichten wir beide das Ziel. Auf trotzenden Felsen
 Stehn wir, und lächeln entgegen dem Strome der kommenden Zeiten.
 Hier besuchen uns oft Kronions liebliche Töchter,
 Lehren uns oft die eigne Leier beseelen, und bringen
 Oft herab vom Olymp die Harfe des Mäoniden.
 Laß uns beide das heilige Lied des göttlichen Greisen,
 Unserm Volke singen; wir lieben den Göttlichen Beide!

Freund, gehabe dich wohl! Ich kenne die rufende Stimme,

Höre wiehern die feurigen Ross' am flammenden Wagen;
 Siehe, mir winket die Mus'; ich folge der winkenden Göttin!