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title: "Vorgefühl der Gesundheit | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/b/buerger/gedichte-1789/01/77.html"
description: Das Gedicht »Vorgefühl der Gesundheit« stammt von Gottfried August Bürger (1747-1794) und gehört zu seiner Sammlung »Gedichte 1789«, die in insgesamt 3 Bänden erschien.
author: Michael Gnessner
date: 2012-12-24
modified: 2024-12-23
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# Vorgefühl der Gesundheit | EPOCHE NAPOLEON

Erstes Buch - Lyrische Gedichte.
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###  Vorgefühl der Gesundheit

 Täuschet ihr mit euerm Wechseltanze,
 Du, o Wunsch, und du, o Hoffnung, mich?
 Oder naht im Purpurnelkenkranze
 Frohen Trittes die Gesundheit sich?
 Will sie von dem Dämon mich erlösen,
 Welcher meine Kraft gefangen nahm?
 Soll ich wiederum zu Dem genesen,
 Der ich der Natur vom Busen kam?

 Laß mich dir mein Vorgefühl verkünden,
 Boie, alter, trauter Herzensfreund!
 Wonniglich wirst du es mit empfinden,
 Wann der Dulder fessellos erscheint;
 Wann er mit der angebornen Stärke
 Jugendlich Apollons Bogen spannt,
 Oder rüstig zu Athenens Werke
 Unter der Ägide sich ermannt.

 Ha, dein Freund, einst mehr als halb verloren,
 Keck verhöhnt von schnödem Übermut,
 War zum lahmen Schwächling nicht geboren;
 Ihn durchfloß kein träges feiges Blut.
 Das bezeugen ihm des Pindus Würden,
 Die er in der Ohnmacht noch erwarb,
 Und die Kraft, die unter allen Bürden
 Nicht in zwanzig Jahren ganz erstarb.

 Heil ihm! Leichter fühlt er schon die Glieder;
 Und der Genius, der in ihm strebt,
 Schüttelt freier, stärker das Gefieder,
 Das dem schweren Nebel ihn enthebt.
 Erde, dich mit allen deinen Bergen,
 Allem lastenden Metall darin,
 Allen Riesen drauf und allen Zwergen,
 Haucht er bald, wie Flaum, vor sich dahin.

 Edle Rache beut er dann der Schande,
 Die er über sein Verschulden trug,
 Seit der Hypochonder dumpfe Bande
 Um die rein gestimmten Nerven schlug,
 Wann es heller um der Wahrheit Seher,
 Wärmer um der Schönheit Pfleger tagt,
 Und er glorreich eines Hauptes höher
 Als zehntausend Alltagsmenschen ragt.

 Mag es Riese dann und Drache wagen,
 Gegen ihn zum Kampf heran zu gehn!
 Mag das Glück ihn auf den Armen tragen,
 Oder Er auf eignen Füßen stehn!
 Neu gerüstet mit den Götterwaffen,
 Die er mit gestähltem Arme führt,
 Wird er sich nach Heldenrecht verschaffen,
 Was sein Wunsch bedarf und ihm gebührt. ?

 Herr des Lebens, willst du mich erhalten,
 O so gib nur Eins, ? Gesundheit mir!
 Dankend will ich dir die Hände falten,
 Aber bitten weiter nichts von dir.
 Kühn durch Klippen, Strudel, Ungeheuer
 Lenk' ich, allgenugsam mir, alsdann
 Auf des Lebens Ozean mein Steuer.
 Selbst sein Gott ist ein gesunder Mann.