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title: "DaS Mädel, das ich meine | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/b/buerger/gedichte-1789/01/36.html"
description: Das Gedicht »DaS Mädel, das ich meine« stammt von Gottfried August Bürger (1747-1794) und gehört zu seiner Sammlung »Gedichte 1789«, die in insgesamt 3 Bänden erschien.
author: Michael Gnessner
date: 2012-12-24
modified: 2024-12-23
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# DaS Mädel, das ich meine | EPOCHE NAPOLEON

Erstes Buch - Lyrische Gedichte.
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###  Das Mädel, das ich meine

 O was in tausend Liebespracht
 Das Mädel, das ich meine, lacht!
 Nun sing', o Lied, und sag mir an!
 Wer hat das Wunder aufgethan:
 Daß so in tausend Liebespracht
 Das Mädel, das ich meine, lacht?

 Wer hat, wie Paradieseswelt,
 Des Mädels blaues Aug' erhellt? ?
 Der liebe Gott! der hat's gethan,
 Der's Firmament erleuchten kann;
 Der hat, wie Paradieseswelt,
 Des Mädels blaues Aug' erhellt.

 Wer hat das Rot auf Weiß gemalt,
 Das von des Mädels Wange strahlt? ?
 Der liebe Gott! der hat's gethan,
 Der Pfirsichblüte malen kann;
 Der hat das Rot auf Weiß gemalt,
 Das von des Mädels Wange strahlt.

 Wer schuf des Mädels Purpurmund
 So würzig, süß, und lieb und rund? ?
 Der liebe Gott! der hat's gethan,
 Der Nelk' und Erdbeer' würzen kann;
 Der schuf des Mädels Purpurmund
 So würzig, süß, und lieb und rund.

 Wer ließ vom Nacken, blond und schön,
 Des Mädels seidne Locken wehn? ?
 Der liebe Gott! der gute Geist!
 Der goldne Saaten reifen heißt;
 Der ließ vom Nacken, blond und schön,
 Des Mädels seidne Locken wehn.

 Wer gab, zu Liebesred' und Sang,
 Dem Mädel holder Stimme Klang? ?
 Der liebe, liebe Gott that dies,
 Der Nachtigallen flöten hieß;
 Der gab, zu Liebesred' und Sang,
 Dem Mädel holder Stimme Klang.

 Wer hat, zur Fülle süßer Lust,
 Gewölbt des Mädels weiße Brust? ?
 Der liebe Gott hat's auch gethan,
 Der stolz die Schwäne kleiden kann;
 Der hat, zur Fülle süßer Lust,
 Gewölbt des Mädels weiße Brust.

 Durch welches Bildners Hände ward,
 Des Mädels Wuchs so schlank und zart? ?
 Das hat die Meisterhand gethan,
 Die alle Schönheit bilden kann;
 Durch Gott, den höchsten Bildner, ward
 Des Mädels Wuchs so schlank und zart.

 Wer blies, so lichthell, schön und rein,
 Die fromme Seel' dem Mädel ein? ?
 Wer anders hat's als er gethan,
 Der Seraphim erschaffen kann;
 Der blies so lichthell, schön und rein
 Die Engelseel' dem Mädel ein. ?

 Lob sei, o Bildner, deiner Kunst!
 Und hoher Dank für deine Gunst!
 Daß du dein Abbild ausstaffiert,
 Mit allem, was die Schöpfung ziert.
 Lob sei, o Bildner, deiner Kunst!
 Und hoher Dank für deine Gunst!

 Doch ach! für wen auf Erden lacht
 Das Mädel so in Liebespracht? ?
 O Gott! bei deinem Sonnenschein!
 Bald möcht' ich nie geboren sein,
 Wenn nie in solcher Liebespracht
 Das Mädel mir auf Erden lacht.