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title: "An Themiren | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/b/buerger/gedichte-1789/01/23.html"
description: Das Gedicht »An Themiren« stammt von Gottfried August Bürger (1747-1794) und gehört zu seiner Sammlung »Gedichte 1789«, die in insgesamt 3 Bänden erschien.
author: Michael Gnessner
date: 2012-12-24
modified: 2024-12-23
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# An Themiren | EPOCHE NAPOLEON

Erstes Buch - Lyrische Gedichte.
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###  An Themiren

 Ach, würden falsche Schwüre
 Durch Zeichen an dir kund!
 Verfärbte sich, Themire,
 Dein frevelhafter Mund!

 O, daß ein Zahn sich schwärzte.
 Meineidige! daß nur
 Ein Fingerchen dir schmerzte,
 Das sich erhob zum Schwur!

 So glaubt' ich, Götter hielten
 Noch was auf Treu' und Pflicht,
 Und falsche Mädchen spielten
 Mit teuern Eiden nicht. ?

 Doch deinen Reiz erheben
 Verbrechen nur noch mehr;
 Und immer dichter schweben
 Verehrer um dich her.

 Frau Venus und ihr Völkchen
 Läßt fünf gerade sein.
 Von Unmut nicht ein Wölkchen
 Hüllt ihre Stirnen ein.

 Per Dio! Was noch schlimmer,
 Dein Flattersinn ergötzt
 Den Schadenfroh, der immer
 An heißen Pfeilen wetzt.

 Daher in allen Schulen
 Befiedert täglich sich
 Ein Heer von jungen Buhlen,
 Und insgesammt für dich.

 Die kommen dann, und zollen
 Dir Huldigung und Pflicht.
 Die Alten aber trollen
 Deswegen sich noch nicht.

 Und Alt und Jung umschwärmet
 Nun, wie behext, dein Haus.
 Man baxet sich, man lärmet ? ? ?
 Ach! wo will das hinaus? ?

 Dich scheut, des Söhnchens wegen,
 Die zärtliche Mama;
 Und, seines Beutels wegen,
 Der geizige Papa.

 Du ängstigst junge Frauen:
 Es möchte deinen Wert
 Ein Tröpfchen Gunst betauen,
 Das ihnen zugehört.