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title: "An Agathe | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/b/buerger/gedichte-1789/01/17.html"
description: Das Gedicht »An Agathe« stammt von Gottfried August Bürger (1747-1794) und gehört zu seiner Sammlung »Gedichte 1789«, die in insgesamt 3 Bänden erschien.
author: Michael Gnessner
date: 2012-12-24
modified: 2024-12-23
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# An Agathe | EPOCHE NAPOLEON

Erstes Buch - Lyrische Gedichte.
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###  An Agathe

 Mit dem naßgeweinten Schleier
 Lösch' ich meine Thränen aus;
 Und mein Auge schauet freier
 Über Zeit und Grab hinaus.

 Geist erhabner Prophezeiung,
 Gottes Geist erleuchtet mich!
 Lebensodem zur Erneuung
 Weht gewiß auch über mich.

 Jedes Drangsal dieses Lebens,
 So dein weiches Herz gedrückt,
 Zeuget, daß du nicht vergebens
 Oft nach Trost hinaus geblickt.

 Nein! Nicht schwelgendem Gewürme
 Ewig überlaßner Raub,
 Noch ein Spiel der Erdenstürme
 Bleibet guter Herzen Staub.

 Nein! In diese Wüsteneien
 Sind wir ewig nicht gebannt.
 Keine Zähre darf uns reuen;
 Denn sie fiel in Gottes Hand.

 Was auf diese dürren Auen
 Von der Unschuld Thränen fällt,
 Wird gesammelt, zu betauen
 Die Gefilde jener Welt;

 Die Gefilde, wo vom Schnitter
 Nie der Schweiß der Mühe rann,
 Deren Äther kein Gewitter
 Und kein Nebel trüben kann.

 Seufzer, deines Grames Zeugen,
 Werden auf gen Himmel gehn,
 Werden einst von Palmenzweigen
 Kühlung dir herunter wehn.

 Von dem Schweiße deiner Mühen,
 Der hier Undankbaren quillt,
 Werden dort einst Blumen blühen,
 Wie sie hier kein Lenz enthüllt.

 Wann Verfolgung ihren Köcher
 Endlich auf dich ausgeleert;
 Wann dein Gold sich, vor dem Schwächer
 Seines Glanzes, rein bewährt;

 Und, zur Erntezeit der Saaten,
 Da das Korn geworfelt wird,
 Ausgestreuter Edelthaten
 Reine Frucht im Siebe schwirrt. ?

 Heil der schönsten schöner Stunden,
 Die sich um dein Leben drehn,
 Welche dich, vom Zwang' entbunden,
 Zu der Freiheit wird erhöhn! ?

 Zeuch mich dir, geliebte Fromme,
 An der Liebe Banden nach!
 Daß auch ich zu Engeln komme,
 Zeuch, du Engel, dir mich nach!

 Mich begleite jede Wahrheit,
 Die du schmeichelnd mir vermählt,
 Zu dem Urquell aller Klarheit,
 Wo kein Reiz sich mehr verhehlt!