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title: "Herr Bacchus | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/b/buerger/gedichte-1789/01/13.html"
description: Das Gedicht »Herr Bacchus« stammt von Gottfried August Bürger (1747-1794) und gehört zu seiner Sammlung »Gedichte 1789«, die in insgesamt 3 Bänden erschien.
author: Michael Gnessner
date: 2012-12-24
modified: 2024-12-23
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# Herr Bacchus | EPOCHE NAPOLEON

Erstes Buch - Lyrische Gedichte.
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###  Herr Bachus

 Herr Bacchus ist ein braver Mann,
 Das kann ich euch versichern;
 Mehr, als Apoll, der Leiermann,
 Mit seinen Notenbüchern.

 Des Armen ganzer Reichtum ist
 Der Klingklang seiner Leier,
 Von der er prahlet, wie ihr wißt,
 Sie sei entsetzlich teuer.

 Doch borgt ihm auf sein Instrument
 Kein Kluger einen Heller.
 Den frohere Musik ertönt
 Aus Vater Evans Keller.

 Obgleich Apollo sich voran
 Mit seiner Dichtkunst blähet:
 So ist doch Bacchus auch ein Mann,
 Der seinen Vers verstehet.

 Wie mag am waldigen Parnaß
 Wohl sein Diskant gefallen?
 Hier sollte Bacchus Kantorbaß
 Fürwahr weit besser schallen.

 Auf, laßt uns ihn für den Apoll
 Zum Dichtergott erbitten!
 Denn er ist gar vortrefflich wohl
 Bei großen Herrn gelitten.

 Apoll muß tief gebückt und krumm
 In Fürstensäle schleichen;
 Allein mit Bacchus gehn sie um,
 Als wie mit ihres gleichen.

 Dann wollen wir auf den Parnaß,
 Vor allen andern Dingen,
 Das große Heidelberger Faß
 Voll Nierensteiner bringen.

 Statt Lorbeerbäume wollen wir
 Dort Rebenstöcke pflanzen,
 Und rings um volle Tonnen, schier
 Wie die Bacchanten tanzen.

 Man lebte so nach altem Brauch
 Bisher dort allzunüchtern.
 D'rum blieben die neun Jungfern auch
 Von je und je so schüchtern.

 Ha! zapften sie sich ihren Trank
 Aus Bacchus Nektartonnen,
 Sie jagten Blödigkeit und Zwang
 Ins Kloster zu den Nonnen.

 Fürwahr! sie ließen nicht mit Müh'
 Zur kleinsten Gunst sich zwingen,
 Und ungerufen würden sie
 Uns in die Arme springen.