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title: "An den Traumgott | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/b/buerger/gedichte-1789/01/11.html"
description: Das Gedicht »An den Traumgott« stammt von Gottfried August Bürger (1747-1794) und gehört zu seiner Sammlung »Gedichte 1789«, die in insgesamt 3 Bänden erschien.
author: Michael Gnessner
date: 2012-12-24
modified: 2024-12-23
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# An den Traumgott | EPOCHE NAPOLEON

Erstes Buch - Lyrische Gedichte.
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###  An den Traumgott

 Zu Schwärmer um die Ruhebetten
 Von Moos und Flaum,
 O Brüderchen der Amoretten,
 Geliebter Traum!
 Wo fandest du, sie nachzubilden,
 Den Stoff so fein? ?
 In überirdischen Gefilden
 Gewiß allein!

 Zu freundlich nur für Adelinen
 War dies ihr Bild.
 Wann wäre sie mir selbst erschienen
 So sanft, so mild? ?
 Verkündigst du wohl noch mir Armen
 Barmherzigkeit? ?
 Nein! nein! sie fühlet kein Erbarmen
 In Ewigkeit!

 O Traumgott, ist es ja dein Wille,
 Mir wohlzuthun,
 So wandle deine schöne Hülle,
 Und kleide nun
 Dich in ein Wesen, wie das Meine.
 Von Gram verzehrt,
 Und wie ein Leidender erscheine,
 Der Trost begehrt.

 Den Schatten laß mein Bildnis gleichen,
 Die still bei Nacht
 Durch Hallen und um Gräber schleichen.
 In Trauertracht,
 Mit hagrer Wang' und einer Miene,
 Die Gnade fleht,
 Tritt hin zu dieser Adeline,
 Die mich verschmäht;

 Und neige dich mit leisen Tönen
 Bis an ihr Ohr;
 Zähl' ihr die Seufzer und die Thränen
 Der Liebe vor;
 Und bring' in Aufruhr ihr Gewissen!
 Ihr Schlaf entflieh'!
 Und schluchzend unter Zährengüssen
 Erwache sie!