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title: "[An Pestalozzi] | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/b/blochmann/gedichte/pestalozzi.html"
description: Das Widmungsgedicht des Pädagogen Karl Justus Blochmann (1768-1855) auf seinen Mentor Johann Heinrich Pestalozzi, das er am Neujahrstage 1810 verfasste.
author: Michael Gnessner
date: 2017-10-25
modified: 2026-10-17
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# [An Pestalozzi] | EPOCHE NAPOLEON

An Pestalozzi
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Wenn Dich in seiner ahndungsvollen Stille
 Des jungen Jahres erstes Licht begrüsst,
 Und seliger Gefühle süsse Fülle
 Dein heitres sanftbewegtes Herz umfliesst:
 Dann töne freundlich Dir in jene Stunden
 Was liebend ich und hoffnungsvoll empfunden.

Es führte mich in diese trauten Hallen
 Der Glaube und ein freundliches Geschick;
 Ins ferne Land liess mich die Hoffnung walen,
 Und Freude hob den heissentflammten Blick.
 Was ich im Bild der Ahndungen empfunden,
 Ich hab‘ es rein im Leben auch gefunden.

Denn ein Gestirn war strahlend aufgegangen
 Dem Irrenden auf wildbewegte Fluth,
 Es gab ein Ziel dem lodernden Verlangen
 Und ein Gebild der namenlosen Gluth;
 Der leere Glanz umrauschte mich vergebens,
 Denn klar ward mir der hohe Sinn des Lebens.

Und eine Quelle suchend, wo den Blicken
 Das höchste rein und farbenlos sich bricht,
 Wo um die finstern, tiefgebrannten Lücken
 Der Bildung wogt das reine, schönre Licht.
 Ward ich zu hohen, seelenvollen Tagen
 Von freundlichem Geschick hieher getragen.

Mit Liebe habt den Fremdling Ihr empfangen,
 Und Glauben gabt ihr seiner warmen Brust;
 Es ist das heisse, sehnende Verlangen
 Sich dieses Pfandes frohgerührt bewusst.
 Doch was ihr glaubend ihm und frei gegeben
 Dies wird die Kraft fortan, die That erstreben.

Denn wie die Kraft, die mir der Gott gegeben,
 Sich wachsend dehnt und in die Tiefe senkt,
 Wird sie gestalten sich in reges Leben.
 Dass knospend Blüthe sich an Blüthe driengt;
 und wo in Wechselkraft, Vertraun und Liebe walten,
 Mag gern das Hohe sich, das Herrliche gestalten.

Drum mit der Liebe herzentquollner Fülle
 Du hohe, schöne Seele, sei gegrüsst!
 Am ersten Frühroth, das mit düster Hülle
 Sich zukunftsschwanger um das Jahr ergiesst,
 Weiht auf der Liebe reinen Opferschaalen
 Ein Herz sich Dir und Deinen Idealen.

Denn eins nur ist’s, wornach die Psyche ringet -
 Ein selig Leben in der Geisterwelt!
 Zu einem Licht nach einem Himmel dringet
 Sie kühn – von hohen Ahndungen erhellt.
 Drum, Edler Du, empfang des Herzens Weihe
 Und glaub an mich und glaub‘ an meine Treue.