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title: "Der Löwe von Florenz | EPOCHE NAPOLEON"
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description: Das Gedicht »Der Löwe von Florenz« stammt aus der Feder des Pädagogen und Schriftstellers August Ferdinand Bernhardis (1759-1820).
author: Michael Gnessner
date: 2014-01-01
modified: 2026-08-28
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# Der Löwe von Florenz | EPOCHE NAPOLEON

Der Löwe von Florenz
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»Der Löw’ ist los! Der Löw ist frei!
 Die ehernen Bande riss er entzwei!-
 Zurück, dass ihr den vergeblichen Mut
 Nicht schrecklich büßet im eigenen Blut!«
 Und jeder suchet mit scheuer Eil’
 In des Hauses Innern Schutz und Heil;
 Auf Markt und Straßen rund umher
 Ward’s plötzlich still und menschenleer.
 Ein Kindlein nur, sein unbewusst,
 Verloren in des Spieles Lust,
 Fern von der sorglichen Mutter Hand,
 Saß auf dem Markt am Brunnenrand.
 Wohl viele sahen von oben herab
 Sie schauten geöffnet des Kindleins Grab;
 Sie rangen die Hände und weinten sehr
 Und blickten zagend nach Hilf’ umher.
 Doch keiner wagt das eigene Leben
 Um des fremden willen dahinzugeben;
 Denn schon verkündet ein nahes Gebrüll
 Das Verderben, das jegliches meiden will.
 Und schon mit rollender Augen Glut
 Erlechzt der Löwe des Kindleins Blut,
 Ja, schon erhebt er die grimmige Klau'n
 O qualvoll, herzzerreißend zu schau'n!
 So rettet nichts das zarte Leben,
 Dem grässlichsten Tode dahingegeben?
 Da plötzlich stürzt aus einem Haus
 Mit fliegenden Haaren ein Weib heraus.
 »Um Gottes Willen, o Weib, halt ein!
 Willst du dich selbst dem Verderben weih'n?
 Unglückliche Mutter, zurück den Schritt!
 Du kannst nicht retten, du stirbst nur mit!"
 Doch furchtlos fällt sie den Löwen an,
 Und aus dem Rachen mit scharfem Zahn
 Nimmt sie - das unversehrte Kind -
 In ihren rettenden Arm geschwind.
 Der Löwe stutzet, und unverweilt
 Mit dem Kinde die Mutter von dannen eilt.
 Da erkannte gerührt so jung wie alt
 Des Mutterherzens Allgewalt
 Und des Leuen großmütigen Sinn zugleich;
 Doch manche Mutter von Schrecken bleich
 Sprach still: "Um des eigenen Kindes Leben
 Hätt’ ich auch meines dahingegeben.«