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title: "Klage an den Entflohenen | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/b/bandemer/neue-vermischte-gedichte/klage-an-den-entflohenen.html"
description: Das Gedicht »Klage an den Entflohenen« stammte von der Schriftstellerin Susanne von Bandemer (1751-1828) und erschienen im Jahre 1802 im GEdichtband »Neue vermischte Gedichte«.
author: Michael Gnessner
date: 2013-10-19
modified: 2024-12-23
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# Klage an den Entflohenen | EPOCHE NAPOLEON

Klage an den Entflohenen
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Hier ruht dein Bild auf meinem Herzen,
 Du, Mann der Liebe und der Schmerzen!
 Der jetzt voll Grausamkeit mich flieht. -
 Du fliehst umsonst -! denn meine Seele eilet
 Dem Manne nach, der das Gefühl nicht theilet
 Das ewig mir im Busen glüht.

 Ja fliehe zu den fernsten Zonen,
 Lass Hass in deiner Seele wohnen,
 Wo sonst nur Liebe für mich sprach:
 Zerbrich, zerreiss' der Liebe süsse Bande
 Und tödte mich: ich folge bis zum Rande
 Des Grabes dir im Geiste nach.

 Die Liebe kennet keine Schranken,
 Im Tode selbst wird sie nicht wanken;
 Sie bleibt sich ewig einerley.
 Die Zeit kann nie dies reine Feuer mindern,
 Kein Mensch, kein Gott! kann ihre Allmacht hindern,
 Und felsenfest ist ihre Treu.

 Mein ganzes Daseyn seh' ich schwinden,
 Um mich in *deinem* ganz zu finden:
 Ich leb' und denke nur durch dich! -
 Dich nur allein seh' ich von allen Wesen
 Des Weltenall's. – Was du mir bist gewesen,
 Bleibst du mir unabänderlich!

 Die Liebe trotzt des Schicksals Strenge,
 Besiegt der Vorurtheile Menge,
 Und stumpfet ab den Zahn der Zeit:
 Sie lächelt schlau bey der Moral des Weisen,
 Und spottet selbst des kalten Blut's des Greisen.
 Ihr Ziel beschränkt die Ewigkeit.

 Wer nicht so fühlt, der weiss und kennet
 Die Liebe nicht, die selbst getrennet,
 In ihrer ganzen Fülle Kraft,
 Nur ewig nach dem *Einen* strebet,
 Sich selbst vergessend, nur dem *Einen* lebet,
 Der ihr die Welt zur Wüste schafft.

 Ha! dieses Schmachten, dieses Streben!
 Verzehrt die Kräfte von dem Leben,
 Das der Verzweiflung sich geweiht:
 Ach! ohne ihn das Dasyen zu ertragen,
 Wer fasst den Schmerz? O, selbst der Hölle Plagen
 Sind ja dagegen *Seligkeit*!