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title: "An den May | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/b/bandemer/neue-vermischte-gedichte/an-den-may.html"
description: Das Gedicht »An den May« stammte von der Schriftstellerin Susanne von Bandemer (1751-1828) und erschienen im Jahre 1802 im GEdichtband »Neue vermischte Gedichte«.
author: Michael Gnessner
date: 2013-10-19
modified: 2026-08-28
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# An den May | EPOCHE NAPOLEON

An den May
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Holder Schöpfer süsser Triebe,
 Junger wonnereicher May!
 Glück und Hoffnung und die Liebe
 Sind in dir mir ungetreu.

 Nie wird dieses Herz empfinden
 Deiner Wonne Seligkeit:
 Reiz und Jugend sah ich schwinden
 Vor der uns bestimmten Zeit:

 Denn der Gram gab ihnen Flügel;
 Und sein Mehlthau traf das Herz.
 Keiner weisen Stoa Zügel
 Zähmt der Seele wilden Schmerz.

 May, dein schönster Tag ist trübe,
 Deinen Zephyr fühl' ich nicht;
 Weil der süsse Trost der Liebe,
 Mir, Unglückliche! gebricht.

 Deine Sänger auf den Bäumen
 Singen mir nicht Lieb' und Scherz.
 Wachend klag' ich, und in Träumen
 Blutet mein verrathnes Herz.

 Wird der Kampf so lange währen
 Bis die letzte Kraft versiegt?
 Bis, geschwächt durch Gram und Zähren,
 Endlich die Natur erliegt? -

 Komm, du letzter meiner Tage!
 Todesengel komm herbey!
 Mache mich von aller Plage
 Und der Liebe Schmerzen frey!