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title: "Die verliebte Dichterinn. | EPOCHE NAPOLEON"
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description: Das Gedicht »Die verliebte Dichterinn.« ist wurde von der österreichischen Schriftstellerin Marie Therese von Artner (1772-1829), die in Ungarn geboren wurde.
author: Michael Gnessner
date: 2014-04-15
modified: 2026-08-28
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# Die verliebte Dichterinn. | EPOCHE NAPOLEON

Die verliebte Dichterinn.
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Vergieb, Apoll! Ich diene dir nun nicht mehr.
 Ein andrer Gott beherrscht als Gebieter mich.
 Gezwungen zwar, aber dennoch treulich
 Muß ich dem jetzigen Herrn gehorchen.

Durch die Gewalt der Waffen bezwang er mich.
 Verwundet' erst und dann (o wie leicht) besiegt,
 In gleichen Reih'n mit tausend Sclaven,
 Schmiedet' er mich an den Siegeswagen.

Nun komm' ich nicht mit sinkender Dämmerung
 In deinen Hain zum Opfer. Zum Lobgesang
 Am Bergaltar, schallt meine Stimme
 Nimmermehr laut in der Musenchöre.

Ich winde keine Blumen voll Morgenthau
 Um deine Leyer. Ach, bey dem Reihentanz
 An Helikons beblümten Abhang
 Hüpf' ich nicht mehr, leicht von Fuß und Herzen!

Du führst durch Pfeil und Bogen, und rühmest dich
 Des Fernetreffens. Warum beschützest du
 Nicht von des Knaben Sonne deine
 Priesterinn, Dir schon so lange geweihet?

Die Wunde von dem tückischen Pfeile ließ
 Mir eine Leere tief in der Brust zurück;
 Nicht Saitenspiel, nicht Sang verscheucht sie;
 Nein! es vermehrt nur das bange Sehnen.

Ein Jüngling nur, der unsere Fluren ziert,
 Nur er allein erfüllet den öden Raum;
 Wenn er vorüber wandelt, fühl' ich
 Bebende Lust meine Wange röthen.

Jüngst harrt' ich seines Ganges, im Weidenbusch
 Verborgen; aber lange verzögert er.
 Doch Terpsichore kam, ich sollte
 Neue Gesänge zur Flöte lernen.

Allein vergebens gab sie den Ton mir an;
 Stets griff ich falsch, das Zeitmaaß entschlüpfte mir.
 Erzürnt schon knickte, mit dem Fuße
 Stampfend den Takt, sie die Veilchen nieder.

Da kam er! Ach, weit emsiger lauscht' ich nun
 Dem süßen Ton, der über die Lipp' ihm glitt!
 Es däuchten Rhythmus und Gesänge
 Schöner denn deine, mich seine Worte.

Aus ist's, Apollo! Nimmermehr dien' ich dir.
 Ein and'rer Gott beherrscht als Gebieter mich.
 Versuch's, befrey' – doch nein, ach laß mich!
 Denn bereits lieb' ich die neue Fessel.