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title: "Die vermeinte Jungfrau Lille | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/a/arnim02/wunderhorn02/052.html"
description: Der Text »Die vermeinte Jungfrau Lille« ist Teil der Märchen- und Sagensammlung »Des Knaben Wunderhorn«, dass durchd die Schriftsteller Ludwig Joachim von Arnmin und Clemens von Brentano in drei Bänden verfasst wurde.
author: Michael Gnessner
date: 2024-11-24
modified: 2026-08-28
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# Die vermeinte Jungfrau Lille | EPOCHE NAPOLEON

Die vermeinte Jungfrau Lille
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 Des Knaben Wunderhorn
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*Prinz Eugen.*

Lill, du allerschönste Stadt,
Die du bist so fein und glat,
Meine Lieb, die brennt in Flammen,
Dich lieb ich vor allen Damen,
Lill, du allerschönste Stadt.

*Stadt Lille.*

Lieber Herr, was saget ihr,
Wer seyd ihr, was macht ihr hier,
Was die Reiter, die Soldaten,
Eure tapfern Kameraden,
Liebster das erzählet mir?

*Prinz Eugen.*

Ich bin der Savoyer Held
Bekannt genug in aller Welt,
Prinz Eugen bin ich genennet,
Der zu dir in Liebe brennet,
Lill, du allerschönste Braut.

*Stadt Lille.*

Lieber Herr, fort packet euch,
Gehet in das deutsche Reich,
Denn ich habe zum Galanten,
Zum Gemahl und Caressanten,
König Ludwig von Frankreich.

*Prinz Eugen.*

Liebste deine Schönheit groß
Ziehet mich in deinen Schooß,
Mit Gewalt will bey dir schlafen,
Schrecken dich nicht meine Waffen,
Machen Hochzeitfeuer an.

*Stadt Lille.*

Lieber Herr von großer Macht,
Glaubet mir, ihr seyd verlacht,
Meine Werk und Bastionen
Citadell und halbe Monden,
Bouffler schützet meine Ehr.

*Prinz Eugen.*

Halt das Maul und schweige still,
Hör was ich dir sagen will,
Hab ich nicht in Ungerlanden
Türken schon gemacht zu schanden,
Hundert tausend, noch viel mehr?

*Stadt Lille.*

Lieber Herr, das glaub ich wohl,
Daß ihr damals waret toll,
Aber ihr habt nichts zu schaffen
Jezo mit den türkschen Affen,
Sondern mit dem Lilien Glanz.

*Prinz Eugen.*

Ihr Constabler frisch daran,
Feuert hundert tausend Mann,
Donnert daß es kracht in Flammen,
Daß kein Stein hält mehr zusammen,
Lill, du unglückselig Weib.

*Stadt Lille.*

Meint ihr denn, daß mein Vandom,
Mir nicht bald zu Hülfe komm,
Der mit hundert tausend Franzen,
Den Holländern lehrt das Tanzen,
Eh mein Kränzlein mir verbrannt?

*Prinz Eugen.*

Lill, mein Engel und mein Lamm,
Ich weiß dir den Bräutigam,
Kaiser Karl, der Weltbekannte,
Ich bin nur sein Abgesandte,
Und des Kaisers General.

*Stadt Lille.*

Ey wohlan, so laßt es seyn,
Karle sey der Liebste mein,
Denn der Ludewig veraltet,
Und die Lieb ist ganz erkaltet,
Karl ist noch ein junger Held.