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title: "Aus der Zeit, wo die Schäfereyen überhand nahmen | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/a/arnim02/wunderhorn02/039.html"
description: Der Text »Aus der Zeit, wo die Schäfereyen überhand nahmen« ist Teil der Märchen- und Sagensammlung »Des Knaben Wunderhorn«, dass durchd die Schriftsteller Ludwig Joachim von Arnmin und Clemens von Brentano in drei Bänden verfasst wurde.
author: Michael Gnessner
date: 2024-11-24
modified: 2026-08-28
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# Aus der Zeit, wo die Schäfereyen überhand nahmen | EPOCHE NAPOLEON

Aus der Zeit, wo die Schäfereyen überhand nahmen
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 Des Knaben Wunderhorn
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*Schäfer.*

Mein Freund! Ein guter Freund,
Der hier verspätet weint,
Erbittet sich zur Gnad
Hier eine Ruhestadt,
Weil er von diesem Ort
Nicht mehr kann reisen fort.

*Nachtwächter.*

Wer seyd ihr?

*Schäfer.*

Ich bin ein treuer Hirt,
Aus Liebe und Begierd,
Seht an mein Hirtenstab,
Den ich in Händen hab,
Damit weid ich die Heerd
Wies mich der Vater lehrt.

*Nachtwächter.*

Wen sucht ihr?

*Schäfer.*

Ich such aus treuem Sinn

Die edle Schäferin,

Die sich von meiner Heerd,

So schnöd hinweggekehrt,

Und sich in dieser Stadt

Gewiß verloren hat.

*Nachtwächter.*

Wenn ihr ein Schäfer seyd, so gehört ihr zu eurer Heerd, wie bald ists geschehen, daß ein Wolf kommt und zertrennt die ganze Heerd.

*Schäfer.*

Wenn schon die ganze Heerd
Von ihm zertrennet wär,
So war es nicht so viel,
Als wenn ich ohne Ziel
Sollt ohne Schäfrin seyn,
Und nunmehr ganz allein.

*Nachtwächter.*

Ihr werdet schon eine andre finden,
Was braucht ihr der so nachzulaufen?
Ist sie so gewaltig schön?

*Schäfer.*

Sie ist vortreflich schön
Wie eine Götterin,
Ihr Auge ist wie Feur,
Das macht sie mir so theur,
Die liebliche Gestalt
Ist wie man Venus mahlt.

*Nachtwächter.*

Von Venus mag ich gar nichts wissen, Korporal heraus und Bursche ins Gewehr und führt den Kerl ans Licht.

*Schäfer.*

Gewalt geht stets vor Recht,
Mein Treu bezahlt man schlecht,
Ich such die ganze Nacht,
Man führt mich auf die Wacht,
Adje man führt mich hin
O edle Schäferin.

*Nachtwächter.*

Licht her, Kerl was winkt er mir? – Ach ihre Majestät! Sie sind es! – Gnade, machen sie einen treuen alten Diener nicht unglücklich!

*Schäfer.*

Ihr sollt mirs nicht ansehn,
Ihr könnt mirs nicht ansehn,
Ein Schäfer will ich seyn,
Ein Schäfer ganz allein,
Ihr seyd einfältge Schaf,
Und ich erlaß die Straf.