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title: "Frühlingsbeklemmung | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/a/arnim02/wunderhorn01/085.html"
description: Der Text »Frühlingsbeklemmung« ist Teil der Märchen- und Sagensammlung »Des Knaben Wunderhorn«, dass durchd die Schriftsteller Ludwig Joachim von Arnmin und Clemens von Brentano in drei Bänden verfasst wurde.
author: Michael Gnessner
date: 2012-07-08
modified: 2024-12-28
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# Frühlingsbeklemmung | EPOCHE NAPOLEON

Des Knaben Wunderhorn
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 Frühlingsbeklemmung
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 Der trübe Winter ist vorbey,
 Die Kranich wiederkehren,
 Nun reget sich der Vogelschrey,
 Die Nester sich vermehren;
 Laub allgemach
 Nun schleicht an Tag,
 Die Blümlein sich nun melden,
 Wie Schlänglein krumm,
 Gehn lächelnd um
 Die Bächlein kühl in Wälden.

 Der Brünnlein klar, und Quellen rein,
 Viel hie, viel dort erscheinen,
 All silberweiße Töchterlein
 Der hohen Berg und Steinen;
 In großer Meng
 Sie mit Gedräng,
 Wie Pfeil von Felsen zielen,
 Bald rauschens her,
 Nicht ohn Geplerr,
 Und mit den Steinlein spielen.

 Die Jägerin, Diana stolz,
 Auch Wald- und Wasser-Nymphen,
 Nun wieder frisch im grünen Holz
 Gehn spielen, scherzend schimpfen;
 Die reine Sonn
 Schmückt ihre Kron,
 Den Köcher füllt mit Pfeilen;
 Ihr beste Roß
 Läßt laufen los
 Auf marmorglatten Meilen.

 Mit ihr die kühlen Sommerwind,
 All Jüngling still von Sitten,
 In Luft zu spielen seyn gesinnt,
 Auf Wolken leicht beritten;
 Die Bäum und Aest
 Auch thun das best,
 Bereichen sich mit Schatten,
 Wo sich verhalt
 Das Wild im Wald,
 Wenns will von Hitz ermatten.

 Die Meng der Vöglein hören laßt
 Ihr Schir von Tire Lire,
 Da sauset auch so mancher Ast,
 Als ob er musicire;
 Die Zweiglein schwank,
 Zum Vogelsang,
 Sich auf- und nieder neigen,
 Auch höret man
 Auf grünem Plan,
 Spazieren Laut und Geigen.

 Wo man nur schaut, fast alle Welt
 Zu Freuden sich thut rüsten,
 Zum Scherzen alles ist gestellt,
 Schwebt alles fast in Lüsten;
 Nur ich allein
 Leid süße Pein,
 Unendlich werd gequälet,
 Seit ich mit dir,
 Und du mit mir,
 O Jesu, dich vermählet.