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title: "Unerhörte Liebe | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/a/arnim02/wunderhorn01/061.html"
description: Der Text »Unerhörte Liebe« ist Teil der Märchen- und Sagensammlung »Des Knaben Wunderhorn«, dass durchd die Schriftsteller Ludwig Joachim von Arnmin und Clemens von Brentano in drei Bänden verfasst wurde.
author: Michael Gnessner
date: 2012-07-08
modified: 2026-08-28
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# Unerhörte Liebe | EPOCHE NAPOLEON

Unerhörte Liebe
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 Des Knaben Wunderhorn
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 Ist irgend zu erfragen
 Ein Schäfer um den Rhein,
 Der sehnlich sich beklagen
 Muß über Liebespein,
 Der wird mir müssen weichen,
 Ich weiß sie plagt mich mehr,
 Niemand ist mir zu gleichen,
 Und liebt er noch so sehr.

 Es ist vorbey gegangen
 Fast jetzt ein ganzes Jahr,
 Daß Eine mich gefangen
 Mit Liebe ganz und gar,
 Daß sie mir hat genommen
 Gedanken, Muth und Sinn,
 Ein Jahr ist's, daß ich kommen
 In ihre Liebe bin.

 Seitdem bin ich verwirret
 Gewesen für und für,
 Es haben auch geirret
 Die Schaafe neben mir,
 Das Feld hab ich verlassen,
 Gelebt in Einsamkeit,
 Hab alles müssen hassen,
 Warum ein Mensch sich freut.

 Nichts hab ich können singen,
 Als nur ihr klares Licht,
 Von ihr hab ich zu klingen
 Die Lauten abgericht,
 Wie sehr ich sie muß lieben
 Und ihre große Zier,
 Das hab ich fast geschrieben
 An alle Bäume hier.

 Kein Trinken und kein Essen,
 Ja nichts hat mir behagt,
 Ich bin nur stets gesessen,
 Und habe mich beklagt:
 In diesem schweren Orden
 Verändert alles sich,
 Die Heerd' ist mager worden,
 Und ich bin nicht mehr ich.

 Sie aber hat die Sinnen
 Weit von mir abgekehrt,
 Ist gar nicht zu gewinnen,
 Hat mich noch nie erhört;
 Da doch was ich gesungen
 Weit in das Land erschallt,
 Und auch mein Ton gedrungen
 Bis durch den Böhmer Wald.

 Die Schaafe, die am Flusse
 Im tiefsten Grase stehn,
 Sie horchten meinem Gruße,
 Sie wollen zu mir gehn;
 Es sammelt sich die Menge,
 Es winken mir die Fraun,
 Doch selbst in dem Gedränge,
 Kann ich die Lieb nicht schaun.

 Was soll mein Lied erschallen?
 Viel lieber bin ich still,
 Der Liebsten zu gefallen
 Ich einig singen will:
 Weil alles sie auf Erden
 Allein zusammenhält,
 Kann ihre Gunst mir werden,
 So hab ich alle Welt.