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title: "Abschiedslied | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/a/arndt/gedichte/abschiedslied.html"
description: »Abschiedslied« von Dichter und Schriftsteller Ernst Moritz Arndt (1769-1860), war ein patriotischer Dichter währen der Napoléonischen Epoche und nach 1819 gehörte er zu den verfolgten Demagogen Preußens.
author: Michael Gnessner
date: 2013-10-05
modified: 2026-10-17
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# Abschiedslied | EPOCHE NAPOLEON

Abschiedslied
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 Schon dunkeln meine Lebenstage
 Sich tief hinab zum Abendschein,
 Und ernster fragt die große Frage:
 Was bist du? sprich: was wirst du sein?
 Wie löst das Rätsel deines Lebens
 Sich hinter deinem Grabe auf?
 War all dein Streben nicht vergebens?
 War eitel Irrlauf nicht dein Lauf?

 Jawohl, die letzten Glockenschläge,
 Der letzte Strahl des Abendlichts,
 Was klingen sie im Busen rege?
 Was leuchtet er aus deinem Nichts?
 Was melden deiner Augen Thränen?
 Was wird im kranken Herzen wach?
 O all dein Irren, Träumen, Sehnen,
 Des Lebens langes Weh und Ach.

 So ist's: Mit Düsternis umhangen
 Wie oft war dir die wunde Brust,
 Ein Dorn dein Sehnen und Verlangen,
 Ein Gift die Süßigkeit der Lust:
 Wie mochte sich der Blinde hüten
 Auf bunter Täuschung Blumenfeld,
 Wie oft die Natter unter Blüten
 Den Biß auf ihren Pflücker schnellt?

 Doch still! Auch lieblich ist verklungen
 Dir mancher schöne Erdentag,
 Von Gottes Lieb' und Lust durchsungen,
 Die tönt Erinnerung fröhlich nach.
 Ja, Gott, ich danke für dein Werde!
 Fürs Wonnewort Es werde Licht!
 Für deine schöne, grüne Erde
 Und all ihr Sonnenangesicht.

 Ja, Dank dir, Herr, für reiche Freude
 Auf schwerstem, längstem Pilgergang.
 Es macht des Abends Schlafgeläute
 Dem müden Wandrer nimmer bang;
 Wie oft er auch auf wüstem Pfade
 Von deinem Lichte lief verirrt,
 Er weiß, daß deine Huld und Gnade
 Ihn nimmermehr verlassen wird.

 Nein, nimmer! Felsen sind die Worte,
 Die Worte dein, Herr Jesus Christ,
 Durch welche mir die Himmelspforte
 Der Gnade weit geöffnet ist.
 Mag dieser Erde Licht verscheinen,
 Mag diese Sonne untergehn,
 Ich werde selig mit den Deinen
 Lobsingend stehn auf höhern Höhn.

 Ja, süßer Heiland, mit den Deinen,
 Sei auch ich unter Kleinsten klein –
 Dein Licht wird ewig auf mir scheinen,
 Dein Glanz wird ewig bei mir sein.
 Hier gilt kein Zagen und kein Fragen,
 Hier gilt: Halt fest, den Glauben fest,
 Daß Gott nach diesen dunklen Tagen
 Dir hellere Sterne scheinen läßt.