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title: "Wie sich mancher rächt | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/a/albrecht/gedichte/46.html"
description: Johanna Sophie Dorothea Albrechts (1757-1840) Gedicht »Wie sich mancher rächt«.
author: Michael Gnessner
date: 2013-04-13
modified: 2026-08-28
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# Wie sich mancher rächt | EPOCHE NAPOLEON

Wie sich mancher rächt
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Eine Doppelrose glühte
 Einst auf offner Flur;
 Schöner lachte, wo sie blühte,
 Ringsum die Natur.

Einsam standen alle Rosen
 Auf der ganzen Flur;
 Diese Blüthe zu liebkosen
 Wehte Zephyr nur.

Alle kamen, alle gingen
 Fort mit süßem Geiz,
 Und voll heißer Sehnsucht hingen
 Sie an Röschens Reiz.

Doch zu ihrem Liebling wählte
 Sie sich Einen nur,
 Dem sie duftend sich vermählte,
 Vor der ganzen Flur.

Neidisch waren alle Männer
 Ueber ihre Wahl;
 Neidisch waren kalte Kenner,
 Rings umher im Thal.

Das erhob den stolzen Ritter;
 Für sich ganz allein,
 Schloß er hinter dichte Gitter,
 Unser Röschen ein.

Oede waren alle Haine,
 Sie, die Wald und Flur
 Jüngst belebte, glüht' allein
 Ihrem Ritter nur.

Oefter war's dem Röschen bitter,
 Jung und schön zu sein,
 Und das alles hinterm Gitter
 In die Luft zu streu'n.

Bleicher wurden ihre Farben
 In der Liebe Grab,
 Und so manche Reize starben
 Ihrem Busen ab.

"O, was kränkt dich, holde Rose?"
 Rief der stolze Mann;
 "Sage, was in meinem Schooße
 Dir noch fehlen kann?" -

 "Duften will ich dir alleine,
 Dem ich mich geweiht;
 Doch Bewunderung im Haine,
 Und der Blumen Neid: -

 "Laß mir den," sprach sie zum Ritter,
 "Ach, jung, schön
 Bin ich noch für dieses Gitter,
 Laß die Flur mich sehn."

 Doch dem Ritter hieß Verbrechen,
 Was sein Röschen sprach.
 Schwurs beim Himmel, sich zu rächen
 Für erlebte Schmach.

 War zu meiden sie beflissen,
 Wählt' den Distelstrauch,
 Hoffend, Niemand werd' ihn küssen,
 Und so war es auch.