---
title: "An den Mond | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/a/albrecht/gedichte/09.html"
description: Johanna Sophie Dorothea Albrechts (1757-1840) Gedicht »An den Mond«.
author: Michael Gnessner
date: 2013-04-13
modified: 2026-08-28
---

# An den Mond | EPOCHE NAPOLEON

An den Mond
=============

Kaum öffnet die Nacht ihre Hallen;
 Purpurn weilt noch
 Der Abschied des Abends an ihrer Schwelle;
 Die Nachtigall
 Beginnt ihr Lied noch nicht
 Und das Käuzlein lauschet in seiner Höhle.

Was siehest du so verwundernd
 In mein ödes Zimmer? -
 Ueberschaue die Wege
 Deiner glänzenden Gefährten
 Und staune! -

Siehe! der hohe Sirius
 Ist kaum am Hügel erwacht,
 Und der Stern der Liebe
 Glänzt noch in junger Schöne. -
 Der Adler beschließt erst seinen Strahlenflug,
 Und du wandelst die ersten Schritte
Auf der nächtlichen Bahn.

Dennoch – o Artemis,
 Findest du mein Zimmer einsam! -
 Er – o verbergt euch, ihr Sterne!
 Und du Leuchtende! -
Er – der die Morgenröthe schalt,
 Wenn sie unsren Küssen lauschte
 In der nächtlichen Laube; -
 Der noch wachte in glühender Liebe,
 Wenn ihr eure Kammern schlosset: -

Er schläft schon! -
 Er schläft -
 Und die Nacht ringt noch
 Mit der Dämmerung
 Um euren Schleier.
 Er schläft -
 Und die Stille herrschet noch nicht.

Losgewunden
 Vom Kummer der Liebe
 Und ihrem belebenden Entzücken
 Umschweben ihn Träume des Friedens
 Und der stillen Ruhe,
 Die so gern
 Die Herzen der Unempfindlichen beglückt. -

 Er schläft
 Und denkt meiner nicht mehr
 In seinen süßen Träumen.
 Ach, meine Thränen
 Stören seine Ruhe nicht. -

 Mond! und ihr prangenden Sterne!
 Geht in eure Kammern
 Auf ewig.
 Nacht! tritt auf immer
 Aus deiner schwarzen Halle
 Und du, Morgenröthe!
 Lausche nie wieder
 Den Küssen der Liebe.

 Er schläft -
 Und meine Thränen
 Stören seine Ruhe nicht. - -