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title: "An den Geliebten | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/a/albrecht/gedichte/07.html"
description: Johanna Sophie Dorothea Albrechts (1757-1840) Gedicht »An den Geliebten«.
author: Michael Gnessner
date: 2013-04-13
modified: 2026-08-28
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# An den Geliebten | EPOCHE NAPOLEON

An den Geliebten
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Schrecklich wär's, wenn du mich verließest!
 Deine Geliebte mit quälender Verachtung begegnetest, -
 Dich los von meinem liebenden Herzen rissest,
 Und mich mit der blutenden Wunde
 Von dir stießest! -

Ach, ich würde im mütterlichen Thale
 Verwais't umher wanken. -
 Diese schöne Erde
 Wäre mir die Wohnung des Elends.
 Der Morgen brächte mir neue Thränen
 Und in der nächtlichen Stille
 Würde meine Klage lauter.

Doch bald würde meine Kraft ermatten,
 Bald würde mir erscheinen
 Das Siechthum – jene süße Dämmerung
 Der ewigen Nacht.
 Ihr düstrer Schleier
 Hüllt mitleidig die schrecklichen Gegenstände
 In lindernde Schatten;
 Und ihre Begleiterin, die Hoffnung,
 Lispelt der Sinkenden von Gefilden,
 Die sie jenseits des Todes kennt,
 Wo Liebende sich wieder finden.

Aber schrecklicher wär's,
 Wenn sie entflohen wären,
 Die Stunden des Seyns,
 Süß durch Deine Liebe;
 Und ich noch taumelte
 In glühendem Entzücken an deiner Hand,
 Durch die Fluren der Erde
 Für mich in ihrem besten Schmuck. -

Wenn der Morgen mich weckte zur Wonne
 Und der Abend mit goldnen Träumen mir sänke,
 Und es fiele das letzte Stäubchen
 Der Stunde des Lebens.

Er, der unempfindliche Tod,
 Der keine Jugend schont,
 Keine Liebe kennt,
 Griffe mit kalter Hand
 Nach dem klopfenden, bebenden Herzen;
 Meine brechenden Augen
 Wagten den letzten Blick
 nach dir und der schönen Welt -
 Und der schreckliche Gedanke,
 Die schreckliche Ahnung
 Einer ewigen Vernichtung
 Umschlänge die zaudernde Seele.

Ich werde ihn nie wieder sehen,
 Dieses Herz voll Liebe muß verwesen,
 Die Erinnerung und die Hoffnung
 Fliehen mit dem Leben!
 Wer vermag die Schrecken des Augenblicks
 Der Trennung ganz zu schildern? -

Doch der Tod reißt endlich
 Das bangklopfende Herz
 Aus der ächzenden Brust,
 Und der Schweiß des Sterbenden
 Löscht die Bilder seiner Angst.
 Das Grab, wo keine Hoffnung wohnt,
 Kennt keine Wünsche.
 Wo keine Freude jauchzet,
 Da schweiget der Schmerz.

 Bitter ist der Kelch des Kummers
 Am Grabe. -
 Schrecklich der Tag des Scheidens
 Ohne Hoffnung.
 Aber entsetzlicher, wenn er schwände,
 Der tiefe Schlaf im Grabe! -
 Wenn die Verwesung nun
 Das letzte Band von Erde
 Der freien Seele lös'te.
 Sie nun eilte zu Gefilden des Lichts
 Durch die dämmernden Thäler des Erwachens,
 Mit der unsterblichen Liebe für dich,
 Im unverweslichen Herzen,
 Mit heller Erinnerung
 Der Seligkeiten in deinem Arm; -
 Und – schaudernder Gedanke! -
 *Dich* nicht fände! -
 Jahrtausende dich suchte,
 Wo Ewigkeit die Hoffnung verbannt;
 Des Lebens müde
 Von Sonne zu Sonne irrte,
 Wo kein vergessendes Grab winkt.
 Dann, im Schooß der Morgenröthe
 Wünscht sie sich in die Nacht des Grabes,
 Und im Schimmer der Sternen-Laube
 Sehnt sie sich in den Arm der Verwesung.

 Reiche mir, Schicksal, reiche mir
 Den Kelch des Kummers am Grabe! -
 Ereile mich, Stunde des Todes,
 Ohne Hoffnung! -
 Gott! Nur laß mich nicht erwachen ohne ihn,
 Hülle *den* Blick in ewige Nacht
 Der *ihn* nicht wiedersehen soll.
 Zerstreut dieses Herz, ihr Winde -
 Vernichte meine Seele, o Gott!
 Wenn Trennung die Ewigkeit kennt.