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title: Bauernaufstände und Judenverfolgung im Oberelsaß (Juli 1789)
url: "https://www.epoche-napoleon.net/oberelsass-juli1789.html"
description: Hellmut G. Haasis (1942-2024) geht der Frage nach, welche Bedeutung die Judenverfolgung im Juli 1789 die Judenverfolgung im Oberelsass für den Ausbruch der »Grand Peur« hatte.
author: Michael Gnessner
date: 2025-09-21
modified: 2026-06-13
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# Bauernaufstände und Judenverfolgung im Oberelsaß (Juli 1789)

Bauernaufstände und Judenverfolgung im Oberelsass (Juli 1789)
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###  von Hellmut G. Haasis

Der Weg zu diesem Kapitel fiel mir besonders schwer, nicht nur aus Gründen der Quellen. Er soll deshalb unter der Darstellung nicht einfach verschwinden, zumal er über Straßburg führte, eine für mich seit meiner Kindheit schmerzliche Stadt, die mich dennoch immer wieder anzieht.

Für das Elsaß des Juli 1789 fand ich häufig Notizen, die eine eigenartige Mischung von Bauernaufständen und Judenverfolgung bezeugen. Da ich schon bei früheren Jahrhunderten auf eine Verquickung von Emanzipationsbestrebungen und Pogromen gestoßen war (Haasis: Spuren, 1. Bd., S. 125-130, S. 158f, S. 189, S. 216-227, S. 233, S. 237f, S. 247-263), wollte ich es genauer wissen. Viele größere Darstellungen der elsässischen Geschichte lassen eine Schablone durchleuchten, die mir mit der Zeit unerträglich wurde. Ein Beispiel:

> An Stelle der Beschwerden tritt der Aufruhr. Wilde Unruhen erheben sich überall. Klöster und Schlösser werden geplündert, Amtshäuser erstürmt, Archive vernichtet, die Juden gehetzt und ihrer Schuldbriefe beraubt. Gleichzeitig mit Gebwiler, wo die Talleute von St. Amarin Schloß und Stiftsherrenhäuser überfallen, erlebt die Stadt Straßburg ihren »Pfalzsturm«, die Verwüstung des Rathauses durch den Pöbel, am 21.Juli 1789, als kleine provinziale Nachahmung des acht Tage früher geschehenen Pariser Bastillensturms.
>
> (Wackernagel, S. 312)

Eine erste Durchsicht der Literatur förderte kein präzises Material zutage, die zuständigen Archive konnten mir keine detaillierten Augenzeugenberichte zur Verfügung stellen. Deshalb versuchte ich, jüdische Quellen zu finden. Zum Einstieg wählte ich Paul Assalls Buch »Juden im Elsaß«, zur Nachempfindung und somit Vergegenwärtigung einer langen, leidvollen Geschichte vorzüglich geeignet. Die vielen sprechenden Fotos, ohne eine beschönigende Ästhetik, brachten mich einer untergegangenen Welt näher. Bis ich endlich Mut faßte und nach Straßburg an Freddy Raphael schrieb, einen jüdischen Historiker, der den Brief Seinem Kollegen Robert Weyl weitergab.

Aber - so mag langsam eingewandt werden - gehören denn die Erfahrungen des Autors zur Geschichtsschreibung? Mir scheint, daß der Geschichtsschreiber zwar nicht ständig Seine Person mit ins Spiel zu bringen hat, aber gelegentlich, bei zentralen Fragestellungen, braucht er nicht abseits zu stehen, wie wenn er gar nicht beteiligt gewesen wäre.

Der verschlungene Weg zu einem Thema, immer wieder in Sackgassen verlaufend, mit Tabus belegt, von einer traditionalistischen Sicht verstellt, könnte die Leser manchmal stärker zu einer neuen Erkenntnis mitnehmen als eine kühle, neutrale Schilderung dessen, wie es (vielleicht) eigentlich gewesen ist. Der hypothetische Charakter aller Geschichtsschreibung wird augenfälliger. Den Lesern, die von der Fülle des Materials erschlagen zu werden drohen, wird eine menschliche Brücke gebaut: Vor uns liegt nicht die ewige Wahrheit, sondern eine Rekonstruktion, die sich jedem Interessierten zur Ergänzung, Korrektur oder Ablehnung anbietet.

Mein erster Versuch, die Lage der Juden im Zeitalter der deutschen Jakobiner anzusprechen, scheiterte schon vor langer Zeit. Derselbe Herausgeber, der mir die Zahl der ins Elsaß geflüchteten deutschen Revolutionsanhänger gestrichen hatte (Siehe Kapitel 5), warf auch den einzigen jüdischen Text aus meinem Manuskript (später abgedruckt bei Haasis: Morgenröte, S. 26: Brief eines Mainzer Juden an General Custine).

Nun wollte ich es mit Hilfe elsässischer, jüdischer Geschichtsschreiber versuchen, die am ehesten wissen mußten, was im Juli 1789 ihren Vorfahren angetan worden war. Während ich dieses Mal über die Rheinbrücke nach Straßburg fuhr, kamen in mir andere Gefühle auf als sonst. Bisher war Straßburg für mich vor allem die Stadt gewesen, in der mein Vater als Zahlmeister eines deutschen Lazarettzuges gestorben und begraben war, neun Monate vor Kriegsende. Die Nazifahnen lagen über dem Tod jenseits des Rheines und über der Trauer der Familie. Wenn ich den Soldatenfriedhof hinter dem Hauptbahnhof besuchte, kreisten meine Gedanken um die bei uns verdrängte Nazi-Diktatur und um die Opfer des Weltkrieges. An die elsässischen Juden dachte ich nicht. Eber fühlte ich mich in der Rolle des Opfers, in ohnmächtiger Wut über die vielen unbehelligten Altnazis und die wieder hoffähig gewordenen Militärs.

Dieses Mal ist es anders. Als ich mich zu Robert Weyl aufmache, fühle ich mich mit einem Schlag als Deutscher. Was im Namen meines Volkes hier geschehen war, steht zwischen mir und der Synagoge in der Avenue de la Paix. Die Stadt nimmt ein anderes Gesicht an. Jetzt erst sehe ich Juden und Jüdisches, was mir jahrelang entgangen war. Die Yarmulka, das Käppchen der Männer, gehört dazu. Ein Orthodoxer: die Schaufäden am Tallit, am Gebetsschal, sehen hervor. Einmal sogar Schläfenlöckchen: Leben die totgesagten Chassidim noch? Ich begegne diesem Mann öfters, Seine Frau geht stets einige Schritte hinter ihm. Nun erkenne ich auch jüdische Geschäfte.

Nicht weit hinter der Bibliothèque Nationale et Universitaire und den Archives departementales du Bas-Rhin, meinen Arbeitsorten, wohnt Robert Weyl in der Rue Rend Hirschler. Vor der neuen, großen Synagoge in der Avenue de la Paix patrouilliert, ein wenig verloren, ein einzelner Polizist. Beklommen fällt mir ein anderes Gesicht Straßburgs ein: Sicherheitspersonal vor allen Kaufhäusern, dass die Taschen der Kunden beim Betreten nach Explosivstoffen durchsucht. Wenige Wochen später wird mir das gleiche bei meinen Besuchen im Nationalarchiv in Paris passieren.

Der Empfang bei Robert Weyl: eine erleichternde Offenheit, wie wenn nichts zwischen uns läge. Ich wüßte gerne, ob er Material, gar jüdisches, zu den Pogromen im Sundgau 1789 habe. Welche Pogrome, fragt er ungläubig. Nun ja, die gleich zu Beginn der Revolution, Ende Juli 1789. Er braucht nicht viel zu überlegen, er weiß die Antwort schon lange: Das seien keine Pogrome gewesen, nicht vergleichbar jenen blutigen im Rußland des 19. Jahrhunderts. Ich beharre darauf, daß es Judenverfolgungen gewesen seien. Mehr als 700 Juden hätten sich nach Basel flüchten müssen, ihre Häuser seien zerstört worden, auch Synagogen. Aber es habe doch keine Toten gegeben, wendet Robert Weyl ein. Die Juden konnten bald zurückkehren. Es wäre den Bauern nur um die Schuldscheine gegangen, so wie sie die Dokumente der Adelsarchive verbrannten. Die Fluchtbewegung versteht Robert Weyl aus einer jüdischen Grundhaltung heraus, die sich auch in der nächsten Revolution (1848) offenbarte, wieder im Sundgau. Sobald Juden eine gefährliche Feindschaft auf sich zukommen sahen, packten sie ihre Habe und flüchteten. Diesen Instinkt hätten sie bis 1940 leider verloren, als die Nazis kamen. Sonst wäre vieles nicht passiert. Material zu den Judenverfolgungen des Jahres 1789 hat mir Robert Weyl nicht überlassen, aber der Besuch bei ihm festigt in mir den Wunsch, mehr über diese Judenverfolgung zu erfahren.

In den Augen der Bauern stehen die Juden auf einer Ebene mit den verhaßten Adligen, die Schutzlosen Außenseiter neben den über ganze Landstrichen gebietenden Feudalherren. Eine ungleiche Gesellschaft.

Frankreich zählte um 1789 bei 25 Millionen Bewohnern rund 40.000 Juden. Zwei Drittel der Juden wohnte im Elsaß, konzentriert in den Dörfern des Sundgaus, um Schlettstadt und in den zahlreichen kleinen Feudalherrschaften des Unterelsasses (Marx: L‘opinion, S. 84). Im übrigen Frankreich kamen auf tausend Einwohner ein Jude, im Elsaß etwas mehr als 30. Ein zeitgenössisches Werk zählte in 186 Orten des Elsasses 3.940 jüdische Familien mit 19.624 Personen, also etwas weniger (Baumann, S. 44, Anm. 1). Nach der älteren Geschichtsschreibung durften in Straßburg keine Juden leben, außer dem großen Familienverband des Cerf Berr (1726-1793), eines bedeutenden Lieferanten für die französische Armee., In drei Häusern wohnten Seine Familie und die seiner Kinder mit Hauspersonal, insgesamt 68 Personen (Löwenstein, 1900, Nr. 2, S. 11f). Robert Weyl konnte nachweisen, daß im Jahr 1738 14 Straßburger Gasthäuser den Juden Zimmer mit Küche zur Verfügung stellten. Aus einem diesbezüglichen Anschlag geht freilich hervor, daß es sich nur um die Beherbergung für eine Nacht handelte, wofür die Juden zwei Schilling für den Nachtzettel und einen Taler oder 15 Schilling für den nächsten Tag als Leibzoll zu entrichten hatten. (Weyl: Auberges)

Die prekäre Lage der elsässischen Juden umschrieb Heinrich Graetz in seinem klassischen Werk, dessen pessimistisches Gesamturteil Robert Weyl mir gegenüber für sehr übertrieben, wenn nicht für total falsch hielt.

> In keinem Teil von Europa war vielleicht der Druck und die Schmach der Juden größer als in der französisch gewordenen deutschen Provinz Elsaß, wozu man auch Metz rechnen kann. Alle Ursachen des verbissenen Judenhasses: Kirchliche Unduldsamkeit, Rassenantipathie, Adelswillkür, Habsucht, zünftiger Brotneid und Rohheit vereinigten sich gegen die Juden von \[sic\] Elsaß, um ihr Dasein im Jahrhundert der Aufklärung zu einer stetigen Höllenpein zu machen, die noch dazu so kleinlicher Natur war, daß sie nicht einmal zu heldenmütigem Aufbäumen aufstacheln konnte. Die deutsche Bevölkerung dieser Provinz hat, wie die Deutschen überhaupt, am zähesten den Judenhaß behauptet, während Franzosen, Holländer, Engländer und Italiener, die zivilisierten Völker, ihn bereits halb und halb aufgegeben hatten, weil jene an der von Frankreich ausgegangenen Zivilisation gar keinen Anteil hatten und überhaupt in mittelalterlicher Rohheit steckten. Adel und Bürgerstand im Elsaß hatten kein Ohr für die Stimme der Menschlichkeit, die in der französischen Literatur so beredt sprach, und gingen nicht um ein Jota von ihren verbrieften Rechten über die Juden ab, welche sie ihnen fast als eine einträgliche Horde Leibeigener zu eigen gaben. Im Elsaß weilten etwa 3 – 4.000 jüdische Familien (15-20000 Seelen). Es Stand aber den Edelleuten frei, neue aufzunehmen oder auch alte Familien auszuweisen. In Metz dagegen hatten es die Kaufleute durchgesetzt, daß die Juden sich nicht über die Zabl von 480 Familien vermehren durften. Diese Bestimmung hatte dieselben Konsequenzen wie in Österreich und Preußen, daß die jüngeren Söhne zum Zölibat oder zum Exil aus dem väterlichen Hause, die Töchter zu alter Jungfernschaft verurteilt waren. Ja, es war hier noch schlimmer als in Österreich und anderswo, weil das deutsche Zopfbürgertum diese pharaonische Gesetzstrenge überwachte und die französischen Beamten umlauerte, wenn Sie Nachsicht gegen die Unglücklichen üben wollten. Es verstand sich von selbst, daß die Juden von Elsaß und Metz in Ghettos eingesperrt waren und nur ausnahmsweise durch die übrigen Stadtteile gehen durften. Steuern mußten sie dafür in fast unerschwinglichem Umfange leisten.
>
> Ludwig XIV. hatte einen Teil der Einkünfte von den Metzer Juden an den Herzog von Brancas und an die Gräfin de Fontaine geschenkt. Diesen mußten sie jährlich 20.000 Livres zahlen, außerdem noch Kopfsteuer, Handelssteuer, Häusersteuer, Abgaben an eine Kirche, Hospital, Kriegssteuer und wie alle diese Lasten noch betitelt waren.
>
> Im Elsaß mußten sie Schutzgeld an den König, Abgaben an den Bischof von Straßburg, an den Grafen von Hagenau, außerdem noch Wohnungssteuer an die Edelleute, in deren feudalen Gebieten Sie wohnten, und Kriegssteuer zahlen. Das Ansiedlungsrecht ging hier nicht einmal auf den ältesten Sohn über, sondern mußte vom Edelmann erkauft werden, als wenn es ein fremder Schutzanflehender wäre. Sie konnten hier auch ausgewiesen werden, wenn es dem Edelmann beliebte, ihnen den Schutz zu entziehen. Sie mußten daher durch reiche Geschenke zu Neujahr und bei anderen Gelegenheiten nicht bloß die gute Stimmung des Edelmanns, sondern auch seiner Beamten erhalten. Und wovon sollten sie alle diese Steuern erschwingen und noch dazu ihre Synagogen und Schulen unterhalten?
>
> Fast jedes Gewerk und jeder Handel war ihnen im Elsaß untersagt; Sie durften gesetzlich nur Viehhandel und Gold- und Silberarbeit betreiben. In Metz durften sie nur solches Vieh schlachten, das zu ihrem eignen Gebrauche bestimmt war, und die rituellen Schlächter mußten Buch über das geschlachtete Vieh führen. Wollten sie außer ihrer engen Provinz Reisen machen, mußten sie Leibzoll zahlen und sich Paßscherereien unterwerfen. In der Hauptstadt der Provinz, in Straßburg, durfte kein Jude über Nacht bleiben. Was blieb ihnen anders übrig, als sich die zu ihrer elenden Existenz unerläßlichen Gelder auf ungesetzlichem Wege durch Wucher zu verschaffen. Sie, d. h. die Geldbesitzer, machten den kleinen Handwerkern, Ackerbauern und Winzern Vorschüsse, auf die Gefahr hin, sie einzubüßen, und ließen sich dafür hohe Zinsen zahlen oder wendeten andere Schliche-an. Dies machte sie nur noch gehässiger, und die einreißende Verarmung des Volkes wurde ihnen zur Last gelegt; das war die Quelle ihrer unsäglichen Leiden. Sie waren in der traurigen Lage, andere und sich selbst unglücklich machen zu müssen.
>
> (Graetz, II. Bd., S. 62--64)

Die Verfolgung von 1789 kündigte sich schon zehn Jahre früher an. So sah es wenigstens Graetz, der an fast vergessene antijüdische Betrügereien erinnerte:

> Diese elende Lage der elsässischen Juden suchte ein gewissenloser Mensch zu seinem Vorteil auszubeuten und brachte sie bis hart an die Grenze blutiger Verfolgung. Ein Gerichtsschreiber, nicht ohne Kopf und literarische Bildung, namens Hell \[geboren 1731, Syndikus der elsässischen Stände, Oberamtmann in Landser, Mitglied der Verfassungsgebenden Versammlung, Verwalter des Departements Haut-Rhin, 1794 guillotiniert\], von Hause aus arm und nach einer hohen Stellung lüstern, bekannt mit den Schlichen der jüdischen Wucherer, lernte eigens die hebräische Sprache, um ohne Furcht vor Entdeckung dieselben brandschatzen zu können. Er ließ ihnen Drohbriefe in hebräischer Sprache zukommen, daß Sie wegen Wuchers und Betrugs unfehlbar angeklagt werden, wenn Sie ihm nicht eine bestimmte Summe zukommen ließen. Dieser gewissenlose Gerichtsschreiber wurde später Landrichter für einige elsässische Edelleute, und dadurch waren ihm die Juden vollends preisgegeben. Diejenigen, welche seine immer gesteigerten Wünsche nicht befriedigten, wurden angeklagt, mißhandelt und verurteilt. Indessen kamen seine Ungerechtigkeiten zum Teil ans Licht; ex wurde beargwohnt, und dieses reizte ihn gegen sämtliche Juden von Elsaß. Er faßte daher einen Plan, den Fanatismus gegen Sie aufzustacheln. Er wies den Schuldnern den Weg, wie Sie sich der drückenden Schulden an die jüdischen Geldmänner entledigen könnten, wenn sie sich falscher Quittungen über bereits geleistete Zahlungen bedienen würden. Einige seiner Kreaturen durchzogen Elsaß und schrieben solche Quittungen. Die gewissenhaften Schuldner wurden durch Geistliche beschwichtigt, die ihnen die Beraubung der Juden als gottgefällige Handlung ans Herz legten. Die Ängstlichen wurden durch einen eigens dazu abgerichteten Betrüger beruhigt, welcher Orden und Kreuze, angeblich im Namen des Königs, an diejenigen austeilte, welche falsche Quittungen annehmen, vorzeigen und gegen die Juden wegen Bedrückung und Betruges klagbar auftreten wollten. Es entstand eine drohende Gärung gegen die Juden vom Elsaß, die in Tätlichkeiten überzugehen nahe war. Es vereinigten sich die unglücklichen Schuldner mit Schurken und Geistlichen, um den Schwachköpfigen König[ Ludwig XVI.](https://www.epoche-napoleon.net/bio/b/bourbon02.html "Bourbonen, Louis XVI. de") zu bestürmen, allen Wirren durch Vertreibung der Juden aus \[Sic\] Elsaß ein Ende zu machen. Um sein Werk zu krönen, versuchte der gewissenlose Landrichter, die bösen Geister gegen die Juden von Elsaß noch mehr zu entfesseln. Er verfaßte eine giftige Schrift gegen sie (1779) »Bemerkungen eines Elsassers über die gegenwärtigen Händel der Juden vom Elsaß«, worin er alle lügenhaften Anschuldigungen gegen die Juden von den ältesten Zeiten an zusammenstellte, um ein grauenhaftes Bild von ihnen zu entwerfen und sie dem Hasse und der Vertilgung zu weihen. Er gab in dieser Schrift zu, daß Quittungen gefälscht worden sind; aber dies sei eine Folge der Ratschlüsse der Vorsehung, der allein die Rache zustehe. Sie habe dadurch Jesu Kreuzestod, den Gottesmord rächen wollen. Dieser Landrichter hatte es auf Ausrottung oder wenigstens Ausweisung der Juden abgesehen. Indessen war der Geist der Duldung bereits genug erstarkt, um solche Arglist nicht durchgreifen zu lassen. Seine gemeinen Schliche wurden aufgedeckt, und er wurde auf Befehl des Königs verhaftet und später aus Elsaß entfernt. Ein Dekret des Königs befahl (Mai 1780), daß Prozesse wegen Wuchers nicht mehr vor dem Landgerichte der Edelleute, sondern von dem Oberrat oder Staatsrat (conseil Souverain) von Elsaß entschieden werden sollten.
>
> (Graetz, II. Band, S. 64f)

Demgegenüber verwies mich Robert Weyl auf die unentbehrliche Stellung der elsässisch-jüdischen Lieferanten für die französische Armee. Die Kriege der Könige Ludwig XIV. und Ludwig XV. beschäftigten Hunderte elsässischer Juden. Die jährlichen Ausgaben der Armeen in Millionenhöhe Gulden gingen zum großen Teil durch die Hände der jüdischen Armeelieferanten Todros Breisich, Aaron Mayer, Jakob Baruch Weyl, Lehmann Netter und Cerf Berr. Damit bekamen Hunderte jüdischer Familien des Elsasses Arbeit und Brot, konnten einen relativen Wohlstand erwerben. So ermittelte Robert Weyl, daß in der elsässiSchen Stadt Rosheim im Jahr 1784 15 jüdische Familien 17 Wohnhäuser besaßen, deren Wert zwischen 3000 und 12600 Livre tournoi (1500 bis 6300 Gulden) schwankte. Schon mit 300 Livre konnte damals eine Familie ein Jahr lang existieren. Robert Wey\]l gibt freilich zu, daß sich die Situation der elsässischen Juden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verschlechterte.

Die Nachricht vom Bastillesturm kam in der zweiten Julihälfte offenbar nicht über Colmar oder gar Straßburg ins südliche Elsaß, sondern über die Franche-Comté, das Nachbargebiet im Westen. Dort lag eines der Zentren der im Juli 1789 ausbrechenden Grande Peur, der Großen Furcht, wie die französische Geschichtsschreibung seit Lefebvre (1939) sagt. Schon die Zeitgenossen wußten von dem Zusammenhang: Am 7. August 1789 Schrieb der Baseler Rat an den Züricher:

> Was die in der Franche-Comte vorgehenden Unordnungen angeht, so können wir euch folgende ministerielle Berichte vertraulich mitteilen: das Gerücht einer Banditenbande war völlig erdichtet, und die daherigen Besorgnis sowohl als die an einigen Schlössern und Abteien vom Volke verübten Tätlichkeiten waren eine Folge zweier von übelgesinnten Personen ausgestreuten Billets, deren eines die Ankunft einer Banditenbande von 1.200 bis 1.500 Personen ankündigte, das andre aber die vorgebliche Äußerung des Königs enthielt, Höchstderselbe wolle weder Adel noch Abteien im Reiche mehr leiden.
>
> (Hottinger, S. 262f)

Die Große Furcht, eine kollektive Panik, die in verschiedenen Landstrichen Frankreichs unterschiedliche konkrete Inhalte an sich zog, erschließt uns eine Stimmungslage, wie sie früher in der Revolutionsgeschichte nicht beachtet worden war.

> Die gegen Ende des Winters \[1788/89\] aufgekommene Furcht vor den Räubern erreichte ihren Höhepunkt in der zweiten Julihälfte und breitete sich mehr oder weniger über ganz Frankreich aus. Auch wenn Sie in ihrer Folge die Große Furcht auslöste, ist Sie gleichwohl von ihr zu unterscheiden. Die Große Furcht hat ihre eigenen Kennzeichen. Bis dahin war es eine Möglichkeit, daß die Räuber auftauchen; jetzt wird ihr Erscheinen zur Gewißheit. Sie sind gegenwärtig, man sieht und hört sie. Meist, obschon nicht immer, ruft ihre Präsenz eine Panik hervor. Manchmal begnügt man sich damit, sich verteidigungsbereit zu machen oder die Bürgerwehren zu alarmieren, die zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit oder zur Bekämpfung der Aristokraten organisiert worden waren. Doch sind kollektive Angstzustände nichts völlig Neues. Das zentrale Merkmal der Großen Furcht ist, daß sich die Erregung sehr weit und mit erheblicher Geschwindigkeit ausbreitet. Auf ihrem Wege bringt sie ihrerseits neue Beweise für die Anwesenheit der Räuber hervor und verursacht Unruhen, die die Ausbreitung der Furcht fördern oder vielmehr nähren und ihr als Vermittler oder Verstärker dienen. Diese Weiterverbreitung erklärt sich ebenfalls aus der Furcht vor den Räubern: man glaubte, daß Sie aufträten -- weil man Sie erwartete. Die Angstwellen waren nicht sehr zahlreich, haben aber den größten Teil des Königreichs erfaßt, Daher rührte der Eindruck, die Große Furcht sei universal. Und da sie sich ziemlich rasch ausbreitete, nahm man an, sie sei überall gleichzeitig ausgebrochen, »fast zur gleichen Stunde«. Das sind zwei Irrtümer, die von den Zeitgenossen selbst in Umlauf gesetzt wurden. Man begnügte sich später damit, sie zu wiederholen. Aus der Hypothese, daß die Panik an vielen Orten zur gleichen Zeit eingesetzt habe, ist wie selbstverständlich gefolgert worden, daß sie von Agenten angezettelt worden und das Ereignis einer Verschwörung sei.
>
> (Lefebvre: Die Große Furcht, S. 88)

Anders als Lefebvre meint, gab es auch im Elsaß eine kollektive, das Land wohl in unterschiedlicher Intensität durchziehende Angst vor Räubern (gegen Lefebvre: Die Große Furcht, S. 92). Aber mir scheint, im Elsaß erfuhr die Kollektivangst eine aufschlußreiche Veränderung: Die wahren Räuber sind die aufständischen Bauern. In dieser Variante überschritt die Große Furcht den Rhein und mobilisierte in den deutschen Nachbarländern die ersten Abwehrmaßnahmen gegen die Revolution.

In der Franche-Comté begann die Große Furcht am 22. Juli und dehnte sich nach Osten und Südosten aus. Aus Angst vor Banditen ergriffen Colmar, Ensisheim, der Kanton Solothurn, Basel und andere Orte und Gebiete Schutzmaßnahmen. Ein Zeitgenosse notierte auf einer Reise am 6. August in Straßburg die kollektive Panik des Landes:

> Das ganze Elsaß ist unruhig. Ganze Dörfer bewaffnen sich, und die Bauern stecken die Nationalkokarde an. Die Postmeister, die Postillione, die Weiber - alles spricht von der Revolution. In Straßburg fängt ein neuer Lärm an. Die ganze Garnison hat das Joch der Subordination abgeworfen. Die Soldaten hören nicht mehr auf ihre Offiziere; Sie trinken in den Weinhäusern, ohne zu bezahlen, durchschwärmen lärmend die Straßen, Schimpfen auf ihre Befehlshaber etc. ... Auch streifen in der Nachbarschaft Straßburgs Räuberhaufen umher, welche die Klöster plündern; und man erzählt, daß ein Mensch auf den Dörfern umhergezogen sei, der sich für den Grafen d'Artois ausgegeben und die Bauern aufgewiegelt habe, indem er ihnen die Versicherung gab, daß der König dem Volke bis zum 15. August völlig Freiheit erteilt habe zu tun, was es wolle. Dieses Gerücht veranlaßte die hiesige Regierung, bekannt zu machen, daß nur eine höllische Bosheit, die auf eine noch nie erhörte Art bestraft zu werden verdiene, so etwas habe aussprechen können... Nehmen Sie sich in Acht, meine Herren, sagte ein Offizier in Straßburg zu uns, als wir im Begriff waren, die Diligence \[Postkutsche\] zu besteigen, der Weg \[nach Basel\] ist nicht ganz sicher. Es gibt viele Räuber im Elsaß.
>
> (Baumann, S. 43)

Eine Rebellion der Landbevölkerung regte sich in Frankreich schon lange vor dem Bastillesturm. Dazu brauchte es kein Fanal aus der Metropole, kein städtisches Vorbild. Im Sundgau, das einige der stärksten Bauernaufstände des Elsasses erlebte, fehlten Städte. Und die wenigen größeren Orte im Oberelsaß schlossen sich gerade von der militanten ländlichen Bewegung ab.

Die revolutionäre Bauernbewegung bewies von Anfang an ihre Autonomie, Sie entwickelte eine eigene Dynamik, auch wenn sie bald von der städtischen Bewegung der Sansculotten verdrängt wurde. Ihre entschiedensten Leute machten das Rückgrat der Revolutionstruppen aus, die während der Direktoriumsherrschaft die einzige Garantie der Republik blieben, gegen das gespaltene, korrumpierte Bürgertum.

Gerade im Oberelsaß scheint die Große Furcht eine janusköpfige Bauernbewegung erst losgetreten zu haben.

> Zweifellos ist die Grande Peur der panische, rückwärtsgewandte Ausdruck einer Gesellschaft mit mündlicher Kultur, in der eine phantastische Neuigkeit von heute auf morgen die Menge mobilisieren kann. Aber sie hat zwei Aspekte: Nachdem die Dorfbewohner aufgrund der vermeintlichen Räuber-Gefahr zu den Waffen gegriffen haben und dann feststellen mußten, daß die Räuber gar nicht existierten, sind sie nicht nach Hause zurückgekehrt, sondern haben sich aus keineswegs magischen Gründen vielmehr einer anderen, sehr realen Klassenkampf-Front zugewandt: dem nachbarlichen Schloß, das Sie dann manchmal geplündert haben und wo sie sich die Papiere, in denen die seigneurialen Abgaben festgelegt waren, übergeben ließen, um daraus ein Freudenfeuer zu machen.
>
> (Vovelle, S. 89)

Das eine Gesicht der Aufstandsbewegung, nach vorwärts gewandt, trifft die Aristokratie; hier erkennen wir ein Streben nach Emanzipation, unvermeidlicherweise mit brachialer Gewalt. Das andere Gesicht dagegen schaut nach rückwärts, trägt reaktionäre Züge, vergeht sich an den Schwächsten der Gesellschaft: den rechtlosen Judenfamilien. Wichtig wäre eine Differenzierung der einzelnen Bauerntrupps nach ihrem Handlungsablauf. Vielleicht lassen sich Bauerngruppen beobachten, die unterwegs sich nicht an Juden vergriffen, während es sich andere einfacher machten, mächtige Feudalherren umgingen und lieber die Schutzlosen Juden ausplünderten? Vovelle begreift die Große Furcht, »diese Simultane Explosion der Angst, als verzerrtes Echo des Bastillesturms« (Vovelle, S. 89). Verzerrt? Angesichts der Judenverfolgung wird man wenigstens im Oberelsaß nicht bloß von verzerrt reden können, sondern von einer Verkehrung ins Gegenteil.

Die Zeitungen bieten angesichts schlechter Verbindungen nur Andeutungen:

> Straßburg, den 29. Juli.
>
> Es verbreitet Sich das Gerücht, daß die Bureau \[Zollstätten\] beim Ausgange der Provinz nach der Schweiz zu nicht mehr existieren.
> Zu Münster ist alles in Bewegung. Die Abtei ist belagert. Dasselbe soll auch zu Rappoltsweiler geschehen sein in Ansehung des Hauses des ersten Rates des Fürsten.
> In Colmar ist alles beruhigt. Die Bürgerschaft hat ihrem Magistrate ihre Begehren, wie sie in dem Beschwerdenhefte verzeichnet waren, überreicht, und dieser hat alle Punkte derselben genehmigt. Die vollkommenste Eintracht herrscht nun in dieser Stadt, zum Leidwesen derjenigen, welche bei Aufständen und Unruhen nichts zu verlieren haben und nur bei Streit und Unordnung Gewinn finden.
> Es bestätigt sich, daß bei Vesoul zu Quingey \[Franche-Comte\] das Schloß eines Edelmannes mit einer Gesellschaft der angesehensten der Gegend, welche mit ihm in Prozeß waren, in die Luft gesprengt worden. Eine große Zah\]l Spitzbuben macht diese Provinz und umliegende Gegend sehr unruhig.
> Die Abtei St. Jean des Choux, bei Zabern, ist von einem Trupp Räuber geplündert worden. Die Benediktinerinnen haben sich nach Zabern geflüchtet.
>
> (Privilegierte Straßburgische Zeitung, 91. Stück, 31. Juli 1789, S. 363)

> Colmar, den 30. \[31.?\] Julius.
>
> Der Hohe Elsassische Rat hat ein Arret \[Beschluß\] gegeben, wodurch er den Prevöt general der Maréchaussée \[Vorsitzender des Sondergerichts der Gendarmerie\] für alle Fälle, welche auf die itzigen Unruhen des Elsasses Bezug haben, als kompetenten Richter anerkennt, Diesem zufolge wird bis zur Wiederherstellung der Ruhe ein Gericht der Maréchaussée zu Altkirch, ein anderes zu Schlettstadt, ein drittes zu Hüningen, ein viertes im untern Elsasse niedergesetzt werden, um die Unglücklichen zu richten, welche in diesen Zeiten sich haben zu einem Aufruhr verleiten lassen. Sobald diese Gerichtshöfe werden ihre Funktionen anfangen und einige aufgehangen haben, hofft man, die Ruhe wieder in unsere Provinz zurückkehren zu sehen.
> Bei Altkirch in dem dasigen Wald hält sich, sagt man, eine sehr zahlreiche Bande Spitzbuben auf, welche auf Raub und Plünderung losgehen. Die königlichen Truppen haben sie schon verschiedene Male angegriffen, einige niedergemacht und gefangen, aber noch ist ihre Zahl groß.
>
> (Privilegierte Straßburgische Zeitung, 93. Stück, 5. August 1789, S. 371f)

So unklar wie diese zwei Zeitungsartikel verbleibt vieles auch bei genauerer Nachforschung. Zusammensetzung und Marschrichtung einzelner Trupps der Aufständischen bleiben nebelhaft, die gesamten Ereignisse zwischen 22. Juli und Anfang August sind noch nicht überschaubar, nicht einmal die Zahl der hingerichteten Rebellen ist eindeutig: mal liegt Sie bei drei, mal bei 13. Beide Zahlen sind sicher zu gering angesetzt.

Der Sundgau, bis 1648 ein österreichisches Territorium, wies seit dem Armlederaufstand eine rebellische Tradition auf: 1338, 1513-15, 1525, 1633 (Haasis: Spuren, 1.Bd., 8. 2 55-259,5.376-381). Unabhängig von der Franche-Comté ziehen die Bauern um Pfirt (Ferrette) bereits am 22. Juli 1789 gegen das Amtsstädtchen. Es geht gegen den verhaßten Amtmann, der gerade noch flüchten kann. Im Amtsgebäude wird die Kasse geplündert, die Schriftstücke (Register, Protokolle) gehen in Flammen auf, mit ihnen das ganze Haus. Die Einwohner von Pfirt verhalten Sich neutral.

Die Bauern stecken bald dreifarbige Kokarden an, die Colmarer übrigens am 22. Juli eine grüne, am nächsten Tag ebenfalls die dreifarbige (blau-weiß-rot). Ein charakteristischer Unterschied zu Straßburg, wo Bürgertum und Adel die weiße Kokarde wählen (Siehe Kapitel 6). Von einer Judenverfolgung ist anfangs offenbar nichts zu spüren.

Ob sich diese Bauerntruppe nun nach Norden gegen Altkirch wendet, ist unklar. Diese Marschrichtung würde der vom Februar 1633 entsprechen (Haasis: Spuren, 1.Bd., S.378). Als am 26.Juli um 12.30 Uhr von Belfort aus das 2. Marinebataillon in Altkirch eintrifft, befindet Sich schon das ganze Land im Aufruhr. Von einem einzigen Trupp Rebellen kann nicht mehr gesprochen werden. Überall herrscht Sturm auf die Schlösser, Klöster und Abteien, aber bereits auch auf die Juden. Die Aufständischen vernichten alle Papiere der Gemeindeverwaltungen, Notare und Steuerbeamten und plündern die Juden aus. Sie beseitigen in einem ihre Feudalpflichten und ihre Schulden gegen die jüdischen Kreditgeber. Die Juden seien Wucherer, heißt es. Bis jetzt ist aber ungeklärt, zu welchem Zinssatz Sie ihr Geld ausliehen. Daß er hoch gewesen war, dürfte angesichts der unsicheren Kreditnehmer nicht verwundern, denn diese konnten keinerlei Garantien bieten.

Wenig später wird auf Baseler Gebiet ein Sundgauer Bauer aus Volkensberg (Folgensbourg) festgenommen, der im Verhör von der Entstehung eines lokalen Pogroms spricht:

> Es Seien eine Menge Leute von Michelbach, Ranspach, Bettlach, Fiesslach \[Fislis\], Wenzwyl \[Wentzwiller\], Neuwiller, Lutter und andern umliegenden Dörfern zu ihnen ins Dorf gekommen und haben sie, die Folkensburger, geheißen mitgehen. Da sei er auch mitgegangen und nach Hagentbal gekommen, allwo diese Leute an den Juden grausame Gewalttätigkeiten verübt und ihren Hausrat und Sachen teils zerschlagen, teils genommen. Er sei in seines Schwähers, Jakob Fuchsen des Küfers, Haus gegangen, allwo zween Juden sich mit ihren Betten und Hausrat geflüchtet hatten. Bei diesen Leuten sei er die ganze Nacht geblieben, welche ihm diesen Jammer erzählt haben. Er aber habe sich bei seinem Schwäher ganz still gehalten. Mittwoch \[29. Juli\] morgens um Betzeit sei er wieder nach Haus gegangen und um Mittag wieder nach Hagenthal gekommen; da er der Lärmen wieder noch ärger als zuvor angegangen, indem noch mehrere Bauern dazu gekommen, welche denen Juden die von der gestrigen Plünderung noch übrig gebliebenen Habseligkeiten genommen und ihre Wohnungen zerstört haben, wobei er aber keine Hand angelegt, sondern nur mit einigen Bekannten in den Judenkellern Wein getrunken habe. Auf den Abend haben Sie, die Folkensberger, auf vier Wägen die den Juden geraubten, hausrätlichen Sachen fortgeführt, wovon er ein Kängterlein \[Schrank\] und eine Bettladen, welche die Bauern zerschlagen wollen, genommen und auf einen Wagen geladen habe, jedoch mit dem Vorsatz, falls jemand diese Sachen reklamiere, so wolle er Sie wieder erstatten. Aus andern Dörfern seien noch mehrere Wägen dagewesen... Am Donnertagsmittag sei er wieder nach Hagenthal gegangen, allwo aber keine weitern Exzesse begangen worden.
>
> (Baumann, S. 62 f)

Dieses Baseler Verhör besitzt einen hohen Wert, Selbst wenn der Gefangene seinen Anteil herunterspielen will, Ähnlich wie 1633 ziehen die aufständischen Bauern von Dorf zu Dorf, um eine größere Masse zu erreichen. Das Ziel ist die große Judengemeinde von Ober- und Niederhagenthal, die am 28. und 29. Juli restlos ausgeplündert wird. Der Solothurner Meier zu Bättwil meldet am 29.Juli 16 Uhr: »Gestern sollen sämtliche Judenhäuser zu Nieder- und Oberhagenthal ausgesuecht, ausgejagt, die Schriften \[Schuldscheine\] verbrannt worden sein.« (Baumann, S. 49) In Ober- und Niederhagenthal, Hegenheim und Dürmenach lebten 1784 240 jüdische Familien mit 1.237 Personen (Baumann, S. 44). Der Baseler Obervogt auf Münchenstein schreibt ebenfalls am 29. Juli 1789, »eine Rott von bösen Buben« habe die Juden aus Hagenthal vertrieben (Baumann, S. 48). Nur ein kleiner Schritt zum Banditengerücht. Das Baseler Verhör läßt zuletzt die Vermutung aufkommen, daß einige Juden bei christlichen Freunden Unterschlupf fanden, also nicht flüchten mußten.

Dieser Bauernzug gegen die Hagenthaler Juden war vorbereitet. Nach dem Baseler Verhör eines anderen gefangenen Sundgauer Bauern stammten die Anführer aus Niedermichelbach, die mit Hacken und Hebeisen versehen waren (Baumann, S. 62). Daß eine planmäßige Absicht zugrunde lag, offenbaren auch die mitgeführten Wagen. Am 30. Juli hörten die Plünderungen auf, vermutlich mangels Masse. Von Toten oder auch nur Verletzten ist nichts zu erfahren.
Am zweiten Tag des Hagenthaler Pogroms (29. Juli) bricht in Leymen, nur 5 km Südlich, eine andere Bewegung los. Die Leymener plündern das Haus ihres Ortsherren, des Herrn von Reichenstein, der am Abend vorher mit seiner Frau auf die österreichische Festung Landskron, hoch über Leymen, geflüchtet war. Ein Kuriosum: die Bauerngemeinde zieht vor die Festung -- heute eine Ruine mit guter Aussicht - und bewegt ihren Herrn, mit ihr ins Dorf zurückzukehren. Der Herr von Reichenstein kommt der Bitte nach, tritt seinen Wald den Bauern ab, schenkt ihnen den kleinen Zehnten und mehr. Um 13 Uhr Glockenläuten: die Leymener versammeln sich in der Kirche, der Vertrag wird vorgelesen und unterzeichnet. Am selben Tag bitten Sie um 16 Uhr die angrenzenden Solothurner Gemeinden Bättwil und Witterswil um Hilfe, falls Sie in der kommenden Nacht überfallen würden und Sturm läuteten (Baumann, S. 50). Die Freude über die geschenkte Befreiung dauert in Leymen nicht lange. Als Soldaten einmarschieren, platzt die Friedlichkeit der Revolution wie eine Seifenblase: Die Gemeindevertreter werden verhaftet und mit den beschlagnahmten Papieren zur Aburteilung nach Hüningen verschleppt (Baumann, S. 49).

In der Nacht vom 29. auf den 30. Juli kommt es zu neuen Erhebungen. In Pfirt werden das Haus des Grafen von Pfirt und andere Häuser angezündet. Doch die Ermordung mehrerer Personen ist nichts als eines der vielen Gerüchte, die umlaufen (Baumann, S. 50).

Am nächsten Morgen wird in Bättwil bekannt: »Dem Vernehmen nach sollen in dieser zukünftigen Nacht die sämtlichen Judenschriften, welche in der Amtsschreiberei Leymen liegen, weggenommen und verbrannt werden.« (Baumann, S. 51)

Im Solothurner Klosterort Mariastein verbreitet sich Schrecken: In der nächsten Nacht kämen das Sundgauer Dorf Biederthal dran, dann werde das Kloster Mariastein in Brand gesteckt, dem die näher gelegenen Sundgauer Dörfer teilweise zehntpflichtig sind.

Den Sturm auf das Hirsinger Schloß des Grafen Fortunatus von Montjoye-Hirsingen führt in der Nacht vom 29. zum 30. Juli eine andere Rebellentruppe durch. Seit Jahrzehnten mußten hier alle Untertanen fronen, um einen für die Gegend einmaligen Luxus zu Schaffen. Das Gerücht, »Der König hart's erlaubt«, mobilisiert den lange schwelenden Haß. Dieses Gerücht findet Vergleichbares in anderen Bauernaufständen, so im rumänischen des Jahres 1784 (Haasis: Spuren, 2.Bd., S. 572f).

Die Aufständischen führt Peter Müller an, in der Abenddämmerung. Der Graf kann gerade noch nach Basel flüchten. Die Plünderung dauert Tage, es gibt viel zu holen. Unbrauchbarer Luxus wird zerschlagen. - Dieselbe Taktik verfolgten 1793 die revolutionären Truppen gegenüber linksrheinischen Schlössern und Adelssitzen. - Alle Papiere der gräflichen Schreiberei gehen in Flammen auf.
Schon am nächsten Tag (30. Juli) rücken Soldaten von Altkirch an. Sie müssen weichen, als Sturm geläutet wird und eine große Menge Bauern sich drohend versammelt (Böhm, S. 102--105; Baumann, S. 53, Anm. 3). Erst drei Tage später, am 2. August, kann sich eine stärkere Militärabteilung in Hirsingen halten.

Gleich nach diesem Schloßsturm folgt am 30. Juli der Sturm auf die nahegelegenen Schlösser von Hirtzbach (Besitzer: Baron Josef Anton Karl von Reinach, französischer General, Ritter des Ludwigsordens) und Carspach (Besitzer: Baron von Pfirt-Carolsbach). Hier gibt es erste Gefechte mit Soldaten, wobei acht Rebellen umkommen und 40 in Gefangenschaft geraten. Die Hirtzbacher Schloßstürmer, angeführt von einem Einwohner von Steinsulz, müssen bald einer Truppe Gendarmen aus Altkirch weichen (Böhm, S. 105f€). Zu dieser Zeit trifft auch in Hagenthal ein Soldatentrupp ein.

Selbst bei der bisher schmalen Quellenbasis liegt auf der Hand, daß im Sundgau zwischen 22. und 30. Juli zahlreiche Bauerntrupps auftraten. Eine Unterscheidung in solche, die Sich hauptsächlich auf die Juden warfen, und in andere, die die Schlösser und herrschaftlichen Gebäude niederlegten, ist bisher nicht möglich. Ein Colmarer Zeitgenosse, der Schlosser Dominicus Schmutz, Schon 72 Jahre alt, erzählte in seinem Hausbuch von den Sundgauer Rebellen in märchenbaft anmutender Ausschmückung:

> Hat sich im Sundgau ein solches Raubgesindel zusammengerottet, Sie haben einen Weber von ihrer Rotte sauber gekleidet und ein blau Band angetan, samt ; einem Sternen, und haben ausgegeben, es wäre ein Prinz und des Königs zweiter Bruder; Sie haben zu Sierentz und im ganzen Sundgau in allen Dörfern die Juden sauber ausgeplündert und fortgejaget, viele nahmen ihre Zuflucht nach Basel, Sie haben ihre Häuser verheeret, ja 8ogar die Böden aufgebrochen in den Zimmer, alle ihre Obligationen und Handschriften genommen und zerrissen und verbrennt, die besten Weine in den Kellern laufen lassen, was sie nicht haben können trinken; Sie nahmen alles Geld, so ihnen in die Hände fiel, weg und verteilten's unter sich, und wie Sie mit den Juden fertig waren, so wollten sie hinter die Christen; zu Landser stürmten sie die Amtsschreiberei und verbrannten alle Schriften, die Leut haben anfangs freiwillig gegeben, was Sie hatten, aber wie sie sind hinter den Betrug gekommen, haben sie den vermeinten Königsbruder gefangen genommen mit vielen von seiner Bande und haben die andern zerstreuet; die Rädelsführer sind samt dem Prinzen aufs Gallee \[Galeere\] gekommen.
>
> (Schmutz, S. 87f)

Solche umgehenden Geschichten einer mündlichen Kultur können durchaus einen wahren Kern enthalten. Ähnliches ist aus der Armlederbewegung, 450 Jahre früher, bekannt, die im Oberelsaß auslief.

Viele Juden flüchteten sich auf Solothurner und Baseler Gebiet, einige nach Mülhausen, das bis 1798 zur Eidgenossenschaft zählte. Die Flucht geht überstürzt vor sich. Am Abend des 28. Juli werden die Hagenthaler Juden überfallen, wahrscheinlich auch die Juden der Nachbardörfer, bald danach erreicht der Flüchtlingsstrom, teilweise auf Fuhrwerken, das Baseler Dorf Binningen, 10 km von Hagenthal entfernt. Unter den Flüchtlingen sind wohl auch Juden aus Hegenheim, Buschwiller und Wentzwiller. Schon um 22 Uhr desselben Tages kommt ein Dragoner von Binningen nach Münchenstein (Basel) und meldet dem Baseler Obervogt, die vertriebenen Juden aus den benachbarten Dörfern befänden Sich im Binninger Wirtshaus »Zum Löwen« und im dortigen neuen Badhaus, »in den elendesten Umständen« (Baumann, S. 48). 30 Juden haben das Baseler Dorf Benzen erreicht.

Die Solothurner Amtsleute weisen die Flüchtlinge ungerührt weiter, nur Basel nimmt Sie auf: eine seltene Hilfsbereitschaft in der Verfolgungsgeschichte der Juden. Die Geretteten kommen bei Bürgern oder in Herbergen unter. Nach Unterlagen im Baseler Staatsarchiv befinden sich Anfang August 708 Juden in Basel (Kahn, S. 25, nennt irrtümlich 1.200 Juden), eine Statistik führt allerdings nur 681 Flüchtlinge auf, unterschieden nach Herkunftsorten und Armut.

| Ortschaft | Flüchtlinge | davon Arme | % Arme |
|---|---|---|---|
| Niederhagenthal | 115 | 35 | 30 |
| Oberhagenthal | 41 | 13 | 32 |
| Hagenheim | 199 | 57 | 29 |
| Buschwiller | 103 | 61 | 59 |
| Dürmenach | 193 | 97 | 50 |
| Blotzheim | 30 | 17 | 57 |

<figcaption>Flüchtlingsbewegung im Sundgau im Juli 1789</figcaption>

> (Baumann, S. 63)

Am elendesten sind die Juden von Buschwiller, Blotzheim und Dürmenach dran. Waren diese Gemeinden schon vorher stark verarmt? Oder ist die Armut Folge eines überraschenden Überfalls? Wurden die Flüchtenden unterwegs nochmals ausgeplündert und ihrer Notgroschen beraubt? Die Quellen Schweigen.

Die Flüchtlingszahlen werfen neue Fragen auf. In den vier am nächsten bei Basel liegenden größeren Judengemeinden lebten 1784 1237 Juden, nun waren nur 548 nach Basel geflüchtet. Was geschah mit den anderen? Einige Familien könnten, wie bezeugt ist, über den Rhein geflüchtet sein. Möglicherweise wurden auch nicht alle Juden vertrieben, eventuell sparten die Bauern die notorisch Verarmten von Anfang an aus. Oder konnten sich etliche bei Christen verstecken?

Angesichts des Sundgauer Bauernaufstandes vor den Toren von Basel bricht in der Stadt eine Panik aus. Der spätere Baseler Revolutionär Peter Ochs (1752-1821) nennt, vom sicheren Basel aus, die Judenverfolgungen »Kreuzzüge gegen die Hebräer« (Baumann, S. 64). Eine Ironisierung? Eine Verharmlosung? Drei Jahrzehnte danach beschrieb er die Panik in Basel:

> Ein panischer Schrecken hatte Sich indessen vieler Leute bier bemächtiget. Der müßige Furchtsame haschte alle übertriebenen Nachrichten. Die schwachen Einbildungen träumten sich etwas Zeit von nichts als von Piken, Laternen und herumgetragenen Köpfen. Vor Angst starb plötzlich ein reicher und angesehener Bürger. Gelassenheit, die sowohl in gegründeten als in erdichteten Gefahren gleich erforderlich ist, weil man ohne sie nichts erwäget, noch vernünftig anordnet; Gelassenheit, die der sterbliche Mensch nie aufsagen sollte, da sein unbedeutendes und kurzes Dasein jede Stunde in Gefahr schwebt; Gelassenheit wurde bei manchem hin und her stets rennenden und erhitzten Ratgeber sehr übel gedeutet.
>
> (Ochs, 8. Bd., S. 95)

Die Baseler berufen am 30. Juli 150 Mann Landmiliz in die Stadt, die bis zum 7. August an den Toren stehen. Mülhausen, das auch einige Juden aufnahm, stellt 120 Mann an die Tore, drei Tage lang. Die Baseler halten ihre beiden Stadttore zum Sundgau geschlossen und pflanzen Kanonen auf dem Wall auf. An den noch offenen Toren werden strenge Kontrollen durchgeführt, bei denen schon am 31. Juli 15 verdächtige Rebellen aus dem Sundgau festgenommen werden, die sich nach Basel einschleichen wollten. Sie werden verhört, nach Hüningen ausgeliefert und in Colmar vor ein Sondergericht gestellt.

Die Solothurner organisieren, ausgehend von Rodersdorf, eine militärische Grenzsicherung, die vom 28. Juli bis zum 19. August dauert. Einem Heer von 4000 Aufständischen hätte diese nicht standhalten können. Der Rat von Solothurn weist die Juden aus, er nennt Sie »Judengesindel«, läßt die beiden Brücken an der Birs besetzen und auch die eigenen Untertanen aushorchen, was sie über die junge Revolution sagen. Das schlechte Gewissen der Regierenden regt sich. Schon am 30. Juli legt Solothurn eine Obrigkeitshaltung an den Tag, die als Prototyp für das ganze künftige Jahrzehnt gelten kann:

Endlich erheischt das Wohl und die Ruhe unser getreuen Untertanen, daß das herrenlose Gesindel und verdächtige Leute in unsern Landen nicht gestattet, besonders aber die verdächtige Liederträger und Schriftenverkäufer sofort weitergewiesen werden.

(Baumann, S. 57, Anm. 2)

Erst am 5. August besprachen sich Basel und Solothurn wegen ihrer Abwehrmaßnahmen, als die größte Gefahr schon vorüber war. Anfang August jagte ein blinder Alarm den anderen, von Basel bis Colmar, typische Erscheinungen der Großen Furcht. Einmal wurden Soldaten für Räuber gehalten. Und wo Banditen nicht zu sehen waren, spukten sie in den Wäldern und drohten die Grenzen zu überschreiten.

Die allgemeine Angst glaubte bald, ein revolutionärer Agent reise herum, der die Bauern zum Aufstand gegen die Feudalherren und die Juden aufrufe, im Namen des Königs (Baumann, S. 59). Auch dieses Element der Großen Furcht kehrte dann in Deutschland wieder und hielt sich jahrelang als ein konstitutives Element der Reaktion.

Inzwischen war die Bauernbewegung zusammengebrochen, nur zum Teil unter militärischer Gewalt, eher deshalb, weil es ihr an übergreifenden Zielen, an Organisation und Kommunikation fehlte. Zudem war Erntezeit, was übrigens erklären dürfte, warum viele Aktionen erst abends oder nachts Stattfanden.

Am 4. August konnten die Hagenthaler Juden in ihren Ort zurückkehren, danach nach und nach auch die anderen. - Nur die Dürmenacher wurden ein zweites Mal nach Basel getrieben. - Der Baseler Rat glaubte einen Spaltungsprozeß in der Revolutionsbewegung beobachten zu können: durchaus nicht unwahrscheinlich.

> Dem Anschein nach hat sich wenigstens in unseren Gegenden der Hang zu Aufläufen und nächtlichen Ausschweifungen gänzlich gelegt, und die reichen Bauern sollen insonderheit eingesehen haben, daß, wenn die Räuberbanden bei Juden, Amtleuten, Klöstern und Schlössern nichts mehr zu rauben finden würden, die Reihe endlich auch an Sie kommen dürfte. Anfangs Sahen die Sachen deswegen bedenklich aus, weil unter dem Vorwande, die Nationalversammlung zu unterstützen, vermeinte Verräter anzuhalten und die Ausfuhr angeblicher Schätz zu verhindern, Bauern und Bürger, Eingesessene und Fremde, Arme und Reiche, arbeitsame Leute und Landstreicher es miteinander zu halten schienen. So sehr aber hat sich die Sache seitdem geänderet, daß schon gestrigen Tags verschiedene hierher geflüchtete Juden es gewagt haben, nach ihren Wohnsitzen zurückzukehren, und daß, aller Drohungen ungeachtet, uns nicht der geringste Schaden an unsern angrenzenden oder im Sundgau selbst befindlichen Gütern, Häusern und Kornböden zugefügt worden ist.
>
> (Hottinger, S. 261)

Ein übriges leistete das Militär, das mit verdächtigen Bauern oft kurzen Prozeß machte und sie einfach zusammenschoß oder am nächsten Baum henkte. Am 12. August galt die ganze Gegend bis Besangon als ruhig.

Weitere Aufstandszentren im Oberelsaß bilden sich, unabhängig vom Sundgau, am 26. Juli, einem Sonntag, in den Tälern von Masmünster, St. Amarin und Münster. Von einer Judenverfolgung ist vorerst nur in Uffholz die Rede, was sich durch die schmale Quellenbasis erklären dürfte. In diesem Ort wohnte der gebürtige Mannheimer Jude Abraham Lembert (Siehe[ Kapitel 1](https://www.epoche-napoleon.net/autor/schmidt-1.html)).

Im St. Amarintal, »einem Pulverfaß« (Schmitt: Guebwiller, S. 118), nimmt der Aufstand seinen Ausgang von Malmerspach, auf einer Bauernversammlung. Eine viertausendköpfige Menge, die stattlichste Rebellenmasse des ganzen Elsasses, zieht das Tal abwärts und über Thann, Sennheim (Cernay) und Uffholz nach Gebweiler (Guebwiller), wo das Fürstentum des Murbacher Abtes seine Residenz hat. Die Rebellen kommen am nächsten Tag, einem Montag, dort an. Das Schloß des Abtes und alle Häuser des fürstlichen Stiftes werden ausgeplündert und im Innern zerstört. Die Einwohner von Gebweiler halten sich heraus. Ein Teil der Aufständischen zieht nach Ensisheim weiter, an den einstigen Verwaltungssitz der Vorderösterreicher im Elsaß. Aber Ensisheim hält Seine Tore geschlossen. Auch dieser Bewegung gelingt es nicht, ein einziges städtisches Zentrum zu erobern. Ein anderer Teil wird auf dem Rückmarsch von Soldaten verfolgt und bei Uffholz in einem Gefecht aufgerieben. Mehrere Bauern werden gleich aufgeknüpft, 80 Gefangene nach Schlettstadt gebracht.

Am 27. Juli, 9 Uhr, trifft sich auf dem Rathausplatz von Thann eine Bauernmenge aus Alt-Thann, Leimbach und Roderen. Sie plündert ein herrschaftliches Gebäude, zerstört alle Papiere und leert die Kasse. Zum Thanner Umkreis gebört die Rebellion im Dollertal, in Masmünster.

Auf eine längere Oppositionsbewegung kann Münster zurückblicken, eine Genossenschaft aus zehn Talgemeinden. 1774 hatte die Stadt mit ihren Gemeinden ihr letztes Stück Selbständigkeit verloren. Nun präsidierte dem Rat ein königlicher Prätor. Bei der Eidleistung am 1. Januar 1775 brach ein bewaffneter Aufstand aus, der wohl unterlag, die hartnäckigsten Zwölf wurden im Straßburger Gefängnis »Gedeckte Brücken« (»Ponts Couverts«) inhaftiert. Eine erneute Erhebung im Oktober desselben Jahres und eine dritte im Jahr 1777 beweisen eine tiefreichende Unzufriedenheit.

Auch in Münster werden, wie in der ganzen Gegend, erst am Samstag, dem 25. Juli, die Pariser Ereignisse des 12. bis 14. Juli bekannt, also sechs bis sieben Tage später als in Straßburg. Die Talgemeinden stürmen das Rathaus und erobern sich ihre alten Rechte, die Sondernacher wollen sich von der Talgenossenschaft trennen.

Zur Niederschlagung der Bauernaufstände werden im ganzen Elsaß vier Sondergerichte eingesetzt, gestützt auf die reguläre Armee unter General Baron von Viettinghoff. Die gedruckte, zehnseitige Anklageschrift von Colmar erhebt gegen die Bauern die Beschuldigung,

> daß man die Behältnisse öffentlicher Akten erbrochen, um aus denselben Urkunden, die den Stand und das Vermögen der Bürger sicherstellen, zugleich mit denen, deren vorübergebende Wirkung man fürchtet, zu verbrennen, zu zerreißen oder zu unterschlagen; daß man allerband Gewalttätigkeiten, die dem allverbündlichen Gesetze der Menschlichkeit zuwiderlaufen, begangen, und endlich, daß man mit einer rasenden Wut, die keine andere Absicht verrät, als die Begierde zu Schaden, kostspielige Denkmäler zerstört habe, deren mühsame Herstellung der Nachkommenschaft zur Last fällt. (München, Hauptstaatsarchiv, Abt. Kriegsarchiv, B 227)
> Der Ankläger läßt nach Übelgesinnten, falschen Schriften und aufrührerischen Reden fahnden. Die drei oberelsässischen Sondergerichte haben angeblich nur drei Todesurteile gefällt, daneben mehrere Galeerenstrafen. Der jüdische Arzt Nordmann aus Basel, der die Urteile gelesen hatte, gewann einen aufschlußreichen Eindruck: »Nach dem Texte der richterlichen Erwägungen sind es eher die Zerstörungen der herrschaftlichen Schlösser als die Angriffe gegen die Juden, welche für diese Strenge ausschlaggebend waren.«
>
> (Nordmann: Geschichte, S. 69, Anm. 1)

Drüben überm Rhein, in der Markgrafschaft Baden, im Markgräflerland, sah man die elsässischen Ereignisse ein wenig anders. Der Amtmann von Müllheim meldete am 29. Juli nach Karlsruhe »eine Art Bauernkriegs \[...\], in dem beiläufig 3.000 Bauern in ihren Ortschaften ihre alten Freiheiten ansprechen. und geltend machen wollen« (Schäfer, S. 322). Fern den Kämpfen, konnte er eher die untergründige Tradition verstehen.

Ein Informant oder Agent schrieb schon am Tag zuvor aus Basel:

> Unsere ganze Nachbarschaft ist in Alarm. Alles steht in Furcht und banger Erwartung. Der elsässische Pöbel ist wie rasend. Er hat verschiedene adelige Häuser in der Nachbarschaft geplündert und in Brand gesteckt. Das Zollhaus zu St. Louis ist völlig zerstört und der Zöllner kaum mit dem Leben davongekommen. Selbst die Pakete von Straßburg, so durch die Post gekommen, sind nicht verschont worden, sondern erbrochen worden. Die Bauern tragen alle Kokarden, und es heißt, Sie hätten gedroht, daß, wenn man den flüchtigen Beamten oder Adeligen hier Schutz gäbe, Sie die Stadt in Brand stecken würden.
>
> (Schäfer, S. 322)

Die Welle der geflüchteten Juden scheint Basel noch nicht erreicht zu haben. Die Bedrohung Basels zeigt hier weniger ein panisches Gesicht, sondern ein rationales: Basel als Fluchtort der gestürzten Feudalherren und der Beamten.

Der Amtmann von Kehl teilte am 1. August ein Detail mit, das die Pogrome differenzieren könnte: »Die vermöglichen Juden sind inzwischen überall im Sundgau ausgeplündert \[...\].« (Schäfer, S. 323) Im Selben Bericht wird erstmals die Gefahr angesprochen, die von geflüchteten Aufständischen ausgehen könnte, die über den Rhein kommen. Zuletzt redet er von der Gefahr, »daß unter den vielen herüber geflüchteten Juden auch einige nicht saubere sich befinden dürften« (Schäfer, S. 323). Dazwischen gibt es natürlich viele Gerüchte, in Tüllingen einen blinden Alarm.

Die französische Nationalversammlung rang sich in der Nacht des 4. August zur Aufhebung der Privilegien des Adels und des Klerus durch und damit zur Abschaffung der bäuerlichen Feudalpflichten. Damit hatten die Bauernaufstände ihr Ziel erreicht, viele Anführer mußten dennoch schwer dafür bezahlen.

Die oberelsässischen Bauern bildeten noch später Hochburgen der Revolution. Im Februar 1791 drohten die französischen Emigrantenkorps über den Rhein ins Elsaß vorzudringen, um die bisherigen Ergebnisse der Revolution zu vernichten. Dagegen hielten sich in den Tälern von St. Amarin und Münster 3.000 Bauern bewaffnet bereit, um den Angriff zurückzuschlagen. Nirgends anders sah das Elsaß damals eine Solche Massierung revolutionärer Kräfte (Heitz, S. 114,5.116). Bei der Abwehr der österreichischen Invasionsarmee im Herbst 1793 an den Weißenburger Linien taten Sich Sundgauer Bauern hervor. Ihre rebellische Tradition lebte noch 1848, wo allerdings zugleich wieder die Juden zu leiden hatten (Nordmann: Der israelitische Friedbhof, S. 22 f).

In Gebweiler weist der Südturm der Kirche St. Leodegar unterhalb der Fenstergeschosse eine Zeichnung aus der Revolutionszeit auf. Hier sind Zifferblätter aufgemalt, mit der Inschrift: »Frei leben oder sterben - im dritten Jahr der Freiheit 1791«.

Die ersten Pogrome des neuen demokratischen Zeitalters trieben die Diskussion um die Judenbefreiung voran. 1791 beschloß die Nationalversammlung die Gleichstellung der Juden gegen Widerstände gerade aus dem El1saß. Auch wenn Basel bereits im September 1790 den Juden den Handel in der Stadt, ausgenommen auf den Jahrmärkten, verbot (Nordmann: Der israelitische Friedbof, S. 22), so bleibt doch die Hilfsbereitschaft im Sommer 1789 ein Ruhmesblatt in der Stadtgeschichte. Für die Baseler wurden in den Synagogen des Sundgaus Dankgebete gesprochen (eines abgedruckt bei Reichard \[Hg.\]: Revolutionsalmanach von 1793, S. 129-131; ein zweites bei Baumann, S. 64f). Der jüdische Dichter Hartwig Wessely würdigte im September 1789 Basel mit einem hebräischen Gedicht. Auch diese Dichtung gehört als Zeugnis einer unterdrückten, fast vergessenen Kultur in das Zeitalter der deutschen Jakobiner.

> Der Felder Pflanzen, wenn sie welken, gehen Sie zugrunde,
> Der Seelen Pflanzen entwickeln ewig ihre Kraft.
> Auch in ihrem Alter gedeihen sie noch,
> Denn Sie Sind Leben, im Greisenalter zeugen Sie.
>
> Basel! Du hast dies vor aller Welt bestätigt,
> Am Tage, da die Verfolgten bei Dir Hilfe gefunden haben,
> Am Tage, da du Dich mit Menschenliebe wie mit einer Krone schmücktest.
> Israels Verfolgung Sahst Du, Du sprangst in die Bresche.
>
> Das Volk, das Du Generationen hindurch Dir ferne hieltest,
> Als es in Bedrängnis kam, regte Sich Dein Erbarmen.
> Wie wertvoll unser Leben ist, hat Deine Liebe gezeigt.
>
> Wenn auch dies Volk nichts besitzt, um Dich belohnen zu können,
> So besitzt Gott alles, dessen Hände das All gebildet haben,
> Er möge Dich Sättigen mit der Frucht Deiner Werke.
>
> (Nordmann: Geschichte, S. 181f)

###  Quellen und Literatur:

- Adel: Un recit des troubles de 1789 ä Thann, hg. von X. J. Thomann, in: Revue d' Alsace, 87.\]g., 83. Bd., 1936, S8. 304-308
- Anchel, Robert: Les Juifs de France, Paris 1946 (S. 153—212: Metz im 17. und 18. Jh.; S. 213-244: Elsaß 1784, zur Zeit Napoleons S. 235-278)
- Ders.: Napoleon et les Juifs. Essai sur les rapports de l'Etat français et du culte israelite de 1806 à 1815, Paris 1928
- Assall, Paul: Juden im Elsaß, Bühl-Moos 1984
- Basel, Staatsarchiv, Kirchenakten Q 1
- Baumann, Ernst: Die Troublen von 1789 an der Schweizergrenze, in: Annuaire de la Societe d' Histoire Sundgauvienne, 4, 1936, S. 41-66 (Standort: Freiburg, Universitätsbibliothek, H 509, m)
- Blumenkranz, Bernhard (unter Mitarbeit von Monique Levy): Bibliographie des Juifs en France, Toulouse 1974
- Böhm, Franz: Pfirt (Ferrette) nebst Umgebung, Mülhausen (Elsaß) 1892, S. 101-106
- Das Elsaß und die große Revolution 1789, Colmar o. J. (um 1939), S. 8-10
- Engelhardt, Heinrich: Vaterländische Geschichte des Elsasses, 5. Bd., Straßburg 1846
- Ginsburger, Moses: Aus der Zeit des Terrorismus im Elsaß, in: Blätter für Jüdische Geschichte und Literatur, 3, 1902, 5. 171-176
- Ders.: Judenverfolgungen im Elsaß im Jahre 1789, in: Israelitische Wochenschrift, Straßburg, 5, 1908, Nr. 41, S. 5f; Nr.45, S. 5f; Nr. 47, S.4-6; Nr. 51, S. 3f
- Graetz, H(einrich): Geschichte der Juden, 11.Bd., Leipzig 1870
- Haasis: Morgenröte (Siehe Kapitel 1)
- Ders.: Spuren (Siehe Kapitel 1)
- Hansen, Joseph (Hg.): Quellen zur Geschichte des Rheinlandes im Zeitalter der Französischen Revolution 1780-1801, 1.Bd., Bonn 1931, S. 412-414
- Heitz, F(rederic) C(harles): Les Societes politiques de Strasbourg pendant les annees 1790 ä 1793. Extraits de leur proces-verbaux, Strasbourg 1863
- Hottinger, J. J.: Beiträge zur Geschichte des letzten Dezenniums der alten Eidgenossenschaft, in: Archiv für Schweizerische Geschichte, 1, Zürich 1843, S. 256-322 (Standort: Stuttgart, Landesbibliothek, Z 5494)
- Kahn, Leon: Les Juifs de Paris pendant la Revolution, Paris 1890, Nachdruck New York 1968
- Karl Friedrich von Baden: Politische Correspondenz 1783-1806, 6. Bd., Heidelberg 1915
- Lefebvre, Georges: Die Französische Revolution und die Bauern, in: Labrousse, Ernest, u. a.: Geburt der bürgerlichen Gesellschaft: 1789, hg. von Irmgard A. Hartig, Frankfurt/Main 1979, S. 136-170
- Ders.: Die Große Furcht von 1789, in: Labrousse, Ernest, u. a.: Geburt der Bürgerlichen Gesellschaft: 1789, 1979, S. 88-135 (Teilübersetzung von La Grande Peur, Paris 1932)
- Ders.: Quatre-vingt-neuf, Paris 1939, Neue Ausgabe 1970, S. 166-172,
- Löwenstein, Leopold: Die Juden im Elsaß vor und während der Schreckensherrschaft, in: Blätter für jüdische Geschichte und Literatur, Beilage zur Zeitschrift »Israelit«, 1.\]g., 1900, Nr. 1, S. 1--3; Nr. 2, S. 11f
- Mahler, Raphael: A History of modern Jewry, 1780-1815, London 1974
- Marx, Roland: L'opinion public et les juifs en Alsace sous la Revolution, in: Saisons d'Alsace, 1964, Nr. 9, S. 84-92
- Ders.: Les paysans et la Révolution, in: Histoire de ! Alsace rurale, Strasbourg 1983, S. 293-304
- München, Hauptstaatsarchiv, Abt. Kriegsarchiv, B 227 (Akten des Oberrheinischen Kreises von 1789)
- Nordemann, Theodor: Zur Geschichte der Juden in Basel, o. O. u. J. (Binningen 1955), S. 40-43
- Nordmann, Achilles: Geschichte der Juden in Basel 1397-1875, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, 13, 1914
- Ders.: Der israelitische Friedhof in Hegenheim in geschichtlicher Darstellung, Basel 1910
- Ochs, Peter: Geschichte der Stadt und Landschaft Basel, 8. Bd., Basel 1822
- Ohl, Ludwig: Geschichte der Stadt Münster und ihrer Abtei im Gregorienthal, Vorbruck-Schirmeck 1897
- Privilegierte Straßburgische Zeitung, 1789 (Standort: Strasbourg, Bibliotheque Nationale et Universitaire, Section des Alsatiques, M 109.404)
- Raphael, Freddy, Weyl, Robert: Cerf Berr, in: Nouveau Dictionnaire de biografie alsacienne, cahier 4, Strasbourg 1982, S. 477-479.
- Dies.: Juifs en Alsace. Culture, Societe, histoire, Toulouse 1977
- Rathgeber, Julius (Hg.): Colmar und die Schreckenszeit. Ein Tagebuch und Aktenstücke aus den Revolutionsjahren 1789- 1796, Stuttgart 1873
- Ders.: Münster im Gregorienthal. Ein Beitrag zur politischen, kirchlichen und kulturhistorischen Geschichte des elsässischen Münstertales, Straßburg 1874
- (Reichard, Heinrich August Ottokar \[Hg.\]): Revolutionsalmanach von 1793, Göttingen, Nachdruck Nendeln 1976
- Reuss, Rodolphe: L'antisemitisme dans le Bas-Rhin pendant Ja Révolution (1790-1793), in: Revue des Etudes Juives, 68, 1914, S. 246-263
- Schäfer, Konstantin: Am Rand der großen Revolution 1789-1792, in: Alemannisches Jahrbuch, 1962/63, Lahr 1964, S. 310-386
- Schmitt, Jean-Marie: Aspects industrielles de l'Alsace revolutionnaire: Rivalites et tensions sociales aux Forges de Willer, in: Annuaire de la Societe d'histoire des regions de Thann-Guebwiller, 1977/78, S. 50-64
- Ders.: Aux origines de la revolution industrielle en Alsace. Investissements et rélations Sociales dans la vallée de Saint-Amarin au XVIIe siècle, Strasbourg 1980, S. 280-282, S. 293f
- Ders.: Guebwiller à la fin de l'ancien régime (1764-1790) (Universite des Sciences Humaines de Strasbourg, Mémoire de maittrise), Strasbourg 1975, S. 118-122 (Standorte: Colmar, Archives Municipales; Strasbourg, Bibliotheque Nationale et Universitaire)
- Schmutz, Dominicus: Hausbuch, hg. von Julien See, Colmar 1878
- Sittler, Lucien: Das Elsaß und die große Revolution 1789, Colmar o.J. (1939), S. 8-10
- Soboul, Albert: Über die Bauernbewegung, in: Labrousse, Ernest, u. a.: Geburt der bürgerlichen Gesellschaft: 1789, 1979, S.181-198
- Szajkowski, Zosa: Jews and the French Revolution of 1789, 1830 and 1848, New York 1970
- Vovelle, Michel: Die Französische Revolution. Soziale Bewegung und Umbruch der Mentalitäten, Frankfurt/Main 1985
- Wackernagel, Rudolf: Geschichte des Elsaß, Basel 1919
- Weyl, Robert: Auberges pour Juifs à Strasbourg au XVIIIe siécle (Resumee d’une communication faite á la Societe d’Histoire des Israélites d’Alsace et de Lorraine lors de son Colloque du 26 fevrier 1984)
- Ders.: Brief an mich vom 12. April 1988
- Weyl, Robert, Daltroff, Jean: Le cahier de doleances des juifs d’Alsace, in: Revue d’Alsace, 109, 1983, S.65-80