Sklavenhändler Picton aus Rathaus entfernt

Am 23.07.2020 hat der Stadtrat der walisischen Hauptstadt Cardiff die Entfernung des »sadistischen Sklavenhändler des 19. Jahrhunderts« aus dem Rathaus zu entfernen.

Thomas Picton (1758-1815) war ein britischer General und Gouverneur von Trinidad.

Thomas Picton (1758-1815)

Am letzten Donnerstag hat der Stadtrat der walischen Hauptstadt Cardiff entschieden die Statue von Thomas Picton (1758-1815) aus der im Rathaus befindlichen Gallerie »Helden von Wales« zu entfernen.

Weniger als einen Tag nachdem Black-Lives-Matter-Aktivisten in einer Demonstration in Bristol Anfang Juni diesen Jahres das Denkmal für den britischen Sklavenhändler Edward Colston stürzten und im Hafenbecken der Stadt versenkten, kamen sowohl in Cardiff als auch in Carmatrhen Iniitiativen auf, die die Entfernung der Statue des Generals der napoleonischen Kriege und Gouverneurs von Trinidad, Sir Thomas Pictorn, forderten.

Der Bürgermeister von Cardiff, Dan De'Ath, war der erste Beamte, der in einem Brief an den Rat von Cardiff den Vorschlag machte, die Statue des »sadistischen« Picton abzubauen. Auch der Vorsitzende der Labour-Fraktion, Saeed Ebrahim sah die Symbolik, dass ein schwarzer Mann den Antrag zur Entfernung der Statue eines Sklavenhändlers deutlich.Auch der Vorsitzende des Cardiff Council, Huw Thomas, sah in den Denkmal für Picton einen Affont gegen Schwarze und zeigte sich mit der Entscheidung zufrieden.

Die Statue im Rathaus von Cardiff wurde im Jahre 1916 errichtet. Die Statue soll später in ein Museum für Sklaverei überführt werden.

In den Jahren 1797 bis 1803 war Picton Gouverneur der von den Spaniern in Besitz genommenen Kolonie Trinidad. Als Gouverneur hatte er ein brutales Regime ausgeübt. so ließ er mehrere Sklaven zum Tode verurteilen und auch die Folterung, die im britischen Empire zu jener Zeit verboten war, des 14jährigen freien Mulatten-Mädchens Luisa Calderón zu. Prof. Leighton James von der Universität Swansea bemerkt hierzu, dass die Insel gerade von den Spaniern beschlagnahmt wurde und die kleine britische Streitmacht den auf der Insel befindlichen Sklaven unterlegen war. So behielt Thomas Picton weiterhin die Kontrolle indem er die Philosophie übernahm »sie hassen zu lassen, solange sie Angst haben«.

Calderón wurde beschuldigt,an einem Diebstahl von 500 Pfund von einem Geschäftsmann beteiligt gewesen zu sein. Der Untersuchungsrichter beantragte die Erlaubnis von Gouverneur Thomas Picton, ein Geständnis durch Streikposten zu erlangen. Bei dieser Methode, die in der britischen Armee weit verbreitet war, wird der Delinquent am Handgelenk am Boden aufgehängt und damit er sein Gewicht stützen kann, bestand darin, auf einen umgedrehten Pflock zu stehen. Der Stift selbst war nicht scharf genug, um die Haut zu verletzen oder bleibende Schäden zu hinterlassen. Dem Opfer wurde jedoch ein unerträglicher Schmerz zugefügt.

Der Vorfall wurde durch eine Untersuchungskommission unter Leitung von William Fullarton untersucht und in der Folge erfolgte 1803 die Abberufung Pictons um in London vor Gericht gestellt zu werden. Hier vertrat der Reformanwalt William Garrow die Anklage, sodass das Interesse an diesem Fall zunahm. So machten Broschüren und Zeitschriften die Runde und es gab sogar Zeichnungen, die zeigten, was Luisa Calderón auf Befehl Pictons zu tun hatte. In diesem Prozess prallten zwei Welten aufeinander. Zum einen das immer aufgeklärter und liberaler werdende Großbritannien und die Realität des brutalen und gewaltäigen Lebens in den englischen Kolonien. Der Prozess endete schließlich mit einer Verurteilung des ehemaligen Gouverneurs.

Thomas Picton ließ das Urteil später erfolgreich anfechten. Hierbei führte er an, dass Trinidad nicht Teil des britischen Empire war sondern nur vor den Zugriff eines französischen Einflusses durch britische Truppen besetzt wurde und somit noch das spanische Rechtssystem Bestand hatte. Dieses sah aber die Folterung als legitimes Mittel zur Erzwingung eines Geständnisses vor.

Ab 1808 schloss sich Picton den britischen Expeditionskorps auf der iberishen Halbinsel als Kommandeur in Wellingtons Armee an.

Während der Schlacht von Quadre Bras wurde Picton schwer verletzt, versteckte seine Wunden jedoch vor seinen Männern. Zwei Tage später wurde er von einer französischen Musketenkugel tödlich getroffen, als seine Truppen einen französischen Vorstoß zurückwiesen. Nach seinem Tode wurde in der St. Paul Cathedral errichtet.

Prof.James ist sich nicht sicher, ob es hilfreich oder zielführend sei, die Erinnerung an Thomas Picton durch die Änderung von Ortsnamen usw. gefeiert wird sondern findet, dass diese als Gesprächsthema dienen können um die Geschichte von Luisa Calderón nicht in Vergessenheit geraten wird.


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