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title: "| EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/in-work/vermischte-gedichte/louise-hensel/gedichte/37.html"
description: »« verfasste die religiöse Schriftstellerin Luise Hensel (1798-1876) im Jahre 1820 in Düsseldorf.
author: Michael Gnessner
date: 2019-02-17
modified: 2026-07-10
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# | EPOCHE NAPOLEON

Nächtliches Wiegenlied
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Lieb Knäblein, schlaf'! Ich wache gern,
 O schlaf, mein armes Kind!
 Am Himmel steht der Abendstern,
 Der sieht recht lieb und lind.
 Es sehn ja alle Sterne
 Mein bleiches Kindlein gerne.
 Schlaf ein, mein frommes Kind!

 Ja, schlaf in Gottes Namen ein,
 Die Äuglein schließe zu;
 Dann sehn die lichten Engelein
 Herab auf deine Ruh'.
 Da draußen wehn die Bäume,
 Sie rauschen bunte Träume.
 Ach, tu' die Äuglein zu!

 Lang ist's schon, daß mein armes Herz
 Der süße Schlummer flieht
 Und daß auf meinen stillen Schmerz
 Der Mond herniedersieht.
 Mein Waislein, bleib doch liegen,
 Will dich als Mutter wiegen;
 Horch auf mein neues Lied!

 Aus teurem Grabe wuchs ein Reis,
 Das war so zart und fein;
 Ich pflanzt' es in mein Beet mit Fleiß
 Und sah es schön gedeihn;
 Nun nagt an seinem Herzen
 Ein böser Wurm mit Schmerzen,
 Nun welkt es mir zur Pein.

 Wohl träumt ich manchen schönen Traum
 Von meinem lieben Reis':
 Ich hofft', es wer' ein hoher Baum
 Zu Gottes Ehr' und Preis'.
 Der, dacht' ich, wird in Stürmen
 Viel schwache Bäumlein schirmen
 Umher in weitem Kreis'. –

 Mein Hoffen sah ich nun vergehn:
 Es welkt mein Zweigelein,
 Und seh' doch andre Reislein stehn,
 Die nicht so lieb und fein. –
 O, schlaf. mein armer Knabe!
 Die Mutter schläft im Grabe
 Und denkt im Himmel dein.

Berlin, Winter 1817