---
title: "| EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/in-work/vermischte-gedichte/louise-hensel/gedichte/18.html"
description: »« verfasste die religiöse Schriftstellerin Luise Hensel (1798-1876) im Jahre 1820 in Düsseldorf.
author: Michael Gnessner
date: 2019-02-17
modified: 2026-07-10
---

# | EPOCHE NAPOLEON

An ihrem Grabe
================

Müd' komm' ich aus der Ferne
 Mit schwerem Wanderstab;
 Ach! grüßen wollt' ich gerne
 Der treusten Freundin Grab.

 Es sagen keine Worte,
 Es weht aus keinem Lied,
 Was ich in ihr gefunden,
 Was mir mit ihr verblüht.

 Das reichste Herz an Güte,
 Das ich auf Erden fand,
 Das bergen diese Blumen,
 Das decket dieser Sand. –

 Ich knie' an ihrem Grabe
 So einsam und so arm.
 Es tranken seine Blumen
 Wohl nimmer Tau, so warm.

 O, drängen meine Tränen
 Hinab, hinab zu ihr
 Und weht' aus ihrem Munde
 Ein Hauch herauf zu mir!

 Doch still und kalt und öde
 Ruht alles weit umher –
 Es weckt mein lauter Jammer
 Dich, Selige! nicht mehr. –

 So ruh' in Gottes Frieden
 In deiner stillen Gruft,
 Bis des Erweckers Stimme
 Zur ew'gen Wonne ruft.

 Schlaf wohl, schlaf wohl, Geliebte! –
 Ich nehme welkend Laub
 Von deinem stillen Hügel
 Und eine Handvoll Staub.

 Das ist, was mir geblieben
 Von aller Erdenlust;
 Es ruh' als Angedenken
 Auf meiner kranken Brust.

 Und wenn sie mich begraben
 Dereinst im fernen Land,
 Deckt mein gebrochnes Herze
 Noch deines Hügels Sand.

Dülmen, 1825