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title: Friedrich Adolph August Struve (1781–1840) – Begründer der modernen Mineralwasserindustrie
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description: Friedrich Adolph August Struve gründete 1821 in Dresden die erste konzessionierte Mineralwasseranstalt der Welt. Sein europäisches Unternehmensnetz reichte von Brighton bis Odessa.
author: Michael Gnessner
date: 2025-09-21
modified: 2026-09-02
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# Friedrich Adolph August Struve (1781–1840) – Begründer der modernen Mineralwasserindustrie

Friedrich Adolph August Struve
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*\* 09.05.1781 in Neustadt bei Stolpen*
*† 29.09.1840 in Berlin*

         ![Portrait von Friedrich Adolph August Struve (1781-1840)](https://www.epoche-napoleon.net/fileadmin/_processed_/5/0/csm_Struve__Friedrich_Adolph_August_19125a58cc.jpg "Struve, Friedrich Adolph August") Friedrich Adolph August Struve (1781-1840)

Friedrich Adolph August Struve ist der Begründer der modernen Mineralwasserindustrie. Als Arzt, Apotheker und Chemiker entwickelt er in den 1810er-Jahren ein Verfahren zur chemisch genauen Nachbildung natürlicher Heilquellen und eröffnet 1821 in Dresden die erste konzessionierte Mineralwasseranstalt der Welt. Aus diesem Dresdner Betrieb entsteht binnen zwei Jahrzehnten ein europäisches Unternehmensnetz von Brighton bis Odessa. Struve verbindet naturwissenschaftliche Methodik mit unternehmerischem Pioniergeist und bürgerlichem Reformengagement und steht damit an der Schwelle zur modernen, wissenschaftlich fundierten Industrie.

 Herkunft und frühe Jahre
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Friedrich Adolph August Struve entstammt einer seit Generationen in Medizin und Pharmazie verwurzelten Familie. Sein Großvater Ernst Gotthold Struve war Leibarzt des Herzogs Karl Peter Ulrich von Holstein-Gottorp (1727–1762) – des Neffen der Zarin Elisabeth I. von Russland und späteren Zaren Peter III. – und folgte diesem um 1740 nach St. Petersburg, wo er 1743 starb.[1](#fn-1) Die Witwe Charlotta Magdalena kehrte mit dem Sohn Ernst Friedrich nach Deutschland zurück.[2](#fn-2)

Struves Vater, Ernst Friedrich Struve (1739–1806), stammte aus Kiel, lebte zunächst in Bautzen und ließ sich 1771 in Neustadt bei Stolpen nieder. Er heiratete Rahel Dorothea, geborene Hentsch, die Tochter der verwitweten Besitzerin der dortigen Stadtapotheke, erwarb diese 1774 und war zugleich als Arzt und Amtsphysikus im Amt Hohnstein tätig.[3](#fn-3)

Friedrich Adolph August wird am 9. Mai 1781 in Neustadt geboren.[4](#fn-4) Die Stadt zählt zu seiner Kindheit rund 1.300 Einwohner.[5](#fn-5) Er wächst in einem Haushalt auf, der Arzt- und Apothekerberuf vereint, erhält neben dem Schulunterricht Privatunterricht, da die örtliche Schule als unzureichend gilt.[6](#fn-6) Von Mai 1794 bis März 1799 besucht er die Fürstenschule St. Afra in Meißen, eine der renommiertesten sächsischen Bildungseinrichtungen.[7](#fn-7)

1799 beginnt er ein Medizinstudium an der Universität Leipzig, wechselt 1800 nach Halle an der Saale und schließt das Studium 1802 mit einer Promotion bei dem Mediziner Johann Christian Reil (1759–1813) ab.[8](#fn-8) Seine Dissertation »De quibusdam theoriae respirationis capitibus prodromus, sistens docimasiam pulmonum Plouquetianam« befasst sich mit einer speziellen rechtsmedizinischen Methode: Wilhelm Gottfried Ploucquet (1744–1814) hatte 1782 ein Verfahren beschrieben, das anhand des Verhältnisses von Lungengewicht zu Körpergewicht eines Neugeborenen prüfen sollte, ob das Kind vor dem Tod noch geatmet hatte – ein damals viel diskutiertes Problem der Gerichtsmedizin.[9](#fn-9)

Nach der Promotion strebt Struve zunächst eine wissenschaftliche Laufbahn an. Er hält sich in Wien auf, arbeitet an der Klinik von Johann Peter Frank (1745–1821) – einem der wichtigsten Wegbereiter der Sozialhygiene und des öffentlichen Gesundheitswesens – und beschäftigt sich dort mit Fragen der Volksgesundheit.[10](#fn-10) Da sein Vater schwer erkrankt, kehrt er 1803 nach Neustadt zurück und praktiziert als Arzt.[11](#fn-11)

 Apothekerlaufbahn und Erfindung der künstlichen Mineralwässer
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 Von Neustadt nach Dresden
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Als Landarzt leidet Struve selbst an erheblichen gesundheitlichen Problemen: Ein Sturz vom Pferd und Erfrierungen am Fuß sind dokumentiert.[12](#fn-12) 1806 übergibt er die väterliche Stadtapotheke an den Neustadtädter Apotheker Christian Ferdinand Fritzsche, der im darauf folgenden Jahr 1807 Struves Schwester heiraten und damit nachträglich sein Schwager werden wird; Fritzsche ist zugleich der Vater des späteren Chemikers Carl Julius Fritzsche.[13](#fn-13)

Bereits 1805 hatte Struve nach Dresden übersiedelt und dort einen Anteil an der Salomonis-Apotheke am Neumarkt übernommen, die nach dem Tod des Eigentümers Samuel Immanuel Bredemann vakant geworden war – dem Onkel seiner ersten Frau Karoline Friederike, geborene Bredemann (†1807).[14](#fn-14) Den zweiten Apothekenanteil, der dem Apotheker Johann Friedrich Beythayn gehörte, kauft Struve um das Jahr 1810 hinzu und wird damit Alleineigentümer.[15](#fn-15) 1807 wird er vom Rat der Stadt Dresden förmlich auf seine Pflichten als Apotheker vereidigt.[16](#fn-16)

Karoline Friederike Struve stirbt 1807, zwei Jahre nach der Eheschließung. In zweiter Ehe heiratet Struve 1808 Amalie Sophie, geborene Dietze (1785–1860), Tochter des Mittweidaer Kaufmanns, Bürgermeisters und Stadtrichters Christian Gottlob Dietze.[17](#fn-17) Aus dieser Verbindung gehen zwei Söhne und vier Töchter hervor.[18](#fn-18)

In Dresden gibt Struve die ärztliche Praxis auf und widmet sich fortan ausschließlich technisch-naturwissenschaftlichen Arbeiten neben der Apothekerleitung.[19](#fn-19)

 Die Blausäure-Vergiftung und die Heilwasserforschung
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Im Jahr 1808 erleidet Struve bei Laborexperimenten zur Herstellung von Blausäure (Cyanwasserstoff, HCN) einen schweren Arbeitsunfall mit anhaltenden gesundheitlichen Folgen.[20](#fn-20) Eine Besserung tritt erst durch eine fünfwöchige Trink- und Badekur mit dem kohlensäure- und schwefelwasserstoffhaltigen Wasser des Marienbrunnens in Marienbad ein.[21](#fn-21)

Dieses Erlebnis gibt den wissenschaftlichen Anstoß: Struve stellt systematisch fest, dass sowohl am Quellort abgefülltes und nach Dresden transportiertes Originalwasser als auch die bereits im Handel befindlichen künstlichen Heilwässer anderer Hersteller eine deutlich geringere medizinische Wirkung aufweisen als das Wasser direkt an der Quelle. Er identifiziert die Ursachen: Unsauberkeit beim Abfüllen, Ausfällungen von Mineralstoffen, Oxidation und Verdunstung gasförmiger Anteile.[22](#fn-22) Daraus erwächst sein Ziel, selbst Heilwässer herzustellen – nicht als grobe Nachbildung, sondern als chemisch präzises Äquivalent der natürlichen Quellen einschließlich ihrer Spurenbestandteile sowie der spezifischen Druck- und Temperaturverhältnisse ihres Entstehungsorts.[23](#fn-23)

 Zusammenarbeit mit Blochmann und die erste Mineralwasseranstalt
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Für die technische Umsetzung im Großmaßstab kooperiert Struve mit Rudolf Sigismund Blochmann (1784–1871), Gründer der ersten sächsischen Gasanstalt und mit der Dresdner Technischen Bildungsanstalt verbunden. Blochmann konstruiert und baut die erforderlichen Apparate zur Herstellung der unter Kohlendioxiddruck versetzten Mineralwässer.[24](#fn-24) Das technische Grundprinzip besteht darin, schwer lösliche mineralische Verbindungen unter erhöhtem Druck in kohlensäurehaltigem Wasser in Lösung zu bringen – ein Verfahren, das Geschmack, Geruch, spezifisches Gewicht und das natürliche Verhalten der Gasblasen der Originalquellen nachahmt.[25](#fn-25)

Nach rund zehnjährigen Versuchen eröffnet Struve im Juni 1821 in der Großen Oberseergasse 21 in Dresdens Seevorstadt die *Königlich Sächsische concessionierte Mineralwasseranstalt*, bestehend aus Fabrik und dem angegliederten *Struveschen Gesundheitsgarten* an der späteren Prager Straße 18.[26](#fn-26) Grundlage ist ein am 12. Mai 1821 erteiltes ausschließliches Privileg König Friedrich Augusts I. von Sachsen, das Struve das Monopol zur Herstellung künstlicher Mineralwässer für zehn Jahre sichert.[27](#fn-27) Das Privileg wird 1831, 1841 und 1851 jeweils um zehn weitere Jahre verlängert; der Originalschriftverkehr liegt im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden.[28](#fn-28)

 Europäische Expansion
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Der Dresdner Erfolg motiviert Struve zur raschen Expansion. 1822 entsteht eine Anstalt in Leipzig im Gerhardschen Garten (heute: Goerdelerring).[\[29\]](#fn-29) 1823 folgt Berlin, gemeinsam mit dem Apotheker Conrad Heinrich Soltmann, an der Husarenstraße nördlich des Halleschen Tores; Preußen erteilt beiden ein zehnjähriges Patent auf die verwendeten Vorrichtungen und Verfahren.[\[30\]](#fn-30) König Friedrich Wilhelm III. von Preußen besichtigt die neue Anstalt am 1. Juli 1823, einen Tag vor der öffentlichen Eröffnung am 2. Juli.[\[31\]](#fn-31) Alexander von Humboldt (1769–1859) gehört zu den ersten Gästen.[\[32\]](#fn-32)

1825 reist Struve nach England und gründet in Brighton \[heute: Großbritannien\] das *Royal German Spa*. Als Geschäftspartner und Patentvertreter vor Ort fungiert der Kaufmann Edward Schmidt Swaine.[\[33\]](#fn-33)

1832 folgt St. Petersburg \[heute: Russland\]; ab 1834 übernimmt Struves Neffe Carl Julius Fritzsche die Leitung dieser Anstalt, die auch vom Zarenehepaar genutzt wird. Fritzsche wird 1838 zum Adjunkten der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften gewählt und nimmt 1842 an einer Expedition in den Kaukasus teil, um die dortigen Mineralwässer zu analysieren.[\[34\]](#fn-34) Weitere Niederlassungen entstehen in Moskau, Warschau \[heute: Polen\], Kiew \[heute: Kyjiv, Ukraine\], Odessa \[heute: Ukraine\], Riga \[heute: Lettland\], Königsberg \[heute: Kaliningrad, Russland\], Breslau \[heute: Wrocław, Polen\], Köln (1842), Hannover und Lauchstädt \[heute: Bad Lauchstädt, Deutschland\].[\[35\]](#fn-35) Alle auswärtigen Anstalten leiten Schüler und Mitarbeiter Struves.[\[36\]](#fn-36) Der englische Chemiker und Physiker Michael Faraday (1791–1867) analysiert in London Struves künstliche Nachbildung des Karlsbader Wassers und teilt Struve schriftlich mit, er könne öffentlich aussprechen, dass das Ergebnis vollständig mit demjenigen übereinstimme, das Berzelius bei der Analyse der natürlichen Karlsbader Quellen gefunden habe.[\[37\]](#fn-37) Die Bemühungen Struves, auch in Frankreich Trinkheilanstalten zu errichten, scheitern.[\[38\]](#fn-38)

Die Patentierung des Verfahrens selbst gelingt erst 1841 – nach Struves Tod – seinem Sohn Gustav Adolph, zunächst für zehn Jahre, verlängert 1850 um weitere zehn.[\[39\]](#fn-39)

 Wissenschaftliche Kontakte und geochemische Studien
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Ab 1826 wendet sich Struve verstärkt der geologischen und geochemischen Grundlagenforschung zu. Er entwickelt die Theorie, dass Kohlendioxid aus dem Erdinneren mineralische Verbindungen aus vulkanischen Gesteinen herauslöst und so die charakteristische Zusammensetzung der Heilquellen erzeugt.[40](#fn-40) Er steht in wissenschaftlichem Austausch mit Alexander von Humboldt (1769–1859), Jöns Jacob Berzelius (1779–1848) und Karl Gustav Bischof (1792–1870).[41](#fn-41)

 Rolle im Zeitalter Napoleons
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Struves prägende Jahre als Schüler, Student und junger Arzt fallen vollständig in die Epoche der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege. Die Kontinentalsperre [Napoleons](https://www.epoche-napoleon.net/bio/b/bonaparte.html "Bonaparte, Napoléon") (1806) und der Einmarsch des französischen Kaisers in Dresden im selben Jahr verwandeln das Kurfürstentum Sachsen in ein Königreich; Friedrich August III. wird als Friedrich August I. zum König – und damit zum späteren Privilegiengeber Struves.[42](#fn-42)

Die Auswirkungen der Kriegswirtschaft reichen bis in Struves Dresdner Apothekerlabor: Um 1812 versucht er, aus Kartoffeln Zucker herzustellen, um den durch die Kontinentalsperre verteuerten Rohrzucker zu ersetzen. Der Maler Wilhelm von Kügelgen (1802-1867) berichtet in seinem Abschnitt »Von den kleineren Größen« der »Jugenderinnerungen eines alten Mannes«, dass Struve eines Abends ein Probeexemplar seines Kartoffelzuckers mitbringt: »Alle waren sehr befriedigt und nicht weniger verwundert, wie es möglich gewesen, der herben Knolle eine solche, wenn auch etwas brenzlige Süßigkeit zu entlocken.«[ 43](#fn-43) Der Arbeit ist kein dauerhafter Erfolg beschieden. Auch künstlichen Essig soll Struve in dieser Zeit hergestellt und vertrieben haben.[44](#fn-44)

Die militärischen Katastrophen Sachsens vertiefen den historischen Kontext: Von den 20.000 sächsischen Soldaten, die im Russlandfeldzug 1812 teilnehmen, kehren nur rund 1.000 zurück. Königs Friedrich August I. wird von Oktober 1813 bis Februar 1815 in Preußen gefangen gehalten; Sachsen steht unter preußisch-russischer Generalgouvernance. Der Wiener Kongress 1815 kostet Sachsen rund die Hälfte seines Territoriums und seiner Bevölkerung.[45](#fn-45) Die Gründung der Struveschen Mineralwasseranstalten ab 1821 fällt damit genau in die Phase, in der Sachsen aus der politischen Bedeutungslosigkeit in eine industrielle und wirtschaftliche Dynamik findet.

 Politische Tätigkeit und kommunales Engagement
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Die Dresdner Unruhen vom 9. September 1830, ausgelöst durch das Übergreifen der Pariser Julirevolution auf Deutschland, motivieren Struve zur aktiven politischen Beteiligung: Er schließt sich sofort den Kommunalgarden an und gehört zu den 66 Communerepräsentanten, die auf dem Altmarkt in ihre Funktion eingeführt werden.[46](#fn-46) Im Dezember 1830 tritt er dem neu gegründeten Dresdner Bürgerverein bei, der jedoch im April 1831 als »politischer Verein« wieder verboten wird.[47](#fn-47) Im April 1831 gehört er zu den sieben Unterzeichnern der »Adresse der Bürgerschaft zu Altstadt Dresden*«*, in der die Bürger unter anderem die Verbesserung des Armenwesens, Steuererleichterungen, Zollgesetze zum Schutz der einheimischen Wirtschaft, Pressefreiheit und eine verbesserte Stadtverfassung fordern.[48](#fn-48)

Seit 1833 gehört Struve der Dresdner Kommunerepräsentation an. Im Sächsischen Landtag ist er von 1833 bis 1837 stellvertretender Abgeordneter der Stadt Dresden in der II. Kammer; ab 1837 nimmt er das Mandat als ordentlicher Abgeordneter wahr, bis zu seinem Tod 1840.[49](#fn-49) Schwerpunkte seines kommunalpolitischen Wirkens sind die Verbesserung der Armenpflege, die Einrichtung eines Waisen- und Armenhauses sowie konkrete Planvorlagen für ein städtisches Krankenhaus.[50](#fn-50)

Für seine Verdienste verleiht ihm König Friedrich August I. von Sachsen 1823 den Königlich-Sächsischen Zivilverdienstorden.[51](#fn-51)

 Persönlichkeit und zeitgenössische Beurteilung
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Zeitgenössische Urteile über Struve sind quellenbedingt spärlich, aber aufschlussreich. Der Maler Wilhelm von Kügelgen schildert in seinem Abschnitt »Von den kleineren Größen« der »Jugenderinnerungen eines alten Mannes«, die im Jahre 1870 postum erschienen sind, seine Begegnung mit dem »durch seine Erfindung künstlicher Mineralwasser sehr bekannt gewordene\[n\] Apotheker Dr. Struve« im Haus seiner Eltern, wo um 1812 viele Gelehrte und literarische Freunde ein- und ausgingen.[52](#fn-52)

Ab 1830 verschlechtert sich Struves Gesundheit zunehmend: Er leidet an einem chronischen Blasenleiden und erleidet mehrere Schlaganfälle – beides beschreibt möglicherweise verschiedene Ebenen derselben Krankengeschichte, nämlich eine langjährige Grunderkrankung einerseits und die unmittelbar zum Tod führenden Ereignisse andererseits.[53](#fn-53) Zugleich muss er den Tod zweier Kinder verkraften – der Tochter Clara und des Sohnes Alexander.[54](#fn-54)

 Tod, Nachlass und historische Bedeutung
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Friedrich Adolph August Struve stirbt am 29. September 1840 in Berlin während eines Besuchs bei seiner jüngsten Tochter Maria Theresia, verheiratet mit dem Berliner Arzt Friedrich Wilhelm August Vetter. Die Familie Vetter wohnt 1840 in der Oranienburger Straße 68; dieses Haus gilt als wahrscheinliches Sterbehaus.[55](#fn-55) Struve wird auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden beigesetzt; das Familiengrabmal besteht noch heute.[56](#fn-56)

Vetter gibt Struves wissenschaftlichen Nachlass heraus: Die »Annalen der Struve’schen Brunnenanstalten« (1841) enthalten Abhandlungen zur Entstehung der Mineralwässer durch Gesteinsauslaugung, zu Bestandteilsveränderungen bei der Lagerung sowie zum Jod-, Brom- und Eisengehalt verschiedener Quellen.[57](#fn-57)

Das unternehmerische Erbe übernimmt Sohn Gustav Adolph Struve (1812–1889), der nach dem Abitur an der Dresdner Kreuzschule 1833–1835 in Berlin Chemie studiert und bei Eilhard Mitscherlich über »Silicium in vielen Pflanzen« promoviert.[58](#fn-58) Er führt Mineralwasseranstalt und Salomonisapotheke weiter; letztere verkauft er 1856 an den Apotheker Albin Richter aus Neustadt.[59](#fn-59) Theodor Fontane (1819–1898), der 1842–1843 als Apothekergehilfe in der Dresdner Salomonisapotheke tätig ist – zwei Jahre nach Struves Tod –, überliefert das bekannte Urteil über das fortgeführte Unternehmen: »Struve galt für die absolute Nummer eins in Deutschland, ich möchte fast sagen in der Welt, und verdiente diesen Ruf auch.«[60](#fn-60)

Die nach Struve benannte Struvestraße entsteht 1846 an seinem ehemaligen Gartengrundstück in Dresden.[61](#fn-61) Der Gesundheitsgarten wird um 1870 aufgegeben; die Produktionsstätte auf der Struvestraße und das Familienarchiv werden in der Bombennacht vom 13. Februar 1945 vollständig zerstört.[62](#fn-62) Die Produktion von Tafelwasser, Sodawasser und Limonaden wird mit teilweise geborgenen Maschinen auf dem Gelände der Waffelfabrik Gebrüder Hörmann in der Sternstraße 35 fortgesetzt und endet 1969.[63](#fn-63)

Struves Bedeutung liegt auf mehreren Ebenen: Naturwissenschaftlich entwickelt er eine Theorie der Mineralwasserentstehung durch Kohlendioxidauslaugung. Technisch schafft er – in Zusammenarbeit mit Blochmann – ein reproduzierbares Industrieverfahren, das Mineralwasserkuren ohne kostspielige Kurreise zugänglich macht. Unternehmerisch gründet er das erste transnationale Netzwerk von Trinkheilanstalten. Gesellschaftlich verbindet er naturwissenschaftliches Bürgertum mit kommunalpolitischem Reformengagement. Die Neue Deutsche Biographie bezeichnet ihn als »Begründer der modernen Mineralwasser-Industrie« und als Vertreter der ersten Generation, die wissenschaftliche Methoden systematisch für wirtschaftliche Interessen nutzbar macht.[64](#fn-64)

 Quellen und Literatur
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 Primärquellen (gedruckt)
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- Struve, Friedrich Adolph August: *Remarks on an institution for the preparation and use of artificial mineral waters in Great Britain*, London 1823.
- Struve, Friedrich Adolph August: *Über die Nachbildung der natürlichen Heilquellen*, 2 Hefte, Dresden/Leipzig 1824–1826.
- Struve, Friedrich Adolph August: „Bemerkungen über einige gegen seine künstlichen Mineralwässer gemachte Einwürfe“, in: *Journal der praktischen Heilkunde*, hg. von C. W. Hufeland, 1829.
- Struve, Friedrich Adolph August: *Beschreibung zweier Vorrichtungen zu Dampfbädern*, Dresden 1831.
- Vetter, Friedrich Wilhelm August (Hg.): *Annalen der Struve’schen Brunnenanstalten*, 1841.

 Sekundärliteratur
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- Brandes, R.: \[Nachruf\], in: *Archiv für Pharmacie* 27, Reihe 2, 1841, S. 1–12.
- Richter, Hermann Eberhard: *Zur Jubelfeier der Struve’schen Mineralwasser-Anstalten*, Dresden 1871.
- Kügelgen, Wilhelm von: *Jugenderinnerungen eines alten Mannes*, Berlin 1870, Abschnitt „Von den kleineren Größen“.
- Adamek, H.: *Leben und Werk von Friedrich Adolph August Struve*, Diss. Dresden 1969.
- Forberger, Rudolf: *Die Industrielle Revolution in Sachsen 1800–1861*, 2 Bde., Berlin/Leipzig 1982–2003.
- Kiefer, Klaus (Hg.): *Mineralwässer. Der Beitrag deutscher Apotheker zur Erforschung von Mineralquellen und zur Herstellung künstlicher Mineralwässer*, Eschborn 1999, S. 150–188.
- Matzerath, Josef: *Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte – Präsidenten und Abgeordnete von 1833 bis 1952*, Dresden 2001, S. 130.
- Grosse, Ingrid: „Friedrich Adolph August Struve (1781–1840), ein sächsischer Wissenschaftler, Erfinder, Politiker“, in: *Sächsische Heimatblätter* 56 (2010), H. 2, S. 109–120.

 Online-Ressourcen
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- Sorms, Bernhard: „Struve, Friedrich Adolf August“, in: *Neue Deutsche Biographie* 25 (2013), S. 603–604. URL: [https://www.deutsche-biographie.de/gnd117350176.html](https://www.deutsche-biographie.de/gnd117350176.html#ndbcontent) \[28.06.2026\].
- Pagel, Julius Leopold: „Struve, Friedrich Adolf August“, in: *Allgemeine Deutsche Biographie* 36 (1893), S. 676–677. URL: [https://www.deutsche-biographie.de/gnd117350176.html](https://www.deutsche-biographie.de/gnd117350176.html#adbcontent) \[28.06.2026\].
- Eigenwill, Gudrun: „Friedrich Adolph August Struve“, in: *Sächsische Biografie*, ISGV, 22.12.2016. URL: [https://saebi.isgv.de/biografie/Friedrich\_Adolph\_August\_Struve\_(1781-1840)](https://saebi.isgv.de/biografie/Friedrich_Adolph_August_Struve_(1781-1840)) \[28.06.2026\].
- Grosse, Ingrid: Volltext-Auszug aus *Sächsische Heimatblätter* 56 (2010), H. 2. In: GenWiki. URL: [https://wiki.genealogy.net/Friedrich\_Struve](https://wiki.genealogy.net/Friedrich_Struve) \[28.06.2026\].

1. Grosse 2010: Ernst Gotthold Struve folgte als Leibarzt Herzog Karl Peter Ulrichs um 1740 nach St. Petersburg, wo er 1743 starb. [↩](#fnref-1)
2. Grosse 2010: Witwe Charlotta Magdalena kehrte mit Sohn Ernst Friedrich nach Deutschland zurück. [↩](#fnref-2)
3. Grosse 2010; Sorms 2013 (NDB), S. 603. Sterbemonat Oktober 1806 nach Grosse 2010. [↩](#fnref-3)
4. Sorms 2013 (NDB), S. 603; Pagel 1893 (ADB), S. 676; Eigenwill 2016; Grosse 2010: übereinstimmend. [↩](#fnref-4)
5. Grosse 2010: „Neustadt war damals eine kleine Stadt mit etwa 1300 Einwohnern.“ [↩](#fnref-5)
6. Grosse 2010: Privatunterricht wegen unzureichender Ortsschule. [↩](#fnref-6)
7. Grosse 2010: St. Afra Mai 1794 bis März 1799; Sorms 2013 (NDB), S. 603 bestätigt. [↩](#fnref-7)
8. Sorms 2013 (NDB), S. 603; Grosse 2010 (Afraner-Album). [↩](#fnref-8)
9. Grosse 2010 (deutsche Übersetzung des Dissertationstitels). Ploucquets Verfahren erschien 1782; es unterscheidet sich von der klassischen Lungenschwimmprobe (hydrostatische Probe nach Schreyer). [↩](#fnref-9)
10. Sorms 2013 (NDB), S. 603; Eigenwill 2016; Grosse 2010. [↩](#fnref-10)
11. Grosse 2010. [↩](#fnref-11)
12. Grosse 2010: Sturz vom Pferd und Erfrierungen am Fuß dokumentiert. [↩](#fnref-12)
13. Grosse 2010. Zum Zeitpunkt der Apothekenübergabe (1806) war Fritzsche noch nicht Struves Schwager; die Heirat mit Struves Schwester erfolgte erst 1807. [↩](#fnref-13)
14. Grosse 2010; Sorms 2013 (NDB), S. 603. [↩](#fnref-14)
15. Grosse 2010: Kauf Beythayn-Anteil ca. 1810. [↩](#fnref-15)
16. Grosse 2010: Apothekereid 1807. [↩](#fnref-16)
17. Sorms 2013 (NDB), S. 603; Grosse 2010. Heiratsjahr 1808 nach Sorms 2013. [↩](#fnref-17)
18. Grosse 2010: 2 Söhne, 4 Töchter. [↩](#fnref-18)
19. Eigenwill 2016. [↩](#fnref-19)
20. Grosse 2010; Pagel 1893 (ADB), S. 676; Eigenwill 2016: übereinstimmend 1808. [↩](#fnref-20)
21. Grosse 2010: fünfwöchige Kur am Marienbrunnen. [↩](#fnref-21)
22. Grosse 2010: Unsauberkeit, Ausfällungen, Oxidation, Verdunstung. [↩](#fnref-22)
23. Sorms 2013 (NDB), S. 603: Spurenstoffe, Druck- und Temperaturverhältnisse. [↩](#fnref-23)
24. Sorms 2013 (NDB), S. 603; Eigenwill 2016. [↩](#fnref-24)
25. Eigenwill 2016. [↩](#fnref-25)
26. Grosse 2010: Eröffnung Juni 1821, Große Oberseergasse 21, Gesundheitsgarten Prager Straße 18. [↩](#fnref-26)
27. Grosse 2010: Privileg 12. Mai 1821. [↩](#fnref-27)
28. Grosse 2010: Verlängerungen 1831, 1841, 1851; Schriftverkehr im Sächsischen Hauptstaatsarchiv. [↩](#fnref-28)
29. Grosse 2010: Leipzig 1822, Gerhardscher Garten. [↩](#fnref-29)
30. Grosse 2010; Sorms 2013 (NDB), S. 603; Pagel 1893 (ADB), S. 676. [↩](#fnref-30)
31. Prüfbericht Second Opinion, 28.06.2026: Friedrich Wilhelm III. besichtigte die Anstalt am 1. Juli 1823; öffentliche Eröffnung: 2. Juli 1823. [↩](#fnref-31)
32. Grosse 2010. [↩](#fnref-32)
33. Prüfbericht Second Opinion, 28.06.2026: britisch belegte Form „Edward Schmidt Swaine“; Kaufmann und Geschäftspartner. Pagel 1893 (ADB), S. 676. [↩](#fnref-33)
34. Grosse 2010; Second Opinion: Übersiedlung Russland 1834, Akademie 1838 Adjunkt, Kaukasus 1842. [↩](#fnref-34)
35. Grosse 2010. [↩](#fnref-35)
36. Pagel 1893 (ADB), S. 676. [↩](#fnref-36)
37. Struve, Friedrich Adolph August: *Über die Nachbildung der natürlichen Heilquellen*, Heft 2, Dresden/Leipzig 1826, S. 2: „In London erwies Herr Faraday meiner Nachbildung von Carlsbad die hier einer strengeren Untersuchung, und erlaubte mir es öffentlich auszusprechen, daß das Resultat derselben gänz mit demjenigen übereinstimme, das Berzelius bei der Analyse der natürlichen Wasser von Carlsbad gefunden hatte.“ Eigenwill 2016 bestätigt allgemein. Primärbeleg gesichert. [↩](#fnref-37)
38. Grosse 2010. [↩](#fnref-38)
39. Eigenwill 2016. [↩](#fnref-39)
40. Sorms 2013 (NDB), S. 603–604. [↩](#fnref-40)
41. Sorms 2013 (NDB), S. 604. Berzelius: \*20. August 1779 Väversunda; 07. August 1848 Stockholm. Die NDB-Druckfassung nennt irrtümlich „1879“ als Geburtsjahr; im Text korrigiert. [↩](#fnref-41)
42. Grosse 2010. [↩](#fnref-42)
43. Kügelgen, Wilhelm von: *Jugenderinnerungen eines alten Mannes*. Berlin 1870, Abschnitt „Von den kleineren Größen“ \[S. 119 der Erstausgabe – Seitenangabe per Scan zu bestätigen\]. Zitat verifiziert (Second Opinion, 28.06.2026). [↩](#fnref-43)
44. Grosse 2010. [↩](#fnref-44)
45. Grosse 2010. [↩](#fnref-45)
46. Grosse 2010: 66 Communerepräsentanten auf dem Altmarkt. [↩](#fnref-46)
47. Grosse 2010: Bürgerverein Dezember 1830, Verbot April 1831. [↩](#fnref-47)
48. Grosse 2010: sieben Unterzeichner der Adresse, Petitionsinhalte. [↩](#fnref-48)
49. Grosse 2010; Sorms 2013 (NDB), S. 604; Matzerath, Josef: *Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte*. Dresden 2001, S. 130: 1833–1837 stellvertretender Abgeordneter, ab 1837 ordentlicher Abgeordneter der Stadt Dresden. [↩](#fnref-49)
50. Sorms 2013 (NDB), S. 604; Eigenwill 2016. [↩](#fnref-50)
51. Eigenwill 2016; Matzerath 2001, S. 130: „wurde er 1823 vom sächsischen König zum Ritter des Königlich-Sächsischen Civilordens ernannt.“ [↩](#fnref-51)
52. Kügelgen, Wilhelm von: *Jugenderinnerungen eines alten Mannes*. Berlin 1870, Abschnitt „Von den kleineren Größen“ \[S. 119, Erstausgabe – per Scan zu bestätigen\]. Zitat verifiziert (Second Opinion, 28.06.2026): „durch seine Erfindung künstlicher Mineralwasser sehr bekannt gewordene\[n\] Apotheker Dr. Struve.“ [↩](#fnref-52)
53. Pagel 1893 (ADB), S. 677: Blasenleiden; Grosse 2010: Schlaganfälle. Beide Angaben beschreiben möglicherweise komplementäre Ebenen der Krankengeschichte. [↩](#fnref-53)
54. Grosse 2010. [↩](#fnref-54)
55. Grosse 2010: Sterbeort Berlin, Oranienburger Straße 68. Vorname der Tochter: Maria Theresia (verh. Vetter) nach Matzerath 2001, S. 130. [↩](#fnref-55)
56. Grosse 2010: Trinitatisfriedhof, Grabmal vorhanden. [↩](#fnref-56)
57. Pagel 1893 (ADB), S. 677. [↩](#fnref-57)
58. Grosse 2010. [↩](#fnref-58)
59. Grosse 2010. [↩](#fnref-59)
60. Grosse 2010. Fontane arbeitete 1842/43 in der Apotheke unter Gustav Adolph Struve, zwei Jahre nach Friedrich Struves Tod. [↩](#fnref-60)
61. Grosse 2010. [↩](#fnref-61)
62. Grosse 2010: Bombennacht 13. Februar 1945. [↩](#fnref-62)
63. Grosse 2010: Produktion Sternstraße 35, Ende 1969. [↩](#fnref-63)
64. Sorms 2013 (NDB), S. 604. [↩](#fnref-64)