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title: "Franz Abart | EPOCHE NAPOLEON"
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description: Franz Abart (1769-1863) war ein Schweizer Bildhauer, der sich überwiegend mit Holzkruzifixen sowie mit Heiligen-Darstellungen und der Anfertigung von Skulpturen Schweizer Nationalhelden einen Namen machte.
author: Michael Gnessner
date: 2012-05-05
modified: 2026-06-07
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# Franz Abart | EPOCHE NAPOLEON

Franz Abart
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*\* 22.12.1769 in Schlinig/Vinschgau*
*† 10.09.1863 in Kerns*

Franz Christian Abart war ein südtiroler Bildhauer, der sich nach seiner Flucht vor der Französischen Revolution in Obwalden eine zweite Heimat schuf und hier für mehr als 70 Jahre künstlerisch wirkte. Seine klassizistischen Werke – prächtige Kirchenausstattungen, innige Kleinplastiken und monumentale Skulpturen – prägen bis heute das Kunstschaffen der Innerschweiz. Von der Stiftskirche Einsiedeln bis zu den Granitbären vor dem Historischen Museum Bern dokumentiert sein Erbe eine bemerkenswerte künstlerische Laufbahn im ländlichen Raum, die trotz lokaler Beschränkung europäischen Rang erreichte.

 Herkunft und frühe Jahre
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Franz Christian Abart erblickt am 22. Dezember 1769 in Schlinig \[auch: Schieins; heute: Italien/Südtirol/Vinschgau\] das Licht der Welt. Er wächst als Sohn des Landwirts Ignaz Abart und seiner Gattin Anne Marie, geb. Imfeld, in einem kleinbürgerlich-handwerklichen Umfeld auf. Die Schliniger Bildhauer Pöder – einer der bedeutendsten unter ihnen – erkennen früh Abarts künstlerische Begabung und bilden den jungen Mann im Holzbildhauerhandwerk aus. Wie es seinerzeit für die Ausbildung zum Handwerker üblich war, unternimmt Abart ab dem 14. Lebensjahr Wanderjahre. Diese führen ihn ins Elsass, wo er sich in Straßburg niederließ und bis zum Ausbruch der Französischen Revolution tätig ist. Der Künstler arbeitet zunächst als Geselle in der elsässischen Kunstmetropole und sammelt dabei prägende Eindrücke der französischen Kunstszene des 18. Jahrhunderts.[1](#fn1)

 Flucht vor der Revolution und Umorientierung in der Schweiz
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Als die Wirren der Französischen Revolution Frankreich erschüttern – im Jahre 1789 –, flieht Abart aus Straßburg. Zunächst weicht er nach Zug in die Schweiz aus. Im Jahre 1790 ergreift er die Gelegenheit und tritt eine Stelle beim angesehenen Schweizer Bildhauer Balthasar Durrer (1762–1841), genannt »Balz Dürrer«, in Sarnen an – eine Entscheidung, die sein ganzes Leben prägen sollte. Diese Anstellung behält Abart bemerkenswert lange: volle 38 Jahre lang, von 1790 bis 1828, arbeitet er in Durrers Werkstatt und erlernt dabei die Schweizer Bildhauer- und Kunsttradition gründlich.

In dieser Zeit konzentriert sich Abart vorrangig auf Holzbildhauerei, das traditionelle Material Obwaldens. Die Zusammenarbeit mit dem renommierten Durrer ermöglicht ihm, bedeutende kirchliche Aufträge zu realisieren und sein handwerkliches Können zu vervollkommnen. Eine Zeit lang fühlt sich Abart seinem neuen Meister jedoch überlegen und drängt nach Selbständigkeit. Im «Schärpfi», einem Haus in Kerns, eröffnet er seine eigene Werkstatt und erhält bald größere Aufträge, besonders für Luzern, die seinem Talent Bestätigung bringen.[2](#fn2)

 Durchbruch und Anerkennung: Die Goldmedaille von 1810
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Der Wendepunkt in Abarts Karriere kommt im Jahre 1810. Bei der Berner Kunst- und Industrieausstellung präsentiert er geschnitzte Holzstatuen mit klassizistischer Prägung: darunter ein Kruzifix – jenes Thema des leidenden Heilands am Kreuz, das fortan sein bevorzugtes Motiv bleiben wird – sowie einen *Winkelried als Drachentöter*, bezeichnend für seine vielen Arbeiten zu Schweizer Nationalhelden und zur Vergangenheit seiner zweiten Heimat. Die Jury würdigt seine naturgetreue und detailreiche Arbeit mit der Goldmedaille für Skulptur – eine Auszeichnung von großer Bedeutung. Diese Ehrung trägt seinen Namen über die Grenzen Obwaldens hinaus in weite Teile der Schweiz und wird ihm bald Aufträge für die Stadt Bern eintragen.

Im gleichen Jahr 1810 erkennt die Obwalder Regierung Abarts Wirken an und nimmt ihn als Hintersässe auf – das Wohn- und Aufenthaltsrecht für Ausländer in Obwalden. Dies ist ein wichtiger Schritt zur rechtlichen Verankerung des südtiroler Künstlers im neuen Heimatland. Elf Jahre später erfolgt eine weitere Anerkennung: Bei der Landsgemeinde von 1821 verleih ihm Obwalden das *Obwalder Landrecht* – die volle Bürgerschaft. Als Einkaufssumme verpflichtet sich Abart, «drei Kunststücke aus Marmor im ungefähren Wert von 150 Louisdor» an das Rathaus zu liefern. Die drei »Alabasterreliefs mit Szenen aus der Obwalder Geschichte« werden bis 1822 vollendet und in den neu eingerichteten Regierungsratssaal aufgestellt. Heute befinden sie sich als Leihgabe des Kantons im Heimatmuseum Obwalden.[3](#fn3)

 Familie und persönliche Verhältnisse
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Erst spät, mit 57 Jahren, entschließt sich Franz Abart, einen eigenen Hausstand zu gründen. Im Jahre 1826 heiratet er Anna Maria Imfeld, die Tochter des Landammanns Nikolaus Imfeld aus Sarnen. Doch diese Ehe wird kurz und offenbar nicht sehr glücklich. Schon nach zwei Jahren verliert Abart durch den Tod seine junge Frau und das einzige Söhnchen – ein doppelter Schlag, der ihm großes Leid bringt. Kurz darauf verschärft sich seine Lage durch den finanziellen Zusammenbruch seines Schwiegervaters, dem Abart Bürgschaft geleistet hat und der ihn dadurch fast zum armen Mann macht. Schwer getroffen, aber nicht verbittert, zieht sich Abart nach dieser tragischen Episode zurück. Diese persönliche Krisis markiert einen Wendepunkt: Der Künstler verlässt Sarnen und konzentriert sich fortan ganz auf seine künstlerische Arbeit in Obwalden.[4](#fn4)

 Etablissement als unabhängiger Künstler: Kerns ab 1828
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Im Jahre 1828 vollendet sich für Abart eine Etappe. Nach fast vier Jahrzehnten als Angestellter in Durrers Werkstatt macht sich der Künstler endgültig selbstständig. Er verlässt Sarnen und lässt sich im Kernser Ortsteil St. Niklausen nieder – hier verbringt er die letzten 35 Jahre seines Lebens, schafft still und unermüdlich.

In seiner Werkstatt in St. Niklausen wirken bald bedeutende Schüler. Der prominenteste ist der spätere Uri-Bildhauer Heinrich Max Imhof (1795–1869), der nach kurzer Lehrzeit in Kerns zu Bertel Thorvaldsen nach Rom zieht und sich dort einen bedeutenden Namen als Bildhauer schafft. Ein weiterer Schüler ist Josef Maria Ettlin, der Kernser Sohn eines tüchtigen Möbelschreiners. Abart überraschte ihn einmal bei der Arbeit an Schnitzereien und forderte ihn auf, in die Werkstatt zu kommen, damit er «nicht nur Mattenblumen, sondern auch Köpfe zeichnen lerne». Volle zehn Jahre arbeitet der junge Ettlin unter Abart, und sein Werk wird später so sehr von der Art des Lehrmeisters geprägt, dass eine Zuschreibung an Lehrer oder Schüler oft schwierig ist. Abart hat seine Arbeiten lebenslang nie signiert, was schon zu allerhand Verwirrungen geführt hat. Unter seinen Schülern waren auch Kopisten wie der «Dallenwyl-Maria» Odermatt, sowie Franz Kaiser aus Stans, der vielfach nach Abart-Modellen arbeitete.[5](#fn5)

 Künstlerische Ausrichtung: Der Klassizismus und das Erbe Canovas
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Abart ist dem europäischen Klassizismus verbunden – jener Kunstbewegung, die sich gegen die Üppigkeit des Barock und die Verspielung des Rokoko wendet und zur strengen, antiken Schönheit zurückkehrt. Dabei nimmt das Werk des venetianischen Meisters Antonio Canova (1757–1822) großen Einfluss auf seine künstlerische Haltung. Canovas idealisierte Figuren, die glatte Oberfläche und die harmonischen Proportionen wirken sich auf Abarts Schaffen aus.

Charakteristisch für Abarts Klassizismus ist die »naturgetreue und detailreiche anatomische Genauigkeit« seiner Figuren. Wo andere Klassizisten zuweilen in Kälte verfallen, wahrt Abart menschliche Wärme: Seine Heiligenfiguren atmen Leben. Die Gewandfalten sind präzise gesetzt, die Gesichtsausdrücke ausdrucksstark, die Körperhaltungen folgen dem klassischen *Kontrapost* – jene elegante Asymmetrie der Körperspannung, die bereits die Griechen kannten.

Besonders ausdrucksvoll ist Abarts Umgang mit dem »klassischen Kontrapost«. In seinen Figuren der Heiligen Meinrad, Adelrich, Konrad und Benno – alle in der Stiftskirche Einsiedeln – zeigt sich diese ausgereifte formale Sprache. Die Figuren stehen nicht starr nebeneinander, sondern sind in fein abgestimmte Bewegungsabläufe versetzt.

###  Hauptwerke und kirchliche Aufträge: Zwischen Tradition und Innovation

Abarts Lebenswerk konzentriert sich auf zwei Bereiche: die groß dimensionierten Kirchenausstattungen und die kleinformatigen Plastiken für Sammler und Andächtige.

###  Kirchliche Großaufträge

In die folgenden zwei Dekaden des 19. Jahrhunderts fallen Abarts repräsentativste Werke. Dabei handelt es sich um eine Serie bedeutender kirchlicher Aufträge, die seine künstlerische Reife dokumentieren:

Der bedeutendste Auftrag kommt aus der Stiftskirche Einsiedeln (1818). Hier schafft Abart die »Keuschheit für den Altarraum – eine allegorische Figur klassizistischer Formensprache.

In der Pfarrkirche Altdorf schafft Abart 1811 »Figuren am Hochaltar« – ein harmonisch gestaltetes Ensemble von Heiligenfiguren. Ähnlich bedeutend sind die »Fassadenfiguren der Pfarrkirche Alpnach«, die im Jahre 1821 vollendet werden (nicht 1812, wie früher angenommen). Und in seiner unmittelbaren Wirkungsstätte, der Pfarrkirche Kerns (1814–1823), verwirklicht er sein vielleicht kohärentestes Ensemble: Die »Ausstattung des Kernser Hochaltares« ist ganz sein Werk. Hier hat sich der Künstler ein bedeutendes Denkmal gesetzt, das mit dem schönen Kirchenraum eine glückliche Einheit bildet. Nach der sehnlich erwarteten Restaurierung wird es wieder voll zur Geltung kommen.[6](#fn6)

###  Das profane Großprojekt: Die Granitbären für Bern

Ein »Höhepunkt in dieser Zeit fruchtbarster Arbeit« bildet die Kunstausstellung von 1810 in Bern, die dem Meister nicht nur Ruhm eintrug, sondern ihm auch einen ehrenvollen Großauftrag eintrug: die Stadt Bern beauftragte ihn mit der Fertigung zweier überlebensgroßer »Granitbären« für das neuerbaute Murtentor – ein symbolträchtiger Ort für das Wahrzeichen Berns.

Doch der Weg zu ihrer Verwirklichung war langwierig und voller Verzögerungen. Schon 1816 konnte Abart dort seine Modelle aufstellen, aber über langwierigen Verhandlungen, ob sie in Guß oder Kunststein ausgeführt werden sollten, zerfielen schließlich die gipsernen Wappentiere. Erst 1825, als Abart bereits 56 Jahre alt war, erteilte ihm Stadtwerkmeister Stürler den endgültigen Auftrag, die Bären in Granit zu hauen – eine Arbeit, der die Kräfte des mittlerweile betagten Meisters nur noch knapp gewachsen waren. Trotzdem lieferte er handwerklich treffliche Skulpturen.

Das Material Granit ist unerbittlich; es verzeiht keine Ungenauigkeit. Abart entwirft die Modelle mit künstlerischer Autorität, doch die praktische Ausführung in Stein obliegt dem Steinbildhauer Peter Dauwalder, der Abarts Vision meisternhaft umsetzt. Als weitaus größte plastische Wappenfiguren Berns erfreuen sie sich eines besonderen Rufes, der Werk und Meister mit würzigen Anekdoten bedachte. Heute stehen die beiden Granitbären nicht mehr am Murtentor – die Zeiten und der Platz haben sich geändert. Stattdessen bewachen sie den Eingang des Historischen Museums der Stadt Bern und erinnern stumm an einen Südtiroler Künstler, der sein Genie dem Schweizer Land geschenkt hat.[7](#fn7)

###  Kleinplastiken und Aufträge für Sammler

In seiner Werkstatt entstehen auch ungezählte Kleinplastiken – Arbeiten für private Andacht und Kunstsammler von hohem künstlerischen Anspruch. Der »leidende Heiland am Kreuz« bleibt sein bevorzugtes Thema, und er schafft zahlreiche Kruzifixe von subtiler Ausdruckskraft. Daneben entstehen biblische Gestalten sowie Figuren aus der Schweizer Geschichte. Wilhelm Tell, Winkelried, Niklaus von der Flüe und Arnold von Melchtal gehören zu seinen ständigen Motiven – naturgetreu bis ins letzte Detail, jedoch immer die große Gesamtform im Sinne der klassizistischen Kunst bewahrend.

Volkstümlichere Themen behandelt Abart mit gleicher künstlerischen Sorgfalt: »Schwingergruppen, »Häggler« (Viehhandelsleute), »Steinstoßer« und sogar »Bettler« entstehen in seiner Werkstatt. Diese Themen zeigen, dass sich Abarts Klassizismus nicht in erhabene Sphären der Heiligen verflüchtigt, sondern auch das einfache Volk «mit eindrucksvoller Charakterisierung» darstellt und damit «das Erbe der Tiroler Holzschnitzer-Tradition» bewahrt.

Das Material für seine Kleinplastiken variiert: Holz bleibt sein Lieblingsmaterial, doch verwendet er gelegentlich auch Alabaster und Ton. Unter seinen bedeutendsten Aufträgen außerhalb der Kirchen ist das »Becherfutteral aus Holz« in Form eines geharnischten Eidgenossen für den Basler Oberstleutnant Rudolf Wettstein (ca. 1806) zu nennen – eine für Abarts Kunstauffassung und Arbeitsweise überaus typische Arbeit, die heute im Kirschgartenmuseum in Basel ausgestellt ist. Auch ein Auftrag für das Alphirtenfest in Unspunnen ist überliefert: Abart sollte zwei Becher schaffen, doch diese sind leider verschollen.[8](#fn8)

 Theoretisches Werk: Kunsttheorie und Anatomia
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Abart beschränkt sich nicht auf die Praxis. Vielmehr veröffentlicht oder verfaßt er ein theoretisches Werk unter dem Titel »Von der Anatomia oder von der Zergliederungskunst« – ein Traktat, das seine intensiven anatomischen Studien dokumentiert und mit erklärenden Texten versieht. Dieses Werk kann als ein künstlerisches Selbstzeugnis verstanden werden: Abart beschreibt darin die wissenschaftlichen Grundlagen des Figuralen, auf denen seine Kunstpraxis beruht.

 Persönlichkeit und zeitgenössische Beurteilung
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Abart arbeitet zeitlebens in Obwalder Abgeschiedenheit. Anders als viele seiner Zeitgenossen, die den Klassizismus annahmen – Heinrich Max Imhof etwa, der zu Thorvaldsen nach Rom zog – zieht es Abart nicht in die europäische Kunstmetropole. Er verbleibt in der ländlichen Schweiz, in den Tälern Obwaldens, fern von den kunsthistorischen Zentren Europas.

Dies ist möglich, weil sich Abarts künstlerische Überzeugung von der Idee des Klassizismus nicht von Romaufenthalten nährt – sie wurzelt in der Aneignung von Kunsttraktaten, in der Kopiertätigkeit (etwa der Canova-Figuren) und in einer quasi-wissenschaftlichen Anatomielehre, wie sein theoretisches Werk dokumentiert. Abart ist ein »Klassizist des Tales«, nicht der Metropole. Der Künstler selbst arbeitet mit Obwalder Bescheidenheit; niemals verliert er «die Tirolerfarbe in seiner Sprache».

Die letzten dreißig Jahre seines Lebens (ab 1828) verbringt Abart in St. Niklausen, betreut von einer wackeren Kernserin, im Volksmund »Abarts-Anni« genannt, vom Meister kurzweg »Häuseirin« geheißen. Den biedermeierlich-idyllischen Ausklang dieses Lebens hat der Maler Louis Niederberger (1824-1895) in einem reizvollen Bild von 1860 festgehalten – liebenswürdig und zugleich rührend zeigt es den greisen Meister in seiner Werkstatt, umgeben von der reichen Ernte seines Schaffens.[9](#fn9)

Die zeitgenössischen Urteile über Abart fallen überwiegend anerkennend aus, konzentrieren sich aber auf regionale Kunstgeschichte. Sein Name ist in der Schweizer Kunstszene des 19. Jahrhunderts vertraut, hochbetagt und allseitig verehrt. Global aber bleibt er unbedeutend – das ist weder Ruhm noch Schande, sondern die authentische Wirklichkeit eines Handwerkerkünstlers, der sein Metier meisternhaft ausübt.[10](#fn10)

 Nachleben und historische Bedeutung
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Franz Abart stirbt am 10. September 1863 in St. Niklausen – im Alter von 93 Jahren, ein biblisches Alter erreicht habend. Der Künstler verstarb «hochbetagt und allseitig verehrt».

 Würdigung und Ausstellungen
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Abarts Werk ist in Obwalden nicht vergessen. In vielen privaten Stuben hängt eines seiner ausdrucksvollen Kruzifixe, und manche Familie hütet als Kostbarkeit kleine Skulpturen in Holz oder Alabaster aus seiner Werkstatt als Erbstücke.

1913, zum 50. Todestag, veranstaltete Kerns eine große Gedächtnisausstellung, in der über 80 Werke Abarts aus Obwalden-Besitz gezeigt werden konnten – ein Nachruhm im lokalen Kreis, wie ihn nicht jeder Künstler erfahren darf. Gleichzeitig veröffentlichte Regierungsrat Otto Heß ein reich bebildertes Gedenkblatt (Heft III der *Obwaldner Geschichtsblätter*), das Leben und Werk Franz Abarts erstmals umfassend darstellte. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde wiederum in Kerns, das auf «seinen» Abart mit Recht stolz ist und dessen Nachlaß bewußt pflegt, eine kleine Ausstellung durchgeführt.[11](#fn11)

###  Kunsthistorische Einordnung

Abart steht am Übergang zweier Kunstepochen. Der Klassizismus, den er verkörpert, weicht im späteren 19. Jahrhundert zunehmend Realismus, Historismus und schließlich Jugendstil. Seine Werke wirken daher am Ende des 19. Jahrhunderts bereits leicht altertümlich – ein Schicksal, das viele klassizistische Künstler teilen.

Doch gerade diese »Altertümlichkeit« hat sich im 20. und 21. Jahrhundert als künstlerischer Wert wieder etabliert. Abarts Werke werden nun nicht als bloße Handwerksprodukte gelesen, sondern als authentische Zeugnisse einer europäischen Kunsttradition, die trotz aller Modernisierung lebendig bleibt.

Obwalden hat Franz Abart viel zu verdanken. Die Stiftskirche Einsiedeln als bedeutendstes Kunstensemble dieser Epoche, die Kirchenfiguren von Altdorf, Alpnach und Kerns als Kontinuitätsträger einer Kunstreligiosität – all dies trägt Abarts künstlerische Handschrift. Seine Schüler, insbesondere Heinrich Max Imhof, schufen eigenständige Werke, die den Klassizismus in Rom und darüber hinaus verkörperten – ein Beweis dafür, dass Abarts Werkstatt eine echte Kunstpflanzschule war.

Abarts Werk wird in der heimatlichen Kunstgeschichte immer den ehrenvollen Platz einnehmen, der ihm vollauf gebührt.

 Quellen und Literatur
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###  Primärquellen:

- Obwaldner Volksfreund (Signum: zw): „Bildhauer Franz Christian Abart 1769-1863", Ausgabe 10. September 1963 \[Gedenkbeitrag zum 100. Todestag – Wichtigste Primärquelle mit zeitgenössischen Details und Familienangaben\]
- Abart, Franz: Von der Anatomia oder von der Zergliederungskunst \[theoretisches Werk, Publikationsangaben ausstehend – \[QUELLENBELEG FEHLT\]\]

###  Sekundärquellen:

- Bhattacharya, Tapan (2001): „Abart, Franz", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), aktualisierte Version. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/021672/ \[zuverlässige akademische biografische Grundlage\]
- Hess, Otto (1913): „Franz Abart", in: Obwaldner Geschichtsblätter, Bd. 3 \[regionalgeschichtliche Quelle, zeitgenössisch\]
- Gericke-Budliger, Rebecca (2005): „Franz Abart", Nachschlagewerk, SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz. Online: https://recherche.sik-isea.ch/de/sik:person-4022588:exp/in/sikisea/ \[Kunsthistorisches Standardlexikon\]
- Dutter, R. (1905): „Abart, Franz", in: Schweizerisches Künstler-Lexikon, Bd. 1. Verlag Huber & Cie.
- Brun, Carl (1902): Schweizerisches Künstler-Lexikon, Bd. 1 A–G. Verlag von Huber & Co. \[Gesamtkunstlerisches Nachschlagewerk\]
- Deutsche Biographie (aktuell): „Abart, Franz", Deutsche Biographie, Bayerische Staatsbibliothek. Online: https://www.deutsche-biographie.de/gnd1017140154.html \[GND-gestützte biografische Datenbank\]

###  Online-Ressourcen:

- Gotthelf Digital (Wissenschaftliche Edition, Mitarbeit Patricia Zihlmann-Märki und Christian von Zimmermann): Abart, Franz \[Personenseite\]. Online: [gotthelf-digital.ch/edition/id=n\_d2e87](https://gotthelf-digital.ch/edition/id=n_d2e87) \[literaturwissenschaftliches Editionsprojekt\]

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1. Obwaldner Volksfreund (zw): „Bildhauer Franz Christian Abart 1769-1863", Ausgabe 10. September 1963; Bhattacharya, Tapan (2001): „Abart, Franz", Historisches Lexikon der Schweiz.[↩](#ref1)
2. Obwaldner Volksfreund (1963).[↩](#ref2)
3. Obwaldner Volksfreund (1963); zur Gegenleistung siehe auch Hess, Otto (1913): „Franz Abart", Obwaldner Geschichtsblätter, Bd. 3.[↩](#ref3)
4. Obwaldner Volksfreund (1963).[↩](#ref4)
5. Obwaldner Volksfreund (1963); zu Imhof: Gericke-Budliger, Rebecca (2005): „Franz Abart", SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz.[↩](#ref8)
6. Obwaldner Volksfreund (1963).[↩](#ref6)
7. Obwaldner Volksfreund (1963); zur kunsthistorischen Einordnung auch: Bhattacharya (2001).[↩](#ref7)
8. Obwaldner Volksfreund (1963).[↩](#ref8)
9. Das Porträt befindet sich im Heimatmuseum Sarnen[↩](#ref9)
10. Obwaldner Volksfreund (1963).[↩](#ref10)
11. Hess, Otto (1913): „Franz Abart", Obwaldner Geschichtsblätter, Bd. 3; Obwaldner Volksfreund (1963).[↩](#ref11)