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title: "Paul Abadie | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/bio/a/abadie.html"
description: "Paul Abadie d.Ä. (1783-1868) war ein französischer Architekt der überwiegend im Departement Charente tätig war. In Angroulême schuf er den Justizpalast und die Kirche St. Jacques de l'Houmeau."
author: Michael Gnessner
date: 2016-02-12
modified: 2026-08-20
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# Paul Abadie | EPOCHE NAPOLEON

Paul Abadie
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*\* 22.07.1783 in Bordeaux*
*† 03.12.1868 in Bordeaux*

Antoine Paul Abadie, gewöhnlich Paul Abadie und zur Unterscheidung von seinem gleichnamigen Sohn auch *Paul Abadie père* genannt, war ein französischer Architekt und langjähriger Architekt des Départements Charente sowie der Stadt Angoulême. Ausgebildet im Umfeld der napoleonischen Architektur, prägte er mit zahlreichen öffentlichen Bauten insbesondere das klassizistische Erscheinungsbild Angoulêmes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.[1](#fn-1 "Fußnote 1")

Antoine Paul Abadie wurde am 22. Juli 1783 in Bordeaux geboren. Er entstammte keinem bereits etablierten Architektenhaushalt, sondern einem handwerklich geprägten Milieu. Die Unterlagen der Pariser Architektenausbildung bezeichnen seinen Vater als Bordelaiser *plâtrier*, also als Gips- beziehungsweise Stuckarbeiter. Andere biographische Darstellungen sprechen von einem *entrepreneur de plâtrerie*, was eher einen selbständigen Unternehmer im Gips- und Stuckgewerbe bezeichnet. Unabhängig von dieser terminologischen Abweichung lässt sich Abadies späterer gesellschaftlicher Aufstieg vom Sohn eines Handwerkers zum Départementarchitekten, Ritter der Ehrenlegion und korrespondierenden Mitglied der Académie des beaux-arts deutlich erkennen.[2](#fn-2 "Fußnote 2")

###  Louise Joséphine Mallard und der Sohn Paul

Zu Abadies Familie gehörte Louise Joséphine Mallard aus Bordeaux. Aus ihrer Verbindung mit dem Architekten ging der am 9. November 1812 in Paris geborene Paul Mallard hervor, der später als Paul Abadie beziehungsweise Paul Abadie fils bekannt wurde. Die archivalisch gestützte Untersuchung der Historikerin Emma Rothschild kommt zu dem Ergebnis, dass Antoine Paul Abadie und Louise Joséphine Mallard nicht miteinander verheiratet waren. Dies erklärt zugleich, weshalb der Sohn zunächst den Familiennamen seiner Mutter führte. Auch die Unterlagen der École des Beaux-Arts kennen ihn als »Paul Mallard dit Abadie« beziehungsweise in ähnlichen Namensformen.[3](#fn-3 "Fußnote 3")

Die rekonstruierte Pariser Geburtsurkunde des Sohnes verzeichnet Paul Mallard unter dem 9. November 1812. Als der jüngere Paul im November 1846 in Angoulême Maria Alida Camia heiratete, trat er personenstandsrechtlich weiterhin unter seinem Namen Paul Mallard beziehungsweise »Paul Mallard surnommé Abadie« auf; beide Eltern unterzeichneten den Heiratseintrag. Der Zensus von Angoulême aus dem Jahr 1846 führte den älteren Abadie seinerseits noch als unverheirateten Mann.[4](#fn-4 "Fußnote 4")

Im Jahr 1818 übersiedelte Abadie nach seiner Ernennung zum Départementarchitekten mit seiner Familie nach Angoulême. Der damals sechsjährige Sohn verbrachte deshalb einen wichtigen Teil seiner Jugend in jener Stadt, die später zum gemeinsamen Wirkungsfeld von Vater und Sohn werden sollte.[5](#fn-5 "Fußnote 5")

###  Eine Tochter in Angoulême

Neben Paul ist mindestens ein weiteres Kind Antoine Paul Abadies nachweisbar. Am 4. August 1826 wurde in Angoulême eine Tochter geboren, deren Vaterschaft Abadie später offiziell anerkannte. Ein Randvermerk im Personenstandsregister dokumentiert diese Anerkennung vom 4. März 1857. Damit sind gegenwärtig mindestens zwei Kinder des Architekten quellenmäßig belegbar.[6](#fn-6 "Fußnote 6")

 Ausbildung in Bordeaux und Paris
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Dort lernte er zunächst bei François Bonfin und Jean-Baptiste Thiac. Beide gehörten zur regionalen Architekturszene, in der die französische klassizistische Bautradition des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts fortwirkte.[7](#fn-7 "Fußnote 7")

1805 wechselte Abadie nach Paris und trat in das Umfeld von Charles Percier und Pierre-François-Léonard Fontaine ein. Diese beiden Architekten gehörten zu den maßgeblichen Gestaltern der Architektur und Innenraumkunst des Konsulats und des Ersten Kaiserreichs. Sie arbeiteten für [Napoleon Bonaparte](https://www.epoche-napoleon.net/bio/b/bonaparte.html "Bonaparte, Napoléon") und prägten wesentlich jenen klassizistischen Formenkanon, der später unter der Bezeichnung Empire-Stil bekannt wurde. Abadies Ausbildung war damit unmittelbar mit der repräsentativen Architektur des napoleonischen Frankreichs verbunden.[8](#fn-8 "Fußnote 8")

Am 1. Dezember 1806 wurde Abadie an der Pariser École des Beaux-Arts in der Architektursektion aufgenommen. Das Matrikelregister führt ihn unter der Nummer 2. Eine eigene Schülerakte ist nicht erhalten; die Matrikel und Wettbewerbsregister ermöglichen jedoch eine vergleichsweise genaue Rekonstruktion seiner Ausbildung. Der spätere Architektenbiograph Édouard-Auguste Delaire (1871-1951) schrieb ihm zwei während des Studiums errungene Medaillen zu.[9](#fn-9 "Fußnote 9")

###  Wettbewerbe um den Prix de Rome

Abadie beteiligte sich mehrfach am Wettbewerb um den bedeutenden *Grand Prix de Rome*. Dieser von der französischen Akademie ausgerichtete Wettbewerb eröffnete erfolgreichen jungen Künstlern und Architekten die Möglichkeit eines mehrjährigen Studienaufenthaltes an der Académie de France in Rom und galt als einer der wichtigsten akademischen Karrierewege Frankreichs.

Am 14. Mai 1808 wurde Abadie als Erstplatzierter zur entscheidenden Wettbewerbsphase zugelassen; am 21. Mai wurde er als achter *logiste*, also als Teilnehmer der abschließenden Klausurphase, geführt. Am 23. Mai 1812 erreichte er erneut die Endrunde und belegte den sechsten Rang. Den Grand Prix gewann er jedoch nicht. Seine wiederholte Qualifikation für die Endrunden zeigt dennoch, dass er innerhalb der akademischen Architektenausbildung zu den leistungsfähigeren Schülern seines Jahrgangsumfeldes gehörte.[10](#fn-10 "Fußnote 10")

 Erste Berufsjahre im napoleonischen Frankreich
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Nach älteren architekturbiographischen Darstellungen arbeitete Abadie zunächst als Inspektor an staatlichen Bauvorhaben in Paris. Genannt werden insbesondere Arbeiten an einer von Percier und Fontaine ausgeführten Treppenanlage des Louvre sowie anschließend Tätigkeiten im Zusammenhang mit dem Finanzministerium an der Rue de Rivoli. Später soll er unter einem Architekten Bonnard bei den staatlichen Tabakmanufakturen tätig gewesen sein.[11](#fn-11 "Fußnote 11")

Damit sammelte Abadie seine ersten praktischen Erfahrungen in jener zentralisierten staatlichen Bauverwaltung, die während des Konsulats und des Kaiserreichs erheblich ausgebaut worden war. Seine spätere Tätigkeit als Départementarchitekt knüpfte organisatorisch und fachlich an diese Verbindung von Architektur und staatlicher Verwaltung an.

 Départementarchitekt der Charente
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Das entscheidende Jahr seiner beruflichen Laufbahn war 1818. Abadie wurde zum Architekten des Départements Charente ernannt und ließ sich in Angoulême nieder. Das Institut national d’histoire de l’art führt ihn von 1818 bis 1853 als Architekten des Départements und der Stadt Angoulême. Damit gehörte er über Jahrzehnte zu den wichtigsten Verantwortlichen für das öffentliche Bauwesen in der Charente.[12](#fn-12 "Fußnote 12")

Ein Départementarchitekt plante und beaufsichtigte öffentliche Bauvorhaben der regionalen Verwaltung. Dazu gehörten Gerichtsgebäude, Gefängnisse, Verwaltungsgebäude, Bildungsanstalten und andere staatlich oder départemental finanzierte Einrichtungen. Abadies Werk bietet deshalb einen besonders anschaulichen Einblick in die bauliche Ausformung der französischen Verwaltung während der bourbonischen Restauration und der Julimonarchie.

Seine Karriere weist dabei eine bemerkenswerte politische Kontinuität auf. Abadie war unter Napoleon ausgebildet worden, entwickelte seine selbständige Laufbahn nach der Wiederherstellung der Bourbonenmonarchie und blieb auch nach der Julirevolution von 1830 im Amt. Seine Architektur war weniger Ausdruck einer einzelnen politischen Herrschaft als Teil einer langfristig fortbestehenden französischen Verwaltungs- und Staatsbaukultur.

 Die öffentlichen Bauten in Angoulême
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###  Das Palais de Justice

Zu den bedeutendsten Arbeiten des älteren Abadie gehört das zwischen 1825 und 1828 errichtete Palais de Justice von Angoulême. Seine monumentale Fassade mit Säulenportikus und Dreiecksgiebel überträgt das Formenrepertoire der antiken Tempelarchitektur auf einen modernen staatlichen Zweckbau. Das Gebäude gehört damit zu den charakteristischsten Beispielen seines klassizistischen Architekturverständnisses.[13](#fn-13 "Fußnote 13")

Gerade beim Justizpalast wird die Ausbildung des Architekten im Umfeld von Percier und Fontaine sichtbar. Symmetrie, klare Achsen, monumentale Fassadenordnung und die Verwendung antikisierender Architekturelemente sollten staatliche Würde und institutionelle Dauerhaftigkeit ausdrücken.

###  Die Präfektur der Charente

Ein weiteres Hauptwerk war das Hôtel de la Préfecture von Angoulême. Der Bau wurde 1833 vollendet. Die Präfektur der Charente selbst nennt Paul Abadie père als Architekten des Gebäudes.[14](#fn-14 "Fußnote 14")

Für die Geschichte der napoleonischen Epoche besitzt dieser Bau eine besondere institutionelle Bedeutung. Die Präfekten waren durch das Gesetz vom 28. Pluviôse des Jahres VIII, dem 17. Februar 1800, zu zentralen Repräsentanten der Staatsgewalt in den Départements geworden. Das Präfektursystem überdauerte Napoleon und blieb auch unter den nachfolgenden französischen Regimen bestehen. Abadie gab somit einer Institution, deren moderne administrative Struktur unmittelbar aus der napoleonischen Staatsorganisation hervorgegangen war, eine repräsentative architektonische Gestalt.

###  Das Lycée von Angoulême

Eine bedeutende Rolle spielte Abadie auch beim Bau des späteren Lycée Guez-de-Balzac. Einen besonders wichtigen zeitgenössischen Beleg liefert der Ingenieur Léonce Reynaud, der 1853 festhielt, dass der ältere Abadie die Pläne für das Lycée geliefert und die Bauarbeiten geleitet hatte. Reynaud beurteilte das Gebäude ausgesprochen positiv und führte es als Beleg für die Fähigkeiten des älteren Architekten an.[15](#fn-15 "Fußnote 15")

###  Saint-André

An der Kirche Saint-André in Angoulême gestaltete Abadie 1825 die zur Straße gerichtete Fassade neu. Die heutige lokale Denkmaldokumentation bezeichnet sie ausdrücklich als Werk von Paul Abadie père und ordnet sie dem neoklassizistischen Stil zu.[16](#fn-16 "Fußnote 16")

Die Fassade gehört zu denjenigen Arbeiten, an denen sich das klassizistische Architekturverständnis des älteren Abadie besonders deutlich erkennen lässt. Geometrische Klarheit, symmetrische Ordnung und der Rückgriff auf antikisierende Formen bestimmen ihre Gestaltung.

###  Saint-Jacques-de-l’Houmeau

Auch die Kirche Saint-Jacques-de-l’Houmeau gehört zum gesicherten Werk des älteren Abadie. Er ersetzte dort eine baufällig gewordene romanische Kirche durch einen neoklassizistischen Neubau in Form eines lateinischen Kreuzes. Die neue Kirche wurde 1843 geweiht.[17](#fn-17 "Fußnote 17")

###  Hôtel-Dieu und weitere öffentliche Einrichtungen

Abadie war außerdem wesentlich am Ausbau beziehungsweise Neubau des Hôtel-Dieu an der Rue de Beaulieu beteiligt. Das INHA schreibt ihm einen großen Teil der Anlage zu. Sein Tätigkeitsfeld in Angoulême umfasste darüber hinaus weitere öffentliche und private Bauaufgaben.[18](#fn-18 "Fußnote 18")

 Bauten außerhalb Angoulêmes
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###  Ruffec

###  Die Gefängnisanlage von Confolens

Besonders gut dokumentiert ist Abadies Tätigkeit in Confolens. Nachdem 1819 die Verlegung des dortigen Gefängnisses beschlossen worden war, wurden ihm am 25. Oktober 1821 als Départementarchitekten die Bauarbeiten übertragen. Der von ihm geschaffene Zustand ist bereits im Kataster von 1826 verzeichnet. Zwischen 1838 und 1840 wurde das Gefängnis erneut nach seinen Plänen erweitert.[20](#fn-20 "Fußnote 20")

Die Anlage wurde später weitgehend umgebaut und im 20. Jahrhundert größtenteils beseitigt. Ihre archivalische Dokumentation verdeutlicht jedoch die Bandbreite von Abadies Tätigkeit. Gefängnisse gehörten ebenso wie Gerichtsgebäude zu jener staatlichen Infrastruktur, deren Modernisierung im frühen 19. Jahrhundert erheblich an Bedeutung gewann.

###  Saint-Pierre in Châteauneuf-sur-Charente

Abadie beschäftigte sich auch mit bestehenden historischen Bauwerken. Für die Kirche Saint-Pierre in Châteauneuf-sur-Charente fertigte er am 22. März 1847 als Départementarchitekt einen Kostenvoranschlag für die Reinigung und Restaurierung der Fassade an. Die veranschlagten Kosten betrugen 9.193,15 Francs.[21](#fn-21 "Fußnote 21")

Gerade bei Saint-Pierre ist eine sorgfältige Unterscheidung zwischen Vater und Sohn erforderlich. Der Vorgang von 1847 ist ausdrücklich Paul Abadie père zugeordnet. Die umfangreicheren Arbeiten der Jahre 1859 bis 1869 standen dagegen unter Leitung von Paul Abadie fils. Das Baudossier vereinigt somit Vorgänge beider Architekten und verdeutlicht exemplarisch, wie leicht bei einer nur oberflächlichen Auswertung der Quellen falsche Zuschreibungen entstehen können.[22](#fn-22 "Fußnote 22")

 Berufliche Anerkennung und Auszeichnungen
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Abadies langjährige Tätigkeit brachte ihm auch über die Charente hinaus berufliche Anerkennung. Mit Dekret vom 20. Februar 1836 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Sein Dossier befindet sich heute in den Archives nationales unter der Signatur LH/1/35.[23](#fn-23 "Fußnote 23")

1841 trat er der Société centrale des architectes français bei. Diese wenige Jahre zuvor gegründete Vereinigung gehörte zu den wichtigsten Organisationen zur Professionalisierung des französischen Architektenstandes. 1845 wurde Abadie außerdem korrespondierendes Mitglied der Académie des beaux-arts. Im selben Jahr ist seine Zugehörigkeit zur Association Taylor nachgewiesen.[24](#fn-24 "Fußnote 24")

 Vater und Sohn – zwei Generationen französischer Architektur
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Antoine Paul Abadie ist sorgfältig von seinem gleichnamigen Sohn Paul Abadie fils (1812–1884) zu unterscheiden. Während der Vater seine Ausbildung noch im Umfeld von Percier und Fontaine und damit in der klassizistischen Architektur des napoleonischen Frankreichs erhalten hatte, gehörte der Sohn einer jüngeren Generation an, die sich intensiv mit mittelalterlicher Architektur und Denkmalpflege beschäftigte. Paul Abadie fils wurde insbesondere durch seine Restaurierungen romanischer Kirchen und später als Entwurfsarchitekt der Basilika Sacré-Cœur auf dem Montmartre bekannt. Die Namensgleichheit beider Architekten führte in der Literatur und in Werkverzeichnissen wiederholt zu problematischen oder zumindest überprüfungsbedürftigen Zuschreibungen.[25](#fn-25 "Fußnote 25")

In den späten 1840er Jahren begannen sich die beruflichen Wege von Vater und Sohn erneut unmittelbar zu überschneiden. Im Dezember 1848 wurde Paul Abadie fils zum Diözesanarchitekten für Périgueux, Angoulême und Cahors ernannt. Ein Diözesanarchitekt war im französischen Staatskirchensystem mit der Planung, Unterhaltung und Restaurierung kirchlicher Gebäude betraut, deren Bauverwaltung unter staatlicher Aufsicht stand.[26](#fn-26 "Fußnote 26")

Damit entstand eine ungewöhnliche berufliche Konstellation. Der Vater, der seit 1818 zu den führenden Architekten der Charente gehört hatte, arbeitete nun im Umfeld seines zunehmend einflussreichen Sohnes. Léonce Reynaud hielt 1853 fest:

> « M. Abadie père, ancien architecte du département, remplit près de son fils, les fonctions d'inspecteur. »

Der frühere Départementarchitekt nahm demnach bei seinem Sohn Funktionen eines Inspektors wahr. Reynaud bezeichnete diese institutionelle Konstellation zwar als ungewöhnlich, bewertete den älteren Abadie selbst jedoch als erfahrenen Konstrukteur und guten Architekten. Seine ästhetischen Vorstellungen sah er deutlich in der Architektur des frühen 19. Jahrhunderts verwurzelt.[27](#fn-27 "Fußnote 27")

Vater und Sohn verkörpern damit zwei aufeinanderfolgende Phasen der französischen Architekturgeschichte. Paul Abadie père war durch Bonfin, Thiac, Percier und Fontaine sowie durch die klassizistische Architektur des Konsulats und Kaiserreichs geprägt worden. Seine öffentlichen Gebäude beruhen auf Symmetrie, antiken Ordnungssystemen und einer repräsentativen, zugleich zweckorientierten Staatsarchitektur.

Paul Abadie fils entwickelte sich dagegen im Umfeld der Commission des monuments historiques und der französischen Mittelalterrezeption. Während der Vater an klassizistischen Ausdrucksformen festhielt, wandte sich der Sohn der Romanik, der Gotik und der historistischen Neuinterpretation mittelalterlicher Architektur zu. Die gemeinsame Tätigkeit in Angoulême verbindet somit nicht nur zwei Generationen einer Familie, sondern zugleich zwei unterschiedliche architekturgeschichtliche Epochen.[28](#fn-28 "Fußnote 28")

 Späte Jahre
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Abadies langjährige Tätigkeit als Architekt des Départements Charente und der Stadt Angoulême endete nach den Unterlagen des INHA im Jahr 1853. Der Bericht Léonce Reynauds aus demselben Jahr bezeichnet ihn bereits als ehemaligen Départementarchitekten und zugleich als Inspektor im beruflichen Umfeld seines Sohnes.[29](#fn-29 "Fußnote 29")

Auch nach dem Übergang seiner früheren Verantwortungsbereiche blieb Abadie damit zumindest zeitweise in der Bauverwaltung tätig. Sein beruflicher Werdegang erstreckte sich insgesamt von der napoleonischen Architekturverwaltung der ersten Jahre des 19. Jahrhunderts bis weit in die Regierungszeit Napoleons III.

 Tod
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Paul Abadie starb im Dezember 1868 in seiner Geburtsstadt Bordeaux. Als Sterbedatum wird hier der 3. Dezember 1868 angesetzt.[30](#fn-30 "Fußnote 30")

Eine gesicherte Angabe zur Todesursache sowie ein zweifelsfrei identifizierter Begräbnisort oder Grabstein konnten bislang nicht ermittelt werden. Diese Angaben müssen einer weiteren Auswertung der Bordelaiser Personenstands- und Friedhofsunterlagen vorbehalten bleiben.[31](#fn-31 "Fußnote 31")

 Architekturgeschichtliche Bedeutung
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Paul Abadie père sollte nicht lediglich als Vater des wesentlich bekannteren Architekten der Sacré-Cœur betrachtet werden. Seine eigene Laufbahn dokumentiert in bemerkenswerter Weise den Übergang von der Architekturwelt des napoleonischen Kaiserreichs zum öffentlichen Bauwesen der bourbonischen Restauration und der Julimonarchie.

Als Schüler von Percier und Fontaine hatte er seine entscheidende Ausbildung unmittelbar im Umfeld der napoleonischen Staats- und Repräsentationsarchitektur erhalten. Als Départementarchitekt übertrug er diese Ausbildung anschließend auf die administrativen und gesellschaftlichen Bedürfnisse einer Provinz: Gerichte, Präfekturen, Gefängnisse, Schulen, Krankenhäuser und Kirchen.

Seine Bedeutung liegt deshalb weniger in einem einzelnen spektakulären Monument als in der Vielzahl öffentlicher Bauwerke, durch die er das Erscheinungsbild Angoulêmes und der Charente während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nachhaltig mitgestaltete. Mehrere dieser Gebäude sind bis heute wichtige Bestandteile des Stadtbildes und werden in der regionalen Denkmal- und Tourismusdokumentation ausdrücklich mit Paul Abadie père verbunden.[32](#fn-32 "Fußnote 32")

 Auszeichnungen und Nachwirkung
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- 20. Februar 1836: Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion.
- 1841: Aufnahme in die Société centrale des architectes français.
- 1845: Aufnahme in die Association Taylor.
- 1845: Wahl zum korrespondierenden Mitglied der Académie des beaux-arts.
- Das Palais de Justice von Angoulême gehört zu den bedeutenden erhaltenen klassizistischen Staatsbauten der Stadt.
- Die Präfektur der Charente erinnert bis heute an Abadies Tätigkeit als Architekt der regionalen staatlichen Verwaltung.
- Die Fassaden- und Kirchenbauten Saint-André und Saint-Jacques-de-l’Houmeau werden in der örtlichen Denkmalvermittlung ausdrücklich Paul Abadie père zugeschrieben.
- Die heutige bauhistorische Forschung unterscheidet zunehmend systematisch zwischen dem klassizistischen Werk des Vaters und den historistischen Neu- und Restaurierungsbauten des Sohnes.

###  Angoulême

- Palais de Justice, 1825–1828.</p><p>Hôtel de la Préfecture, vollendet 1833.
- Lycée, später Lycée Guez-de-Balzac – Planung und Bauleitung.
- Kirche Saint-André – neoklassizistische Straßenfassade, 1825.
- Kirche Saint-Jacques-de-l’Houmeau – Neubau, um 1840 bis 1843.
- Hôtel-Dieu beziehungsweise Krankenhaus an der Rue de Beaulieu – wesentliche Teile der Anlage.

###  Ruffec

- Palais de Justice.</p><p>Sous-préfecture.</p><p>Gefängnis.</p><p>Gendarmeriekaserne, 1833.

###  Confolens

- Gefängnisanlage, Arbeiten ab 1821.</p><p>Erweiterung der Gefängnisanlage, 1838–1840.

###  Châteauneuf-sur-Charente

- Kirche Saint-Pierre – Kostenvoranschlag für Reinigung und Restaurierung der Fassade vom 22. März 1847. Die späteren umfangreichen Restaurierungsarbeiten von 1859 bis 1869 sind Paul Abadie fils zuzuordnen.

 Quellen
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###  Primärquellen:

- Archives nationales, AJ/52/237: École spéciale d’architecture, Registrierung der Schüler, 1801–1836.
- Archives nationales, AJ/52/239: Matrikelregister der Schüler der Architektursektion.
- Archives nationales, LH/1/35: Dossier de la Légion d’honneur, Paul Abadie père.
- Archives de Paris, État civil reconstitué: Geburt Paul Mallard, 9. November 1812, ehemaliges 4. Arrondissement.
- Archives municipales d’Angoulême, 1E78/96: Geburt einer Tochter Abadies, 4. August 1826; Randvermerk über die Anerkennung vom 4. März 1857.
- Archives départementales de la Charente, État nominatif, Angoulême 1846, 48/646.
- Archives départementales de la Charente, 4 N 72–73: Prison de Confolens.
- Archives départementales de la Charente, 4 N 77: Prison de Ruffec.
- Archives départementales de la Charente, 4 N 165: Caserne de gendarmerie de Ruffec.
- Archives départementales de la Charente, T, liasse 3: Saint-Pierre de Châteauneuf-sur-Charente.
- Revue générale de l’architecture et des travaux publics, 1868, Sp. 276: Todesmeldung Paul Abadie.

###  Sekundärliteratur

- Lance, Adolphe: Dictionnaire des architectes français. Paris 1872.
- Bauchal, Charles: Nouveau dictionnaire biographique et critique des architectes français. Paris 1887.
- de Pénanrun, Louis-Thérèse David; Roux, Louis-François und Delaire, Edmond-Augustin: Les architectes élèves de l’École des beaux-arts, 1793–1907. 2. Auflage, Paris 1907.
- Hautecoeur, Louis: <em>Histoire de l’architecture classique en France, Bd. VI. Paris 1955.
- Laroche, Claude: Paul Abadie, architecte, 1812–1884. Ausstellungskatalog, Paris, Réunion des Musées nationaux 1988, insbesondere S. 36–39.
- Rothschild, Emma: An Infinite History. The Story of a Family in France over Three Centuries. Princeton/Oxford: Princeton University Press 2021.

###  Online-Quellen

- [Institut national d’histoire de l’art / AGORHA: „Abadie, Paul (22/07/1783–03/12/1868)“](https://agorha.inha.fr/ark:/54721/98ad6e84-0b64-41f3-bbca-caaa93405bea "INHA AGORHA: Paul Abadie père").
- [Institut national d’histoire de l’art / AGORHA: „Abadie, Paul (09/11/1812–02/08/1884)“](https://agorha.inha.fr/ark:/54721/b6230230-7894-4165-afe4-92a2c891eeda "INHA AGORHA: Paul Abadie fils").
- [Jean-Michel Leniaud: „Abadie Paul, père“, Répertoire des architectes diocésains du XIXe siècle](http://elec.enc.sorbonne.fr/architectes/0 "École nationale des chartes: Paul Abadie père").
- [Comité des travaux historiques et scientifiques: „ABADIE Paul“](https://cths.fr/an/prosopo.php?id=108777 "CTHS La France savante: Paul Abadie père").
- [Office de Tourisme du Pays d’Angoulême: „Église Saint-André“](https://www.angouleme-tourisme.com/patrimoine-culturel/eglise-saint-andre/ "Église Saint-André in Angoulême").
- [Infiniment Charentes: „Église Saint-Jacques de l’Houmeau“](https://www.infiniment-charentes.com/fiche-sit/eglise-saint-jacques-de-lhoumeau-5679784/ "Église Saint-Jacques-de-l'Houmeau").
- [Région Nouvelle-Aquitaine, Inventaire général du patrimoine culturel: ehemalige Gefängnisanlage von Confolens](https://www.patrimoine-nouvelle-aquitaine.fr/default/doc/Dossier/5ae292fc-0427-421b-8f7f-fbb29de1eec9/hotel-particulier-detruit-prison-detruite-ecole-detruite-perception "Inventaire du patrimoine: Gefängnis von Confolens").
- [Région Nouvelle-Aquitaine, Inventaire général du patrimoine culturel: Saint-Pierre de Châteauneuf-sur-Charente](https://www.patrimoine-nouvelle-aquitaine.fr/default/doc/Dossier/1a216d2d-4fad-44bf-97eb-0e91933091c0/prieure-aujourd-hui-eglise-saint-pierre-de-chateauneuf-sur-charente "Inventaire du patrimoine: Saint-Pierre de Châteauneuf-sur-Charente").