EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

An meine Leyer

Du, die mit holdem  Spiele
  Mich zu ergötzen liebt;
Die innigsten Gefühle
  Des Herzens wiedergiebt,
 
Belebt von deinem Feuer,
  Das in den Adern glüht,
Sing' ich, geliebte Leyer,
  Dir heut ein kleines Lied.
 
Vor allem, was mir Gutes
  Der Himmel je beschert;
Ich sag' es freyen Muthes,
  Bist du mir lieb und werth.
 
Als noch in meinem Busen
  Der Dichterfunke schlief,
Und noch nicht zu den Musen
  Mein Führer Kleist mich rief,
 
Als ich noch gern im Kreise
  Mit kleinen Bübchen sprang,
Und nach der Kinder Weise
  Manch lustig Liedchen sang.
 
Schon da fühlt' ich im Blute,
  Ich wußte selbst nicht was?
Daß ich vor frohem Muthe
  Oft all mein Spiel vergaß.
 
Oft schlich ich in den Garten,
  Und wußte nicht warum?
Als wollt' ich wen erwarten,
  Dann kehrt' ich traurig um;
 
Ich fühlte, daß mir's fehlte,
  Und wußte doch nicht, wo?
Und welches Spiel ich wählte,
  Ich ward nicht wieder froh.
 
Auch hab' ich oft im Haine
  Dem Monde nachgeschaut;
Oft lauscht' ich da alleine
  Mit jedem Baum vertraut.
 
Oft in dem frühsten Lenze
  Flog ich hinaus ins Thal,
Und wand die ersten Kränze
  Und macht' ein kleines Mahl,
 
Und lud zum kleinen Mahle
  Amynt und Galathee,
Zu tanzen in dem Thale
  Mit ihrer Lalage.
 
Und dann, beym Fest der Trauben,
  Dann war ich froh bemüht,
Zu flechten kleine Lauben,
  Und sann auf Spiel und Lied.
 
Doch Spiel und Lied und Tänze,
  Und alles schwand mir bald;
Ich hieng die besten Kränze
  Am Eichbaum in den Wald;
 
Da hört' ich, wenn die Schwüle
  Des Tages sich verlor,
Mit Flöt' und Saitenspiele
  Der deutschen Barden Chor.
 
Des Frühlings Rückkehr feyern,
  Der Liebe Lust und Schmerz;
Doch eine von den Leyern
  Gewann mein ganzes Herz.
 
Oft lockte mich die Schöne
  Des Abends in den Wald;
Da hab' ich ihre Töne
  Ganze leise nachgelallt,
 
Bis einst im stillen Thale,
  Da schon die Schöpfung schwieg,
Gehüllt im Abendstrale,
  Die Muse niederstieg,
 
Und in dem Rosenschleyer
  Vertraulich zu mir kam,
Und ich dich, liebe Leyer,
  Aus ihren Händen nahm.
 
Vor allem, was mir Gutes
  Der Himmel je gewährt,
Ich sag' es freyen Muthes,
  Bist du mir lieb und werth.
 
Seit ich den Strom der Wonne
  Dir wiedergeben kann,
Seitdem lacht mich die Sonne
  Noch eins so golden an;
 
Seitdem schleich' ich verschwiegen
  Auf meine stille Flur,
Und trink' in vollen Zügen
  Den Becher der Natur.
 
Seitdem reizt mich nicht Kaiser
  Und König nicht zum Neid. - -
Den neid' ich nur, der weiser
  Sich seines Lebens freut.
 
Was sollt' ich mit viel Schätzen,
  Sollt' ich ihr Hüter seyn? - -
Ist nicht, mich zu ergötzen,
  Die ganze Schöpfung mein?

Letzte Änderung der Seite: 27. 03. 2017 - 22:03