EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Knospen

Brutus Abschied

                               Porcia
      Stolzer Brutus, kannst du von mir scheiden?
Fesseln nimmer dich der Liebe Freuden?
Rastlos treibt's dich von der Gattin Brust.
Wohl ist dir's, wenn Heere sich umarmen,
Wenn die Schwerter blutigrot erwarmen,
Und das Mordgeschrei ist deine Lust.

                               Brutus.
      Weib! mir ist kein friedlich Glück beschieden.
Helden kann ich, Sklaven nicht, gebieten;
Furchtbar jagt's mich in die Lanzenschlacht;
Und den kühnen Pfad zum fernen Ziele
Bahn' ich sicher mir durchs Mordgewühle,
Sicher durch des Kampfes eh'rne Macht.

                               Porcia.
      Und nicht weinen soll ich um den Gatten?
Fechtend stürzt er in das Reich der Schatten;
An die Seinen denkt er nicht zurück.
Unterliegt er auch des Schicksals Mächten,
Freiheit strahlt ihm in des Todes Nächten,
Und im Kampf zu sterben ist sein Glück.

                               Brutus.
      Porcia! wohl denk' ich an die Meinen;
Doch nicht klagen kann der Mann, nicht weinen,
Kämpfen muß er, wie das Herz gebeut.
Bricht die Welt auch unter ihm zusammen,
Speit der Hades seine gift'gen Flammen:
Er steht felsenfest im Männerstreit.

                               Porcia.
      Wenn du fällst, wer soll die Gattin retten?
Wer erlöst sie aus verhaßten Ketten,
Wenn der Feind den Siegeslorbeer bricht?
Denn zum Dulden ist das Weib geschaffen,
Doch der Mann, der Starke, zu den Waffen.
Lieben nur, verderben kann ich nicht.

                               Brutus.
      Nicht das Leben darf der Mann erwägen;
Seinem Schicksal tritt er kühn entgegen,
Und besonnen schreitet er zum Mord.
Sind mir tausend Dolche auch geschliffen,
Freiheitstaumel hat das Herz ergriffen,
Und mit Sturmes Brausen trägt's mich fort.

                               Porcia.
      Horch! Schon naht der Tod sich Romas Söhnen.
Wie der Zimbel und Posaune Tönen
Jede Qual in dieser Brust erweckt!
Mir ersteht ein Bild in blut'gen Träumen,
Und dich seh' ich auf des Schlachtfelds Räumen
Von dem eignen Schwerte hingestreckt.

                               Brutus.
      Hoffe standhaft, bis die Adler sinken,
Bis die Felder unser Herzblut trinken,
Und die Tyrannei die Schranken bricht!
Nicht der Ruhm, das Glück nur kann sich wenden.
Stolze Römerin, du weißt zu enden!
Brutus überlebt die Freiheit nicht.

Letzte Änderung der Seite: 27. 03. 2017 - 22:03