EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Der Kampf der Geister mit den Bergknappen.

(Ein Felsengewölbe. Fern sieht man den Fahrschacht und die auf und nieder gehenden Tonnen. Der Knappe arbeitet vor Ort, und der Kobold erscheint in einer Bergkluft als ein blaues Flämmchen.)

                             Erster Bergknappe.
                      Hier bei der Lampe kargem Schein
            Durch meines Eisens Macht
    Gewinn' ich froh des Erzes Stein.
    »Glück auf!« schallt's durch die Felsen drein,
            »Glück auf!« im düstern Schacht.
                             Kobold.
        Was kletterst du nieder aus glänzender Luft
            Zum finstern Schoße der Erde?
    Was suchst du in der grausenden Kluft,
            Die des Tages Leuchte nicht klärte?
    Halt ein, Verwegner, und hemme den Streich!
    Denn weiter nicht dringst du ins Geisterreich.
                             Erster Bergknappe.
        Was murmelt in dem Widerhall,
            Was zu des Hammers Schlag?
    Was rauschet in der Wasser Fall?
    Vernahm ich nicht der Stimme Schall?
            Wer war's, der zu mir sprach?
                             Kobold.
        Ich bin der Kobold, des Berges Fürst;
            Mir gehören die glänzenden Funken;
    Und wenn du mir willig nicht zollen wirst,
            So sind sie dir ewig versunken.
    Denn mein sind die Schätze im grundlosen Feld,
    Und herrschend gebiet' ich der staunenden Welt.
                             Erster Bergknappe.
        Der Kobold du? des Berges Geist?
            Glück auf! mir ist nicht bang'.
    Wo sich das blaue Flämmchen weist
    Mit bleichem Zittern, da verheißt
            Es einen guten Gang.
                             Kobold.
        Verwegner Knappe, zurück, zurück!
            Willst du die Burg mir bestürmen?
    Dich treibt's nach des Goldes herrlichem Blick;
            Doch rastlos will ich's beschirmen.
    Was gräbst du zur Tiefe die felsichte Bahn?
    Dir log dein Gelüsten mit trügendem Wahn.
                             Erster Bergknappe.
        Wer ist's, der diese Arme hemmt?
            Du zwingst nicht ihren Streich;
    Und wer sich auch dagegen stemmt
    Und Felsen vor den Eingang dämmt,
            Ich dring' ins finstre Reich.
                             Kobold.
        Tollkühner! Was willst du? ein sichrer Tod,
            Er winkt dir aus schrecklichen Spalten.
    Sieh, wie er in vielfacher Bildung dir droht,
            In gräulichen Nebelgestalten!
    Widerstehst du den Geistern unsterblicher Macht,
    So wag es, Verwegner, zerteile die Nacht!
                             Erster Bergknappe
                             (den Berg hinaufrufend:)
                    Hernieder, hernieder,
                Getreue Brüder,
                Zur grausenden Kluft
                Aus sonnichter Luft!
Der Geist will des Eisens Gewalt überwinden;
Drum eilt, ihr Knappen, und helft mir ihn binden!
                             Kobold,
                             (in die Klüfte rufend:)
                        Geister, Geister!
                    Hört den Meister!
        Hört! er ruft mit mächt'gen Worten.
        Schnell herzu, wie er gebeut,
        Durch des Erzes dunkle Pforten!
        Denn der Knappe naht zum Streit.
        Schleudert ihn mit gewalt'ger Faust
        Hin, wo der Abgrund des Todes braust!
                    Hört den Meister,
                    Geister, Geister!
(Während der Beschwörung sieht man mehrere Bergleute
mit Grubenlichtern und Gezähe den Schacht herniederfahren.)
                             Chor der Bergknappen.
                    Glück auf! Glück auf!
                Im eilenden Lauf
                Sind wir zur Stell'
                Was willst du, Gesell?
                             Erster Bergknappe.
        Helft mir den Kobold, den mächtigen, zwingen!
    Zu Hilfe rief er der Geister Schar.
    Hört, wie sie nahen auf donnernden Schwingen,
    Durch die gräuliche Nacht der Gefahr!
(Mehrere Flämmchen erscheinen im Spalte der Felsen.)
                             Chor der Geister.
                    Meister, Meister!
                Hier sind die Geister.
    Gehorsam dem ernsten Zauberspruch,
    Drangen wir schnell durch den Felsenbruch.
    Führ uns nun hin, wo die Stimme ruft,
    Zur steilsten Höhe, zur tiefsten Kluft,
    Nur nicht zu der Sonne strahlendem Licht!
    Denn die Augen der Geister vertragen's nicht.
                             Kobold.
        Stürzt euch durch des Felsens Spalten
        Schwingt euch donnernd durch die Luft,
    Wälzt mit mächtigen Gewalten
        Eine Wand vor diese Kluft!
    Hinab! hinab! die Banden sind los!
    Hinab in der Erde gebärenden Schoß!
(Die Flammen verschwinden mit Donner.)
Steiger.
                    Hört, wie sie brausen!
                Wie Sturmwinds Sausen
    Hallt's im Gewölbe mit schrecklichen Tönen.
        Drum rüstet euch zum gewaltigen Streit,
        Macht euch zu blutiger Arbeit bereit!
    Wir müssen die Erde kämpfend versöhnen.
(Die Flämmchen erscheinen aufs neue mit großem Geräusch,
und hinter jedem rollt ein Felsenstück.)
                             Chor der Geister.
        Hier, Meister, hast du Felsenmassen;
    Wie konnten sie kaum in Arme fassen.
    Die kühnste Mauer, die du baust,
    Die widersteht der Knappen Faust.
                             Erster Geist.
        Ich bringe von allen die köstlichste Beute,
        Stolz getürmt die metallne Wand,
    Aus der Erde tiefstem Eingeweide;
        Sie zerbricht keine menschliche Hand.
                             Kobold.
                    Türmt sie hoch empor
                Vor das Felsentor!
                Folget meinem Worte!
                Schließt die steile Pforte!
            Stein auf Stein zur dunklen Höh!
                Mauer, steh!
                Schütz das Reich!
            Bändige der Knappen Streich!
(Die Felsen werden von unsichtbaren Händen
übereinander geschichtet)
                             Chor der Bergknappen.
        Wie die Mauer sich erhebt,
    Kräftig zu der Höhe strebt!
    Wie dort tausend Felsenmassen
    Sich zum ew'gen Bund umfassen!
    Seht nur, seht! Sie wächst ohn' Ende
    Durch der Geister schnelle Hände.
                             Steiger.
    Das Ungeheure müssen wir wagen,
Soll uns Licht in der Finsternis tagen.
Alles vermag die vereinte Kraft,
Und mit des Hammers Riesengewalten
Können wir kühn die Mauer zerspalten,
Die die Geister im nächtlichen Grausen geschafft.
Chor der Geister.
                Wir haben's vollendet;
            Der Bau ist geendet.
    Das Werk, das schreckliche, ist getan.
    Tief in der Erde endlosen Weiten
    Und fest im wogenden Strome der Zeiten
    Ragt's durch die ewigen Felsen hinan.
Steiger.
        Gewaltig schließt sie die Pforte;
    Die felsengekettete Wand
    Gehorcht dem befehlenden Worte.
    Genossen, jetzt seid mir zur Hand!
    Glück auf! das Fäustel geschwungen!
    Glück auf! durch die Wände gedrungen!
                             Chor der Bergknappen.
        Nieder mit ihr! Im starken Verein
    Stürzen wir Felsen und dringen hinein.
(Die Knappen arbeiten an der geschlossenen Kluft.)
                             Chor der Geister.
        Hört ihr, wie die Eisen klingen?
    Hört ihr, wie die Steine springen?
    Schrecklich dröhnt der Wände Fall.
    Lauter schon ertönt der Hammer
    In der dunkeln Felsenkammer;
    Lauter tönt der Stimme Schall.
                             Kobold.
        Tollkühn sind des Berges Knechte,
    Dringen in das Graus der Nächte.
    Seht, da öffnet sich die Kluft!
    Seh' ich nicht mit zartem Flimmern
    Dort die Grubenlichter schimmern
    Durch die schwer beladne Luft?
(Die Wand bricht.)
                             Steiger.
        Weiter klafft die Felsenhalle,
    Und die Wand naht sich zum Falle;
    Trügen mich die Augen nicht,
    Seh' ich durch des Felsens Splittern
    Schon die blauen Flämmchen zittern.
    Brüder, ja! die Mauer bricht.
                             Chor der Bergknappen.
                    Bricht die Mauer?
                Ohne Schauer
        Dringen wir ins dunkle Graus,
        Treiben kühn die Geister aus.
        Immer hinein! immer hinein!
        Unser muß die Erde sein.
                             Kobold.
        Geister, Geister! Neue Felsen
    Vor das offne Tor zu wälzen,
    Neue Berge schnell herbei!
(Die Geister füllen die Kluft aufs neue aus.)
    So! – Doch soll des Hammers Eisen
    Meine Mauern mir zerreißen?
(Die Wand bricht wiederum)
    Wehe! Wehe! Unsre Wände
    Stürzen durch der Knappen Hände,
    Und die Kluft ist wieder frei.
(Die Geister weichen zurück.)
    Weicht ihr sterblichen Gewalten?
    Drängt sie durch die Felsenspalten,
    Wenn die Wand auch treulos bricht!
    Müssen sie gewaltsam siegen?
    Soll ich ihrer Kraft erliegen?
    Diese Schmach ertrag' ich nicht.
                             Steiger.
    Glück auf! Glück auf! Die Wand ist nieder.
Jetzt in die Schlucht, ihr wackern Brüder!
Dort seh' ich noch des Kobolds Schein;
Drum stürzt euch kämpfend hinterdrein!
Der Knappe muß die Nacht besiegen
Und die Geisterwelt erliegen.
                             Kobold.
    Wie? Höhnend wollen sie mich unterjochen?
Sind alle Schranken treulos gebrochen?
Ist die ewige Fessel des Bannes los?
Erde, so öffne die feurigen Schlünde,
Daß hier der Kühne den Untergang finde
In der Mutter alles verzehrendem Schoß!
            Speie Flammen aus,
            Funken sprühend!
            Lichte das ewige Graus,
            Furchtbar glühend!
Mutter, Mutter, spalte deine Glieder!
Zieh die Frevler zu dir nieder,
Zieh sie in des Abgrunds Falten!
(Die Erde öffnet sich, und Flammen lodern
rings um die Knappen aus dem Schlunde.)
    Dank! Du hast mir Wort gehalten.
                             Chor der Bergknappen.
        Wehe! Wehe! Welche Glut
    Loht um uns in wilder Runde!
    Steht die graue Geisterbrut
    Mit der Erde selbst im Bunde?
    Mächt'ger schon zur Felsenhöhe
    Glüht das Feuer. Wehe! Wehe!
                             Geister.
    Der Kobold siegt im schweren Kampf;
Seht nur, seht, wie die Flamme facht!
Den Knappen umhüllt ein gräulicher Dampf;
Er unterliegt der höllischen Macht.
Schrecklich gähnt der sprühende Rachen;
Hört ihr den Donner dort unten krachen?
    Die Felsen splittern, die Feste wankt,
    Daß dem Mond vor des Herren Falle bangt.
(Die Feen des Quells und ihre Königin erscheinen
in der Höhe des Gewölbes.)
                             Erste Fee.
    Schwestern, Schwestern, hört ihr's donnern
    Unten dort im Felsentor?
Wie der Stimmen hohles Brausen
    Aus der Tiefe tönt empor!
                             Zweite Fee.
    Wohl vernahm ich dunkle Laute;
Doch mir graut's hineinzusehn.
Dritte Fee.
    Wo vernahmt ihr's? Hier im Schlunde?
Schwestern, darf ich näher gehn?
                             Königin.
        Unvorsicht'ge, bleibe, bleibe!
    Doch die ältre gehe hin,
    Forsche, was dort unten wühlet,
    Prüf es wohl mit klugem Sinn!
    Hüte dich vor jedem Blicke,
    Vor der Stimmen leisem Ton,
    Daß die Geister dich nicht schauen,
    Da wir ihrer Macht entflohn!
    Denn sie hielten uns gebunden
    In der Klüfte düstrer Nacht;
    Doch jetzt sind wir neu gerettet,
    Frei durch eine fremde Macht.
                                 (Die Fee geht weiter vorwärts.)
                             Steiger.
    Immer näher flackert die Flamme,
Im gähnenden Schlunde fürchterlich
Auflodernd über dem Felsendamme,
Und weiter spaltet der Boden sich.
Heiland, laß uns verlassen nicht stehn,
Nicht im Flammenmeer untergehn!
                             Geister.
    Hinunter! Die Felsenkluft schleudre euch
Aus des Lebens sonnichtem Blütenreich!
Kein Knappe steige zur Erde nieder!
Denn der Kobold bleibt des Berges Gebieter.
                             Chor der Bergknappen.
    Rett uns, rett uns, ew'ger Gott!
Soll uns des Bösen Gewalt verderben?
Hör deine Knechte, Herr Zebaoth,
Bei deines Sohnes schuldlosem Sterben!
Heil'ge Jungfrau, so hold und so süß,
Nimm uns auf in dein Paradies!
                             Erste Fee.
    Schwestern! Schwestern! Im glühenden Dampfe
Ward ich den feindlichen Kobold gewahr
Und furchtbar im gräßlichen, schrecklichen Kampfe
Seine nächtliche Geisterschar
Mit den Männern, durch die wir gerettet,
Als der Geist in der Kluft uns gekettet.
Sie lösten die Fesseln, sie machten uns frei,
Und sollten der Flamm' unterliegen?
Hört ihr verschmachtend ihr Angstgeschrei?
Die Geister, die greulichen, siegen.
                             Königin.
    Ach, so sind wir aufs neue verloren!
Sie haben uns ewigen Groll geschworen.
Ein Schoß zwar hat uns alle gezeugt;
Doch Herrschsucht gebietet, und Liebe entweicht.
Wohl möchte der Quell im Tageslicht funkeln,
Und rauschen möcht' er in glänzender Luft;
Doch sie ziehn uns nieder zur felsichten Kluft,
Und gleiten muß er dahin im Dunkeln;
Versiegen wird er in ewiger Nacht;
Denn die Geister binden die wogende Macht.
    Drum eilig, ihr Feen der Quellen
    Und stürzt mit den schäumenden Wellen
    Hinab in den feurigen Schlund!
    Vereint euch im Strome zusammen
    Und tötet die lodernden Flammen,
    Zerreißt den schmählichen Bund!
    Vermögt ihr's kühnlich zu wagen,
    Der Freiheit Licht soll euch tagen
    Und herrlich bescheinen die Flut.
Drum dankbar den eigenen Rettern,
Stürzt rauschen aus Bergeswettern
    Hernieder und löschet die Glut!
                             Feen-Chor.
(indem sie sich von den Höhen des Felsens in die Glut stürzen.)
                        Hinein, hinein!
        Hört ihr die Knappen ängstlich schrein?
        Schwestern, hinein! Schwestern, hinein!
                             Chor der Bergknappen.
    Was stürzt sich vom Felsen, was braust und zischt
Und schleudert zur Höhe den rauschenden Gischt?
Wär's uns Errettung vom schmählichen Tod?
Schimmert uns wieder des Lebens Rot?
                             Geister.
            Sind des Gießbachs Dämme gebrochen?
        Stürzt sich das Meer in der Erde Raum?
        Hört ihr's im Boden furchtbar kochen?
        Seht, wie es wallt im weißlichen Schaum!
        Toben, uns treulos, die Elemente?
        Naht sich erschütternd der Welten Ende?
                             Feen.
            Seht! Es verlöschen die Flammen,
            Zerstört durch die schäumende Flut;
        Die Felsen brechen zusammen,
            Verschließen die furchtbare Glut.
        Das haben die Feen des Quelles vollbracht;
        Besiegt ist des Kobolds feindliche Macht.
                             Kobold.
        Fluch euch, ihr Feen! Mit gleißenden Wellen
    Zerstört ihr das ewige Reich der Nacht.
    Nur wo die Kräfte vereinigt quellen,
    Ist das geheime Schloß ihrer Macht.
    Doch wo Elemente sich feindlich bekriegen,
    Da muß der Mensch, der sterbliche, siegen.
    Denn nicht das Eisen siegt und der Hammer,
    Nur unser Zwist, nur die kämpfende Flut.
    Bald ziehn sie euch aus der Felsenkammer,
    Und das durch des Feuers dampfende Glut.
    So zwingen sie uns durch die eigne Kraft;
    Denn der Streit ist's, der das Verderben schafft.
    Das Licht des Tages hat euch geblendet,
    Und der Elemente Reich ist geendet.
Geister, schon schließt sich der gähnende Spalt,
Und der Berg umarmt sich mit neuer Gewalt;
Und eh' noch die Felsen gehorchend sich fügen,
So laßt uns zur tiefsten Tiefe entfliegen,
Wie die heulende Windsbraut durch finstere Nacht,
Nieder zum Schlund mit verzweifelnder Macht!
                             Chor.
    Überwunden sind wir im schrecklichen Strauß;
Drum stürzen wir nieder ins ewige Graus.
(Sie stürzen sich in den Schlund; er schließt sich krachend.)
                             Chor der Bergknappen.
        Sieg, Sieg! Die Geister entschwinden,
    Fliehn zu der Erde unendlichen Gründen.
    Frei ist des Berges glänzende Nacht.
    Unsre Hoffnung war nur im Sterben;
    Gerettet sind wir vom sichern Verderben,
    Und wir sind es durch eure Macht.
    Dankend nahen wir euch, ihr Feen;
    Folgt uns hinauf zu den sonnichten Höhen!
    Folgt uns hinauf zu dem rosichten Licht!
    Gleitet, von blühenden Ufern umzogen,
    Gleitet, spielend mit silbernen Wogen,
    In der Sonne strahlendem Angesicht!
                             Feen.
        Wir retteten euch aus dankbarer Treu'.
    Ihr bracht unsre Ketten, ihr machtet uns frei.
    Steigt nun sorglos zum Schacht hernieder!
    Ihr seid des Berges kühne Gebieter.
    Die edeln Steine, das schimmernde Gold
    Ist reichlich Beute, ist herrlicher Sold.
    Und was ihr erkämpft in düsterem Graus,
    Was ihr in der Tiefe gewonnen,
    Wir ziehen's euch hilfreich zu Tage heraus,
    Zum freundlichen Lichte der Sonnen.
                             Königin.
        Euch öffnet sich willig die Felsenkammer
    Und beut ihre Schätze dem jauchzenden Hammer,
    Der kraftvoll ins innere Wesen ihr dringt.
    Und wenn euch ermattet das Eisen sinkt,
    Dann sollt ihr ruhen in unsern Armen,
    Und an unsern Herzen sollt ihr erwarmen.
                             Steiger.
    Glück auf! So lichtet sich die Nacht;
Die Liebe strahlt freundlich in den Schacht;
Mit den Feen des Quells sind wir verbündet,
Und das Grausen des einsamen Dunkels verschwindet,
Und in der Erde tiefunterstem Grund
Schließt uns das Schicksal des Glückes Bund.
Da fiel uns ein göttlich erhabenes Los;
Wir gebieten der Erde erzeugendem Schoß.
Es dringt der Knappe mit eh'rnen Gewalten,
Mutig kletternd auf schwankem Steig,
Nieder, wo Felsen sich endlos spalten;
Sein ist der Welt unermeßliches Reich.
Doch zur Sonn' auch sehnt sich der liebende Blick,
Und freudig kehrt er zum Tage zurück.
                             Chor der Bergknappen.
    Es zieht uns hinauf zu den grünenden Höh'n.
Lebt wohl, ihr freundlichen, lieblichen Feen!
                Wir kehren wieder,
                Wenn der Morgen taut,
                Und steigen nieder,
                Umfangen die Braut.
                Jetzt treibt's uns hinan,
                Durch die felsichte Bahn.
Durch den Schacht auf der schwindelnden Fahrt hinauf
Zum rosichten Lichte. Glück auf! Glück auf!

(Die Bergleute fahren aus. Man sieht nach und nach alle Lichter verlöschen; nur einzelne schimmern noch auf der Fahrt, und fern noch tönt der Zuruf der Knappen. Die Feen verschwinden.)

Letzte Änderung der Seite: 27. 03. 2017 - 22:03