EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Die Wissenschaftslehre, in ihrem allgemeinen Umrisse

von Johann Gottlieb Fichte

§ 1

Die Wissenschaftslehre, fallen lassend alles besondere und bestimmte Wissen, geht aus von dem Wissen schlechtweg, in seiner Einheit, das ihr als seyend erscheint; und giebt sich zuvörderst die Frage auf: wie dasselbe zu seyn vermöge, und was es darum in seinem inneren und einfachen Wesen sey.

Es kann sich ihr nicht verbergen Folgendes. Nur Eines ist schlechthin durch sich selbst: Gott, und Gott ist nicht der todte Begriff, den wir soeben aussprachen, sondern er ist in sich selbst lauter Leben. Auch kann dieser nicht in sich selbst sich verändern und bestimmen, und zu einem anderen Seyn machen; denn durch sein Seyn ist alles sein Seyn und alles mögliche Seyn gegeben, und es kann weder in ihm, noch ausser ihm ein neues Seyn entstehen.

Soll nun das Wissen dennoch seyn, und nicht Gott selbst seyn, so kann es, da nichts ist denn Gott, doch nur Gott selbst seyn, aber ausser ihm selber; Gottes Seyn ausser seinem Seyn; seine Aeusserung, in der er ganz sey, wie er ist, und doch in ihm selbst auch ganz bleibe, wie er ist. Aber eine solche Aeusserung ist ein Bild oder Schema.

Ist ein solches Schema, – wie denn dies nur durch das unmittelbare Seyn desselben klar werden kann, da es nur unmittelbar ist, – so ist dasselbe schlechthin dadurch, dass Gott ist, und es kann, so gewiss er ist, nicht nichtseyn. Keinesweges aber ist es zu denken als eine Wirkung Gottes, durch einen besonderen Act desselben, wodurch derselbe in sich selbst sich verwandeln würde; sondern es ist als eine unmittelbare Folge seines Seyns zu denken. Es ist, der Form seines Seyns nach, schlechtweg, so wie er selbst schlechtweg ist, ohnerachtet es nicht er selbst ist, sondern sein Schema.

Wiederum kann ausser Gott schlechthin nichts seyn, denn dieses; kein inneres auf sich beruhendes Seyn, denn das ist er allein; nur sein Schema kann seyn ausser ihm, und ein Seyn ausser ihm heisst eben sein Schema, und beide Ausdrücke sagen dasselbe.

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