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Stefan Heinrich: Selb unter den Franzosen

Buchdaten
Preis 4,25 €
Autor Stefan Heinrich
Titel Selb unter den Franzosen - Ein historischer Streifzug durch die Selber Ortsgeschichte zur Zeit der Napoleonischen Kriege
Verlag Heinrichs Heftchen Ecke Selb
Jahr 2007
Einband Soft
Seitenzahl 32
Maße (cm) DIN A5
Gewicht (g)  
ISBN10 -
ISBN13 978-3-939086-07-9

Selb, heute eine Große Kreisstadt im oberfränkischen Landkreis Wunsiedel und als Porzellanstadt bekannt, war zu Zeiten Napoleons ein kleines Dorf, das unter den Schicksale der großen Weltpolitik litt.

Stefan Heinrich entführt mit seinem kleinen Heftchen in die Geschichte dieses Dorfes zwischen 1805 und 1816. Einer Zeit, in der das Dorf Selb mehrmals den Besitzer wechselte und in Kriegszeiten mehrmals kurz vor der Vernichtung stand. Aber auch Truppendurchmärsche und Abgaben belasteten die Dorfbewohner.

Die Wurzeln des Selber Wiesenfestes, das heute noch jährlich begangen wird, hatte seine Wurzeln in einer kleinen Revolution. Nach der althergebrachten Kirchenordnung zahlten verschiedene Bauernhofbesitzer die Kosten des Lehrers, inklusive Umzugskosten, getragen werden sollten. Dagegen setzten sich die betroffenen Bauern zur Wehr und verweigerten die Entlohnung. Der Dorflehrer zog dann am Ende des Schuljahres mit den Schulkindern zu den säumigen Zahlern und forderte seinen Lohn durch "Umsingen" ein. Dies war die Selber Variante des Gregoriusfestes.

Im Jahre 1809 war die Selber Gegend durch die kriegerischen Ereignisse zwischen Frankreich und Österreich geprägt. Die Gemeinde Selb wechselte mehrmals die Besitzer, zunächst flohen die Franzosen vor den Österreichern unter dem Schwarzen Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Oels, dann kamen hessische Truppen, die das Dorf in Brand stecken wollten. Französische Truppen, verhinderten diese Aktion und besetzten Selb erneut.

Auch in Selb gab es zu dieser Zeit einige Männer, die an die Sache Deutschlands glaubten, und sich gegen Frankreich stellten. Im Dorfe Selb waren das z.B. der Oberlehrer Hagen, der Oberförster Schilling und der Rittergutsbesitzer Freiherr von Paschwitz, die einer patriotischen Bewegung angehörten und zunächst von den Franzosen in der Festung Rosenberg in Kronach inhaftiert wurden. Auf Fürsprache des Barons Camille de Tournon kamen sie jedoch alle wieder frei.

Im Jahre 1810 wird die französische Verwaltung durch eine bayrische Verwaltung abgelöst. Neuer Monarch wird König Maximilian I. Joseph. In dieser Zeit wird auch der althergebrachte Brauch zur Finanzierung der Selber Kirche und Lehrer durch die Weißenbacher Bauern per höchstem Regierungsdekret außer Kraft gesetzt. Für Selb greift dieses jedoch erst viele Jahre später.

Im Großen und Ganzen war das Heftchen sehr flott gelesen. An der einen oder anderen Stelle konnte ich dem Autoren jedoch nicht bei der allgemeinen politischen Lage folgen, wobei es sich vermutlich um Flüchtigkeitsfehler handeln dürfte. Jedoch sind mir neben dem kriegerischen Jahre 1809 doch einige Dinge zu kurz gekommen. So wird in dem Text wenig über die politische Neuorganisation im Selber Land während der französischen Herrschaft verloren, auch die durch Bayern vorgenommenen Anpassungen in der Verwaltung werden mit keinem Worte erwähnt.

Auch hätte ich - aber das ist sicherlich auch ein persönliches Faible - ein paar zusätzliche Informationen zu den Handelnden Personen erfahren. So hört das Leben Baron de Tournons im Prinzip mit dem Abzug der Franzosen auf. Auch weitere Informationen zum Diakon und Lehrer Hagen fehlten.

Wer sich für die Lokalgeschichte Selbs interessiert oder einige Anekdoten aus der Zeit des Feldzuges von 1809 sammelt, sicherlich empfehlenswert. Auch der Preis ist für dieses Werk vollkommen in Ordnung.