EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Bistumsadministrator und Domdechant Spiegel an die Münsteraner Diözesen

vom 31.03.1815.

Der Administrator des Bisthums Münster, Ferdinand August Spiegel, Freyherr zum Diestenberg, der Cathedralkirche zu Münster Domdechant etc. An die sämmtlich Diöcesanen Münsterlandes.

Die neuesten Ereignisse, der Aufbruch und die Entweichung des Napoleon Bonaparte von der Insel Elba, desselben mit bewaffneter Hand unternommenes Eindringen in Frankreich, lassen neuen Ausbruch eines blutigen Krieges, die Nothwendigkeit der Erneuerung des Kampfes für die Freyheit von Europa, zur Aufrechterhaltung der Religion, und guter Sitten, zum Schutze und zur Sicherheit für Person und Eigenthum befürchten. Bereits erschallet der Aufruf der Hohen alliirten Mächte, um die Waffen zu ergreifen, damit die Gränzen gesichert, damit errungen bliebe, was durch Gottes Vorsehung und Gnade im Jahr 1813 mit muthvollem Kampfe erstritten ist. – Aber was vermögen schwache Menschen ohne Beystand Gottes! eitel ist das das Bestreben der Menschen, wenn nicht Gottes Kraft und Gnade mit uns ist! — Dieser Wahrheit eingedenk, halten Wir uns verpflichtet, in gegenwärtigen bedrängten, und nicht minder gefahrvollen Zeitumständen die sämmtlichen Diöcesanen Münsterlandes zum inbrünstigen Gebethe zu Gott aufzufordern, und zu ermuntern, damit der Allmächtige den Krieg abwenden, und der Welt den Frieden schenken wollte. — Soll aber noch Gottes unerforschlichem Rathschlusse ein neuer Kampf mit Napoleon Bonaparte bestanden werden, so lasset uns die Fügung des Himmels in christlicher Demuth verehren, und Gott, den Schutz, die Quelle der Gerechtigkeit, und alles Guten, den Herrn der Welt, ohne dessen Willen kein Haar von des Menschen Haupte fällt, anbethen, und feyerlichst bitten: daß Gott den Heiligen Vater Pius den VII. aufrecht erhalten, die Hohen alliirten Mächte, und den bedrängten König von Frankreich in Schutz und Obhut nehmen, und der preiswürdigen Eintracht der Hohen alliirten christlichen Mächte, und der wider Napoleon Bonaparte aufgestellten und kämpfenden Heeresmacht Gnade und Sieg verleihen wolle.

 

Wir verordnen und bestimmen demnach, daß eine außerordentliche feyerliche Andacht in der Domkirche, und in allen Pfarrkirchen des Bisthums Münster, auf folgende Art statt finden solle:

1tens. Am 12. April d. J. soll in der Domkirche dahier ein dreyzehnstündiges Gebeth gehalten werden, und der feyerliche Gottesdienst an diesem Tage in folgender Ordnung statt finden:

<spam class="einzug5">Um 5 Uhr Morgens wird das Hochwürdigste in Begleitung der Geistlichkeit der Domkirche processionaliter in das Schiff der Kirche getragen, daselbst nach — unter Begleitung der Orgel — abgesungenem Verbun caro, der Segen gegeben; dann werden Mette und Laudes, wobey das Te Deum unter Begleitung der Orgel gesungen wird, gehalten, und demnächst wird die Litaney de omnibus Sanctis cum precibus et orationibus consuetis gesungen. Diese Andacht währt bis 7 Uhr.</spam>

Hierauf erscheinen processionaliter unter Vortragung der Fahnen

<spam class="einzug5">von 7 bis 8 uhr die Pauliner Schule,
von 8 bis 9 Uhr der Clerus und die Eingepfarrten des Kirchspiels Ueberwasser,
von 9 bis 11 Uhr werden von der Geistlichkeit der Domkirche die hora minores abgesungen, und dann ein feyerliches musikalisches Hochamt gehalten,
von 11 bis 12 Uhr erscheinet der Clerus und sämmtliche Eingepfarrten von AEgidii,
von 12 bis 1 Uhr das Gymnasium Paulinum,
von 1 bis 2 Uhr der Clerus und die Eingepfarrten von Martini,
von 2 bis 3 Uhr die von Ludgeri,
von 3 bis 4 Uhr die von Lamberti,
von 4 bis 5 Uhr die von Servatiim und
von 5 bis 6 Uhr wiederum die Geistlichkeit der Domkirche.</spam>

Diese letzte Stunde der feyerlichen Andacht fängt mit einer Predigt an; dann wird die Litaney de nomine Jesu; dreymal da Pacem gesungen, und mit der Benediction die Andacht beendigt.

2tens. Am 16. April ist ein dreyzehnstündiges Gebeth in der Pfarrkirche ad. S. Lambertum,

<spam class="einzug5">am 23sten dasselbe in St. Martini Pfarrkirche,
am 30sten in Ueberwassers Pfarrkiche,
am 4ten May in St. Ludgeri Pfarrkirche,
am 7ten May in S. AEgidii Pfarrkirche,
am 14ten May in St. Servatii Pfarrkirche.</spam>

Wobey die nähere zweckmäßige Einrichtung dieser dreyzehnstündigen Andacht dem Pfarrer jeder Kirche überlassen wird.

3tens. Am 23. April soll zu gleichem Zwecke eine feyerliche Andacht in allen übrigen Kirchen der ganzen Diöcese Münster gehalten werden; und zwar soll diese Andacht mit einer feyerlichen Procession, unter welcher die Litaney von heil. Namen Jesu abgesungen wird, anfangen, dann ein solennes Hochamt gehalten, darauf die Litaney de omnibus Sanctis abgesungenm die Benediction gegeben, und demnächst eine angemessene Predigt gehalten werden.

Des Nachmittags an besagtem Tage soll wiederum öffentliche Andacht mit Aussetzung des Sanctissimi seyn, jedoch die Art und Dauer derselben jedem Orts Pfarrer überlassen bleiben. Dann wird zugleich sämmtlichen Priestern der Diöcese Münster hiemit befohlen, vom Tage dieser Verordnung an, bis zum Widerruf, tagtäglich, jedoch mit Ausnahme der Festtage ormae et secundae classis, im heiligen Meßopfer die Colecte pro Pace hinzusetzen.

Urkund Unserer eigenhändigen Unterschrift und des beygedruckten General-Vicariat Insiegels. Münster, den 31. März 1815.

Spiegel
C. Baudelaney

Quelle:
Universitäts- und Landesbibliothek Münster: Druckschriften

Letzte Änderung der Seite: 27. 03. 2017 - 22:03