EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Augenzeugenbericht über die Sprengung der Augustusbrücke in Dresden

vom 19.03.1813.

Wilhelm Heinrich Ackermann berichtet in seinem autobiographischen Aufzeichnungen aus den Befreiungskriegen über  Körners Tod:

Ich lag in der Nacht vom 26. - 27. August auf meinem Strohlager. Alles schlief um mich, nur ich konnte keinen Schlaf finden. Vom Dorfe her hörte man Wagengerassel, unseres Turnvater Jahns Stimme dazwischen. So wenig auffallend das letztere auch war, so sprang ich doch noch einmal auf, um zu sehen, was denn wohl Jahn jetzt noch um Mitternacht im Dorfe zu wirtschaften habe. Der Mond war aufgegangen und ich sah einen langen Zug von beladenen Wagen aus dem Dorfe kommen, begleitet von einzelnen unserer Husaren. Ich fragte den ersten der an mich herankam, was sie da brächte; er sagte, sie wären so glücklich gewesen, den Franzosen den gesamten Transport von 40 Wagen mit Zwieback abzunehmen, nur hätten sie leider ihren Leutnant dabei verloren. Mich interessierte dies zunächst nicht besonders, da ich unter der Kavallerie nur wenige Bekannte hatte, doch fragte ich nach dem Namen. Als mir der Husar den Namen Körner  nannte, dachte ich auch nicht von weitem daran, dass das unser Theodor sein könnte. Auf meine weitere Frage: »Was für ein Körner?« deutete der Husar auf den nächsten Wagen mit den Worten: »Da liegt er, da können Sie selbst sehen!« - Es war der Dichter! -

In diesem Augenblick kam Jahn in hast an mich heran: »Es ist mir lieb, dass ich dich finde, du bist heute Offizier geworden, ich übergebe dir hiermit diese 40 Wagen samt den darauf befindlichen Gefangenen, laß die Wagen auffahren, umstelle sie mit Mannschaft und hafte für ihre Sicherheit, bis der Morgen kömmt!« Fort war er wieder, der alte Jahn.

Pflichterfüllung trat jetzt an die Stelle des Schmerzes. Ich ließ die Wagen möglichst nahe zusammenfahren, auf mehreren lagen tote schwarze Husaren, auf anderen verwundete Franzosen. Nun eilte ich an Körners Wagen. Dass er uns für immer entrissen sei, hielt ich noch nicht für möglich. Ich meinte, es sei vielleicht schwer verwundet, schlafe oder liege in Ohnmacht und werde uns wohl noch einmal, so wie nach jedem fürchterlichen Hieb, der ihn schon bei Leipzig in eine tiefe Ohnmacht versenkt hatte, erhalten werden.

Ich wollte mich daher von der Art der Verwundung selbst überzeugen. Den Kopf fand ich frei von jeder Wunde, ebenso die Brust, aber mitten in der Magengegend fühlte ich eine Schusswunde, die ihrer Richtung nach das Rückenmark verletzt haben musste. Da hatte ich denn plötzlich die schreckliche Gewissheit, dass der Herrliche für uns unrettbar verloren sei. Ich weckte die Freunde und teilte ihnen die traurige Kunde mit. Bald schlief im ganzen Lager niemand mehr. Alles war von tiefem schmerze ergriffen.

In der Compagnie, in welcher Körner zuletzt als Lieutenant gestanden hatte, waren zwei Schreinergesellen. Diese verschafften sich sogleich im Dorfe Eichenholz und machten sich noch in der Nacht daran, ihm einen Sarg zu zimmern. Nahe bei unserem Lager stand das Häuschen des Hirten. Da hinein wurde Körners Leiche gebracht und in der Mitte der Hausflur auf eine lange Tafel auf Eichenlaub gelegt. Außer Körner waren noch Graf Hardenberg, der als Freiwilliger diese Expedition mitgemacht hatte, und ungefähr sieben von unseren Husaren gefallen. Diese wurden auf den Boden der Hausflur ebenfalls auf Eichenlaub um die lange Tafel, auf der unser Heldenjüngling lag, herumgelegt. Sie waren alle von wohlgezielten Schüssen plötzlich getötet und daher mit den Mienen, die sie im Augenblicke ihres Todes gehabt hatten erstarrt. Es war ein schauerlich belebtes Bild, diese sprechenden Leichen auf dem Boden umher. Körners Mienen waren ruhig; so schien sein Gemüt im Augenblick des Todes gewesen sein.

Was an Malern unter unseren Freiwilligen war, kam herbei, um seine Züge auf aufs Papier festzuhalten. Förster und ich aber gingen zu Major Petersdorf, mit ihm das Nähere über unseres Freundes Beerdigung zu besprechen. Wir äußerten den Wunsch, ihm unter der größeren der beiden Eichen ein Grab allein machen zu dürfen. Förster, Nostitz, Thümmel und ich ließen es uns als Körners Freunde und Landsleute nicht nehmen, ihm sein Grab zu machen.

Unter der zweiten Eiche wurde zugleich ein zweites größeres Grab für die übrigen gefallenen Kameraden gegraben. Gegen Mittag war alles fertig. Körner lag in seinem eichenen Sarge auf Eichenblättern, und nun setzte sich vom Hirtenhäuschen aus der Trauerzug unter dem gedämpften Schall der Trommeln in Bewegung. Was im Lager abkommen konnte, schloss sich an. Als wir den Sarg in das Grab gesenkt hatten, sangen diejenigen, die vor Weinen singen konnte, noch einige Verse aus seinen Liedern, in denen er seinen Tod fürs Vaterland wiederholt voraus verkündet hatte, dann warfen wir vier Freunde das Grab zu, und der alte Markworth von Berlin schnitt Körners Namen und Todestag so tief in die das Grab überschattende Eiche ein, dass diese Inschrift wohl bis auf den heutigen Tag noch nicht ganz verschwunden sein wird.

Quelle:
Ackermann, Wilhelm Heinrich: Erinnerungen eines Lützower Jägers aus der Lüneburger Haide in: Erinnerungen aus den Freiheitskriegen, 1813 und 1814, Frankfurt am Main, 1847

Letzte Änderung der Seite: 27. 03. 2017 - 22:03