EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

August Neidhardt von Gneisenau an Friedrich Wilhelm III. von Preußen

vom 29.07.1813.

Frankenstein, den 29. Juli 1813.

Euer Königliche Majestät haben geruhet, mir die Stelle eines Generalquartiermeisters der Armee allergnädigst zu übertragen. So sehr ich mich durch einen solchen Beweis des Königlichen Vertrauens zur lebhaftesten Dankbarkeit befeuert fühle, so gebietet mir doch meine Pflicht, Eurer Königlichen Majestät unverhohlen zu sagen, daß ich die für diesen Posten erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse nicht besitze. Unter der Oberleitung des Generals v[on] Scharnhorst, und bei der Unterstützung einsichtsvoller Freunde, konnte ich wohl einigermaßen dem Generalquartiermeisterposten eines kleineren Armeekorps vorstehen, aber die so höchstwichtigen Geschäfte eines Generalquartiermeisters für eine so große Armee in einem so hochwichtigen Moment zu übernehmen, dafür fühle ich meine Kräfte unzureichend.

Wenn E.K.M. unter Ihren Dienern umherblicken wollen, so werden Allerhöchstdieselben manchen darunter finden, der weit besser als ich für einen so wichtigen Posten ausgerüstet ist. Unter denen höheren Ranges führe ich namentlich den General v. Knesebeck an. Ich werde mich sehr geehrt fühlen, wenn E.K.M. mir den Befehl über eine Brigade gnädigst anvertrauen wollen, und werde weit ruhiger dabei sein, wenn ich nur die mir erteilten Befehle auszuführen habe, als wenn ich für Anordnungen haften muß, die von mir herrühren und die vielleicht an und für sich unvollkommen oder unglücklich sind, oder die ich nur unvollständig auszuführen imstande bin.

Die mannigfachen verwickelten Verhältnisse mit den die Angelegenheiten leitenden Personen machen es überdies sehr zweifelhaft, ob ich Euer Majestät Dienst in der mir übertragenen Eigenschaft nützlich werde sein können. Ich darf ferner voraussetzen, daß ich die Gunst des Generals Barclay de Tolly und des Chefs seines Generalstabs, des Generals Sabunéief, nicht besitze, und ich fühle mich wenig gestimmt, Euer Majestät Armee etwas zu vergeben.

Alle diese wichtigen Bedenken unterwerfe ich vertrauensvoll Euer K. Majestät Prüfung, und ich werde glauben Allerhöchstdenenselben einen wichtigen Dienst geleistet zu haben, wenn meine Gründe Euer K. Majestät gewichtig genug scheinen, um Allerhöchstdero Entschließungen danach abzuändern.

Quelle:
Gneisenau, Neidhardt von: Briefe 1813

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