EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

August Neidhardt von Gneisenau an seine Gattin Karoline

vom 10.06.1813.

Reichenbach, den 10. Juni 1813.

Meine neue Bestimmung ist mir endlich geworden. Neben meiner bisherigen Eigenschaft als Chef des Generalstabes der Blücherschen Armee sind mir übertragen 1. die Geschäfte des seitherigen Generalgouvernements von Schlesien, 2. der Befehl über die sämtlichen Landwehren Schlesiens, 3. die Leitung aller Defensionsanstalten von Schlesien. Vorderhand werde ich meinen Sitz wahrscheinlich in Peilau, unweit hier, nehmen und mich ab und zu in Neiße, Glatz, Silberberg und Schweidnitz aufhalten.

Es wird mir zum Vergnügen gereichen, Euch einmal wiederzusehen. Wie? kann ich in diesem Augenblicke noch nicht bestimmen. Alle Städte sind voll Russen. Vielleicht mittelst Du selbst einen Ort aus, wohin Du für einige Tage gehen kannst, um mir näher zu sein.

Die gekrönten Häupter kommen nicht zusammen, und von Friedensunterhandlungen ist noch nichts eingetreten. Hiezu ist es noch zu früh. Der Kampf ist noch nicht durchgefochten. Soviel große Opfer, als unsere Nation gebracht hat, dürfen nicht verlorengehen, ohne die Früchte dafür zu ernten. Unsere Armee ist in einem vortrefflichen Zustand und hat in der kurzen, heftigen Kriegszeit sich Erfahrung gesammelt. Unsere Landwehren sind ein vortreffliches Verteidigungsmittel, das ich in seinen ganzen Wert zu setzen mich bemühen werde. Die Russen erhalten Verstärkungen auf Verstärkungen. Mit solchen Kräften muß man in einem ungünstigen Zeitpunkt nicht Friede machen. Widerspreche daher diesem Gerücht.

Quelle:
Gneisenau, Neidhardt von: Briefe 1813

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