EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

August Neidhardt von Gneisenau an seine Gattin Karoline

vom 13.05.1813.

Hauptquartier Gumschütz bei Bautzen, den 13. Mai 1813.

Gestern sind wir auf unserm aus dem Russischen Hauptquartier befohlenen Rückzuge – denn unsere Armee ist sehr unzufrieden damit – hier angekommen. Der Feind folgte unserm Nachzuge fechtend. Wir wollten ihm heute oder morgen eine neue Schlacht liefern. Heute morgen trafen wir die Anstalten dazu. Zu unserer Verwunderung aber hat sich nicht das mindeste heut vom Feinde gezeigt. Wir senden nun Parteien aus, um Kundschaft von ihm einzuziehen.

Der Krieg ist unsern Grenzen näher gekommen durch Schuld von Leuten, die nicht wissen, was sie wollen. Wir haben die Elbe unnötigerweise verlassen. Der Soldat ist unzufrieden mit dem beständigen Rückzuge, und ich mag ihm dies nicht verdenken.

Sollten wir eine neue Schlacht liefern und selbige verlieren, so wird das Gerücht davon schnell genug bis zu Euch kommen. Dann lasse August nach Böhmen gehn und dort seine Wunde pflegen. Überlebe ich die Schlacht, so werde ich Dir davon Kenntnis zu geben suchen. Ich weiß nicht, ob Dich mein letzter Brief erreicht hat, worin ich von dem guten Zeugnis sprach, das August wegen seiner Tapferkeit gegeben wurde. Ich will es zum Überfluß noch einmal hersetzen. Scharnhorst schreibt mir: » Ihr Sohn, Ihr braver Sohn, ich habe ihn fechten gesehen. Er verdient, allen zum Muster aufgestellt zu werden.« Andere geben ihm ein ebenso vorteilhaftes Zeugnis. Er wird vielleicht das Eiserne Kreuz erhalten, denn er ist dazu vorgeschlagen. Er muß nun längst bei Dir angekommen sein. Gib mir sogleich über sein Befinden Nachricht, adressiert an mich beim Blücherschen Armeekorps.

Übrigens seid unbesorgt. Das Schicksal der Waffen ist zwar manchmal sehr sonderbar, allein was ich gewahr werden kann am Geist des Soldaten, ist gemacht, um Hoffnungen einzuflößen. Er ist guten Mutes. Im Lager vor uns geht es munter zu; Musik und Gesänge erschallen und alles ist wohlgemut, seitdem der Rückzug aufgehört hat.

Gott nehme Euch in seinen Schutz.

Quelle:
Gneisenau, Neidhardt von: Briefe 1813

Letzte Änderung der Seite: 27. 03. 2017 - 22:03