EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

August Neidhardt von Gneisenau an Carl August von Hardenberg

vom 06.05.1813.

Meißen, den 6. Mai 1813.

Noch habe ich keinen Moment finden können, Ew. Exzellenz ein Zeichen des Lebens zu geben. Ich will dies nicht länger aufschieben. Wir sind aber zeither von früh bis nachts nicht aus der Bewegung gekommen.

Die gefochtene Schlacht ist eine unentschiedene gewesen . Das Schicksal derselben hing einigermaßen an dem Besitz zweier Dörfer. Darum ward gekämpft. Wir hatten am Ende nicht mehr so viele Truppen daranzusetzen als der Feind. Die Einleitung zur Schlacht war nicht gut. Den General Miloradowitsch dirigierte man nicht nach dem Schlachtfeld, sondern nach Zeitz. Mehrere Truppenabteilungen haben gar nicht, andere nicht zur rechten Zeit gefochten. Der Kampf ließ also nach; Geschütz ist nicht verlorengegangen; ebenfalls keine Trophäe; von ersterem haben wir zwei Stück im Gegenteil erobert. Wir wollten den Feind umgehen, da aber unser Angriff mißlang, so fanden wir, durch unser Umgehen, unsere Rückzugsstraße bedroht. Man ging also über die Elster, Pleiße und Mulde zurück. Anfangs folgte uns der Feind nicht; gestern tat er dies und hatte ein scharfes Arrieregardegefecht mit dem Oberstleutnant v. Steinmetz, worin dieser vier Offiziere, tot oder verwundet, verlor. Heute sind wir unverfolgt hier angelangt. Der moralische Zustand der Armee ist gut. Der Soldat glaubt nicht geschlagen zu sein. Durch mangelhafte Verpflegung, herbeigeführt durch Unkunde und Mangel an Einsicht, ist ein Teil der Truppen etwas ermattet. Wir wollen selbige wieder erfrischen, so gut dies hier angeht. Können Ew. Exzellenz etwas Außerordentiches für diesen Gegenstand tun, so würde dies von guter Wirkung sein; z.B. Weißbrot, Wein usw. die Elbe herunterschicken.

Wenn alles mit Anstrengung an Wiederherstellung und Vergrößerung der Streitkräfte arbeitet, so bin ich keinen Augenblick zweifelhaft über das Schicksal des Krieges. Die Belagerungen müssen aufgehoben, in Blockaden umgewandelt, und diese der Landwehr übertragen werden. Dieses gibt uns 24 Bataillone etwa. 3 Bataillone finden wir an der Elbe; mit General Kleist können wir uns nun vereinigen, mit Miloradowitsch sind wir es bereits; vielleicht werden wir dies mit Bülow und Borstell auch. Dieses zusammengenommen haben wir eine Macht um ein großes stärker als die am Schlachttage, während der Feind noch geschwächt ist. Unter solchen Umständen darf der Sieg nicht zweifelhaft sein. Aber alle Streitkräfte der Nation müssen in Anspruch genommen und alle in einem Moment, soweit dies angeht, angewendet werden.

Was Schweden und Österreich tun werden, ist hier noch gar nicht angeschlagen.

Quelle:
Gneisenau, Neidhardt von: Briefe 1813

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