EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Flugschrift »Wackere Preußen! Geliebte Landsleute!«

vom Januar 1813.

Wackere Preußen! Geliebte Landsleute!

Gott hat der Welt ein herrliches, ein fröhliches Neues Jahr gegeben; er hat ein fürchterliches Gericht gehalten; er hat gnädig und gewaltig bewiesen dass er noch der alte Gott ist und dass er stehet und streitet mit denen, die fest auf ihn bauen: er hat die Bösen geblendet, gestraft, zerschmettert damit die Guten sich erheben und ermannen kann".

Ihr habt das blutige und unerbittliche Ungeheuer gesehen und gefühlt welches in seinem stolzen Wahn und Übermut sich nichts kleineres angemaßt hatte, als alle Länder zu bezwingen, alle Thronen zu schinden, alle Volker In erniedrigen und endlich in satanischer Einsamkeit über einen verworfenen zu herrschen Er kam im Sommer des verflossenen Jahres er zog auch nicht fern vorüber, er zog durch euch hin mit seinen Scharren ja er zog über euer Glück und über eure Ehre dahin, wie der giftige Bauch der Boa?Schlange verwüstend und verpestend über ein fruchtbares Gefilde zieht. Der Westen war ihm fast dienstbar, Frankreich, Italien, Deutschland, das Niederland, die Schweiz Polen schwellten die zerstörende Masse der Volker: nie war in Europa ein Heer gesehen worden, so zahlreich und trotzig als das, welches er im Junius 1812 über die Weichsel und den Niemen trieb, Er gelobte binnen weniger Wochen Russland zu zertrümmern und die Schändung und Entehrung des unglücklichen Europas zu vollenden. Seine Schmeichler und Knechte posaunten es Über die Welt aus: der Unbezwingliche der Unbesiegliche, der Weltbefreier, der Zeitverjünger, der Einzige, der Unvergleichliche komme, sich und Europa an dem treulosen Beherrscher der Russen zu rächen, und den Osten unseres Weltteils gleich dem Westen zu beglücken und zu befreien. Diese Stimmen der Nichtswürdigkeit krächzten fern und nah alle Buben und Knechte nach; die Matten und Feigen glaubten und zitterten; selbst manche Gute und Wackere wollten fast verzweifeln nur wenige ehrenfeste und herzhafte Seelen hofften und vertrauten, denn ihnen war in dein schmutzigen Strom der Zeit die Zuversicht auf Gott und das Licht der Geschichte nicht untergegangen, Auch sie sahen ein Heer, zahllos wie der Sand am Meer seine gefürchtet? Legionen fortwälzen; aber sie sahen auch Unordnung, Ungehorsam, Übermut Wollust, Weichlichkeit, Habsucht Grausamkeit, Verruchtheit, Schande ? sie sahen alle Laster und Verbrechen mit ihm ziehen; sie erkannten die nie vergessenden, die schlummerlosen Göttinnen, die als Botinnen und Richtet innen den Untaten vorangehen und folgen sie erkannten die Furien, die zugleich verwirren und strafen; sie erkannten die Sicherheit, den Übermut und die Verblendung, gewisse Zeichen des Umsturzes, in dein Tyrannen und in seinen verbrecherischen Großschergen die sich Könige und Herzöge und Marschälle von Frankreich nennen sie erkannten mit Freunden, dass das Laster und die Verruchtheit wie durstige Vampire den Geist, den Mut die Geschwindigkeit, die das bezauberte Europa sonst in ihnen anstaunte, ausgesogen hatten. 

Bonaparte drang in Russlands Grenzen ein, die russischen Heere wichen zurück, er verkündigte Polens Eroberung, Russlands Zerstückelung, Flucht und Zerstreuung der russischen Heere, Zulauf und Jubel der Russen welche die französische Freiheit gefalle, bald Ruhe, Frieden, Glück der ganzen Welt. Die russischen Heere, kleiner an Zahl, mächtiger an Mut starker durch Gott und ihr Recht, fochten mit Löwenmut Kliasticzi Polozk Smolensk Borodino und viele andere Orte des weiten Reiches sind unvergängliche Denkmäler russischer Tapferkeit geworden; so lange die Düna ihre Wasser ins Meer wälzt, wird Wittgenstein genannt werden, Barclay und Kutusoff werden unsterbliche Namen bleiben. Doch kam Bonaparte nach Moskau durch die Überlegenheit seiner Heere, die er blutig aufopferte durch die immer Massen die er aus Polen und Deutschland ins Verderben sich nachriss, durch List des russischen Feldherrn und durch Gott, welcher ihn verderben und die Welt erlösen wollte.

Bonaparte hatte gehofft, wie es ihn zu oft gelungen war, mit Moskau den Frieden zu erobern, Europa seine Lügen vorzugaukeln Russland durch Unterhandlungen, Waffenstillstände, Friedensschlüsse zu betören zu erniedrigen und zu zerstören Was fand er? Er fand in dem Kaiser von Russland die Standhaftigkeit und Großherzigkeit, welche Angesichts der Welt und des Volks erklärte, nimmer werde er sich und sie durch einen unrühmlichen Frieden beflecken, er werde aushalten im Kampfe wenn auch beide Hauptstädte und die besten Landschaften in des Feindes Gewalt fallen, und wenn er und seine Gemahlin auch bis an die äußeren Grenzen fliehen müssten; er fand bei den Kaiserinnen, den Fürsten, dein Adel, dem Bürger den Bauern denselben Stolz, denselben Mut denselben Geist, alles hinzugeben, damit die Ehre, die Freiheit und das Vaterland unverloren blieben; er fand endlich in dem ganzen großen Volke, durch seine und seines Heeres Schanden und Gräuel den Zorn und die heilige Wut für ihr Land und ihr Recht, wodurch er unter gehen sollte. Moskau loderte in Flammen auf, Städte und Dörfer die Schätze langer Geschlechter, die Vorräte glücklicher Jahre verzehrte das Feuer, von Smolensk - Moskau ward das Land zu beiden Seiten der Strasse fünfzig deutsche Meilen lang in eine Wüste verwandelt. Aber aus diesen Flammen stieg die Rache dieser Verwüstung der Grimm auf; jeder Bauer ward ein Held, jeder Bürger ein Krieger; Sieg oder Verderben, Freiheit oder Untergang - das wollten die stolzen Seelen. So strömten zu Tausenden bewaffnete Scharen herbei zu Fuß und zu Ross, und verstärkten das russische Heer, und entflammten durch die Menge und durch die Gesinnung das Vertrauen und die Gewalt.

Bonaparte hatte, auf dein Unglück und den Ruinen von Moskau lagernd, fünf Wochen vergeblich verloren; man hatte ihm keinen Frieden angeboten, man hatte den angebotenen und angeschmeichelten stolz verworfen; die russischen Heere verjüngten sich wieder, die ergrimmte und wimmelnde Kraft des ganzen großen Volkes walzte sich von Tage zu Tage reißender und angeschwollener gleich einem Bergstrom heran; Mangel, Herbst, Kalte, Ödenei die Entfernung der Orte und die Entfernung der Hoffnung drohten gleich schrecklich - er erwachte aus seinem starren Traum und erstaunte und erschrak. Noch versuchte er zu tauschen durch verstellte Märsche und Angriffe der Russen. Er tauschte sie nicht, er ward geschlagen, er zog nicht mehr zurück mit seinem Heere - er floh; und Wut und Rache und Hunger und Pest, das Schwert der Russen, und Gott, und die Elemente folgten ihm in vernichtender Begleitung. Bei Malojaroslwaitz bei Mosaisk bei Krasnoi bei Witepsk an der Beresina geschlagen, zuletzt ohne Kanonen, Waffen Pferde, Gepäck, von der grimmigen Kälte und dem grimmigen Hunger verfolgt, flohen die traurigen Trümmer des gewaltigen Heeres; an 400.000 Mann waren getötet, gefangen, verhungert, erfroren, in Hospitälern für einen gewissen Tod aufgeschichtet, Gott hatte ein fürchterliches Gericht gehalten!

Preußen! Ich erzähle euch nichts Fremdes noch Neues, ihr habt dieses Weltgericht der gerechten Vorsehung vorübergehen sehen; ihr habt gesehen, was jedem, der es nur horte, unglaublich dünken wird. ein Unglück eine Schande, eine Demütigung des Stolze" wie die europäische Geschichte keine erzählen konnte bis diesen Tag. Aber dieser Tag, der Tag des Verderbens der, bonapartischen Rotten, ging auf als das Licht eurer Befreiung. Bald flogen die russischen Heere den zertrümmerten Haufen nach - kamen in euer Land nicht als Feinde, sondern als Freunde .Mit ihnen kam ihres großherzigen Kaisers Versicherung, er wolIe  eures Landes und eurer Güter nicht, die Erlösung eures Vaterlandes und eures Königs, die Wiederherstellung Deutschlands, die Beruhigung, Europens - das sei der einzige Gedanke seiner Seele.

Preussen! Für die Welt und für euch ist ein neuer Stern der Glorie und des Heils aufgegangen,  nach ihr alle schauen müsst Ihr habt das hohe Beispiel vor euch, was ein Volk vermag mag, das Gott fürchtet und sein Vaterland und seine Freiheit über alles liebt. Der Wahn der euch und die Welt hielt, ist verwehet, eure Fesseln sind zerbrochen, ihr seid frei. - Auf denn! wagt euren Vätern zu gleichen! wohlan!  ihr habt das Beispiel, - geht auch da, Beispiel.

Ihr Glücklichen! Euch fällt das schöne Los, die ersten Deutschen zu sein, welche in dem neuen  Leben und der neuen Kraft des Volkes allen als glänzendes Muster der Ehre, der Vaterlandsliebe, der Aufopferung der Begeisterung voranschreiten. Es ist für die ganze deutsche Nation eine große eine herrliche Zeit erschienen, es wird mit der Schande und der Verruchtheit ein heiliger und schwerer Kampf beginnen, aber ihr werdet ihn durchfuhren, wenn ihr die
Tugenden wieder ei fasst wodurch eure Vater so gepriesen waren, Ihr seid die ersten Deutschen, die aufstehen! Ihr müsst mit der Hand, mit dein Herzen, mit den Waffen, ihr müsst mit Worten und Taten mit jeder großen Gesinnung und jedem edlen Stolz die ersten sein, damit eure Bruder das Beispiel haben, dein jeder hintenan zu bleiben sich schäme.

Preußen! Viel Unglück muss in Glück, viele Schande in Ehre, viele Verwirrung in Ordnung, viele Unzucht in Zucht verwandelt werden, ehe der deutsche Name wieder mit Glanz in der Reihe der Völker steht. Preußen! Die Schatten eurer edlen Vorfahren, die Geister eurer großen Herrscher, der Geist eures unsterblichen Friedrich, die Tugenden und Werke und Künste unsre so vieler wackerer deutschen Männer, welche die Weltgeschichte verherrlichen, ermahnen euch, wacker und frisch zu sein das schwere Unglück, die schwerere Schande der letzten Jahre, die Drangsale die ihr erlitten, die Gräuel, die ihr erlebt habt, ermahnen euch zum Mut zum Stolz  zur Rache, dass auch durch euren Heroismus die verruchten Fremdlinge in den deutschen Grenzen vertilgt und die deutschen Ehren wieder aufgerichtet werden.

Es ist eine große und gewaltige gewaltige Zeit. Gott, der ewige und mächtige W alter aller Dinge, hat gerichtet, sein Finger hat sich sichtbar bewiesen, er hat das Seinige getan -  es ist an euch, das Eurige zu tun. Eine neue Zeit wird beginnen, eine große und herrliche deutsche Zeit, wenn jede lebendigste Kraft, jedes glühendste Herz, jede freudigste Tugend und jede reinste Gesinnung, wenn die ganze Liebe und Treue des deutschen Volke, in den großen Kampf gesetzt wird. Hass gegen die Fremden Hass gegen die Franzosen, gegen ihren Tand, ihre Eitelkeit, ihre Liederlichkeit, ihre Sprache ihre Sitten, ja brennender Hass gegen alles, was nur von ihnen kommt das muss alle Deutsche fest und und brüderlich vereinen und deutsche Tapferkeit deutsche Freiheit, deutsche Zucht, deutsche Ehre und Gerechtigkeit oben schweben lassen, und wieder in die alte Würde und Herrlichkeit stellen, wodurch unsre Väter vor den meisten Völkern der Erde leuchteten.

Und wofür wird gestritten werden in dem großen Kampfe für das Heiligste und Ehrwürdigste, für die Ehre, die Freiheit, die Gerechtigkeit für die Wissenschaft und für die Kunst, für jede schönste Tugend und jedes höchste Gut des menschlichen Geschlechts, die der abscheuliche Tyrann von der Erde vertilgen möchte; für das Liebste und heiterste, für die Eltern und für die Kinder, für die Weiber und für die Bräute, für das gegenwärtige Geschlecht und für die künftigen Geschlechter, die elende Sklaven sein werden, wenn ihr nicht kühne Männer sein wollet.

Eures Unterdrückers und Schänders Macht liegt zerschmettert durch Gottes Arm, eure hinterlistigen Feinde, die Franzosen, sind durch seine Wut erniedrigt entkräftet und entgeistert aber wäre der Krieg den ihr als redliche Deutsche mit ihnen zu führen habt, auch der schwerste erste und längste - ihr müsstet davor nicht zittern. Was euch in Schande gebracht hat, muss euch wieder zu Ehren bringen. Nur ein blutiger Franzosenhass kann die deutsche Kraft vereinigen, die deutsche Herrlichkeit wieder herstellen, alle edelsten Triebe des Volkes hervortreiben und alle niedrigsten versenken; dieser Hass, als Palladium deutscher Freiheit den Kindern und Enkeln überliefert, muss künftig an der Schelde, an dem Vogesus und den Ardennen Gernaniens sicherster Grenzhüter sein.

Preussen! das Zeitalter, das Vaterland, die Welt sieht auf euch; die ersten müssen die glänzendsten sein. Ihr werdet nicht kleiner sein wollen, als euer Beruf ist, ihr werdet nicht schlechter sein wollen, als eure Vater waren. Auf denn! wackre Beginner der Freiheit und Ehre! auf mit euren Herzen zum deutschen Gott und zur deutschen Tugend! Auf zu jedem kühnsten Mut und zu jeder reinsten Hingebung! und ihr werdet wieder in Ehren leben und eure Kinder und Enkel in Freiheit wohnen. Gott hat Gericht gehalten, Gott hat die Bahn geöffnet Gott will, wollet auch!

Quelle:
Privatarchiv EPOCHE NAPOLEON

Letzte Änderung der Seite: 27. 03. 2017 - 22:03